JULIAN ALDEN WEIR (1852-1919) Summer Pastime
JULIAN ALDEN WEIR (1852-1919) Summer Pastime – Mit freundlicher Genehmigung von: christies / Christie's

Was: Auktion

Wann: 23.01.2026 - 23.02.2026

Der kunsthistorische Anker dieser Auktion ist amerikanische Kunst als gelebte Sammelkultur – verstanden nicht als Marktsegment, sondern als lebenslange Schule des Sehens. Wenn Christie’s am 23. Januar in New York die Sammlung von Max N. Berry aufruft, wird weniger ein Besitzstand aufgelöst als eine Haltung sichtbar gemacht, die über sieben Jahrzehnte hinweg gewachsen ist. American Art erscheint hier nicht als nationale Kategorie, sondern als geistiger Raum, in dem Geschichte, Bildung und persönliche Erfahrung miteinander verschränkt sind.

Berry, geboren in Cushing, Oklahoma, und aufgewachsen in Tulsa, begegnete der Kunst früh in den Museen von Gilcrease und Philbrook. Diese frühe Prägung wirkt in seiner Sammlung nach, die sich von der Hudson River School über das 19. Jahrhundert bis zu impressionistischen Positionen und dem Realismus des 20. Jahrhunderts spannt. Die Werke sind nicht isoliert gedacht, sondern im Dialog, salonartig gehängt, vergleichbar mit historischen Sammlerbildern wie Louis Charles Moellers Darstellung des reifen Connaisseurs. Sammeln wird hier zur intellektuellen Biografie.

JOHN FREDERICK PETO (1854-1907) Still Life of Umbrella, Carpetbag and Hat
ABBOTT FULLER GRAVES (1859-1936) Mrs. Mayer's Garden
JOHN FREDERICK PETO (1854-1907) Still Life of Umbrella, Carpetbag and Hat • ABBOTT FULLER GRAVES (1859-1936) Mrs. Mayer's Garden – Mit freundlicher Genehmigung von: christies / Christie's

Max N. Berry verkörpert damit eine Sammlerfigur, wie sie heute selten geworden ist: geprägt von langfristiger Verantwortung, historischer Neugier und einem ausgeprägten Sinn für Maß und Qualität. Seine Sammlung liest sich nicht als Statement, sondern als gewachsene Argumentation über amerikanische Kunst.

Parallel zu seiner juristischen Laufbahn im internationalen Handelsrecht in Washington, D.C., entwickelte Berry einen geschärften Blick für Qualität, unterstützt durch den Austausch mit führenden Wissenschaftlern. Seine Sammlung amerikanischer Kunst gilt heute als eine der bedeutendsten in privater Hand. Dass sie zugleich durch Werke von Alexander Calder und Alberto Giacometti, durch chinesische Kunst, Judaica, Scrimshaw und Porzellan erweitert wird, ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck eines universellen Verständnisses von Form, Handwerk und kultureller Bedeutung.

WALT KUHN (1877-1949) Polo Game
WALT KUHN (1877-1949) Polo Game – Mit freundlicher Genehmigung von: christies / Christie's

„Collecting many and various objects over a lifetime has given me a unique education and afforded me wonderful insights into history, appreciation of design, craftsmanship, beauty and many lifetime friendships…“ Diese Worte sind kein Rückblick aus Distanz, sondern das präzise Bekenntnis eines Sammlers, der Kunst immer als Erfahrungsraum verstanden hat. Jedes Objekt war für ihn Quelle einer „unique and palpable pleasure“, einer sinnlich wie geistig erfahrbaren Präsenz.

In den einzelnen Werken der Auktion verdichtet sich diese Haltung exemplarisch. Julian Alden Weir zeigt in Summer Pastime eine stille, lichtdurchflutete Szene, in der sich amerikanischer Impressionismus als kontemplative Lebensform entfaltet; das Werk ist mit einer Schätzung von USD 70.000 bis USD 100.000 angesetzt. Bei John Frederick Peto wird das Alltägliche zum Träger von Erinnerung: Still Life of Umbrella, Carpetbag and Hat verleiht vergänglichen Dingen eine fast melancholische Würde und ist mit USD 60.000 bis USD 80.000 taxiert.

Die Moderne tritt mit Walt Kuhn gleich doppelt in Erscheinung. Polo Game, geschätzt auf USD 100.000 bis USD 150.000, verbindet Dynamik und formale Strenge, während At the Beach mit einer Schätzung von USD 40.000 bis USD 60.000 eine ruhigere, beinahe introspektive Seite desselben Künstlers offenbart. Die Skulptur Jockey and His Mount von William Hunt Diederich bringt mit ihrer kraftvollen Reduktion Bewegung und Tier-Mensch-Beziehung auf den Punkt und ist mit USD 15.000 bis USD 25.000 angesetzt.

WILLIAM HUNT DIEDERICH (1884-1953) Jockey and His Mount Important information about this lot
FREDERICK WILLIAM MACMONNIES (1863-1937) Pan of Rohallion Important information about this lot
WILLIAM HUNT DIEDERICH (1884-1953) Jockey and His Mount Important information about this lot • FREDERICK WILLIAM MACMONNIES (1863-1937) Pan of Rohallion Important information about this lot – Mit freundlicher Genehmigung von: christies / Christie's

Mythos und klassische Bildung klingen in Pan of Rohallion von Frederick William MacMonnies an, einer Arbeit, die den transatlantischen Dialog zwischen amerikanischer Kunst und europäischer Tradition sichtbar macht. Stillleben und Genreszenen bilden weitere Fixpunkte der Sammlung. Severin Roesen entfaltet in Flowers on a Tabletop eine barock anmutende Fülle, geschätzt auf USD 50.000 bis USD 70.000. Bei Maurice Brazil Prendergast verbinden sich Farbe, Rhythmus und Bewegung sowohl in Promenade on the Seashore No. 2 als auch in Still Life with Fruit and Flowers, letzteres mit einer Schätzung von USD 60.000 bis USD 80.000.

MAURICE BRAZIL PRENDERGAST (1859-1924) Promenade on the Seashore No. 2
MAURICE BRAZIL PRENDERGAST (1859-1924) Promenade on the Seashore No. 2 – Mit freundlicher Genehmigung von: christies / Christie's
 SEVERIN ROESEN (1815-1872) SEVERIN ROESEN (1815-1872) Flowers on a Tabletop
JOHN GEORGE BROWN (1831-1913) Playing in the Sand at Southampton Beach
MAURICE BRAZIL PRENDERGAST (1859-1924) Still Life with Fruit and Flowers
SEVERIN ROESEN (1815-1872) SEVERIN ROESEN (1815-1872) Flowers on a Tabletop • JOHN GEORGE BROWN (1831-1913) Playing in the Sand at Southampton Beach • MAURICE BRAZIL PRENDERGAST (1859-1924) Still Life with Fruit and Flowers – Mit freundlicher Genehmigung von: christies / Christie's

Ein leiser erzählerischer Ton prägt Playing in the Sand at Southampton Beach von John George Brown, geschätzt auf USD 40.000 bis USD 60.000, ein Werk, das das Alltagsleben mit empathischem Blick festhält. So entsteht aus den einzelnen Positionen ein Panorama, das amerikanische Kunst nicht als lineare Abfolge, sondern als lebendiges Geflecht von Stilen, Themen und Haltungen zeigt.

WALT KUHN (1877-1949) At the Beach
WALT KUHN (1877-1949) At the Beach – Mit freundlicher Genehmigung von: christies / Christie's

Der Abschied von der eigenen Sammlung ist für Berry folgerichtig ambivalent. „Because it will mean empty walls and an absence of many items of deep interest and meaning to me which I have enjoyed for many years.“ Zugleich öffnet sich ein neuer Horizont: „But, at the same time, it will give me great pleasure in knowing that other collectors younger than me and various museums will provide their patrons with emotional experiences with these pieces that will live on.“

In dieser Auktion verdichtet sich amerikanische Kunstgeschichte zu einer persönlichen Erzählung. Sie zeigt, dass Sammeln mehr sein kann als Akkumulation: eine Form der Erkenntnis, eine Schule der Aufmerksamkeit und ein stilles Versprechen, dass Kunst durch Weitergabe lebendig bleibt.

Tags: amerikanische Kunst, Max N. Berry, Privatsammlung, Kunstmarkt, Kunstgeschichte, John Frederick Peto, Abbott Fuller Graves, Julian Alden Weir, Walt Kuhn, Wilhelm Hunt Diederich, Frederick William MacMonnies, Maurice Brazil Prendergast, Severin Roesen, John George Brown

Die Live-Auktion bei Christie’s findet statt am
23. Januar, Beginn 11:00 Uhr EST (New York)
das entspricht 17:00 Uhr MEZ (Mitteleuropäische Zeit).