Sitzbereich im ersten Obergeschoss mit Robert Mapplethorpe, „Portrait of Barbara Jakobson“ (1982), über dem Kamin und Ed Ruscha, „That Housing Tract Is Only Texture“ (1976), aus der Online-Auktion „Temple of Style: The Barbara Jakobson Collection“ bei Christie’s.
Sitzbereich im ersten Obergeschoss mit Robert Mapplethorpe, „Portrait of Barbara Jakobson“ (1982), über dem Kamin und Ed Ruscha, „That Housing Tract Is Only Texture“ (1976), aus der Online-Auktion „Temple of Style: The Barbara Jakobson Collection“ bei Christie’s. – Mit freundlicher Genehmigung von: christies / Christie's

Was: Auktion

Wann: 04.03.2026

Am 18. Februar öffnet sich ein Fenster, durch das wir nicht eintreten, sondern gleiten.
Die Räume von Barbara Jakobson geben sich nicht auf einmal preis, sie entfalten sich Schritt für Schritt, wie eine Abfolge von Blicken, die einander nicht erklären wollen. Im Upstairs Sitting Room liegt der Fokus auf der Couch, darüber das aus Metall gegitterte Werk von Mike Bidlo, Untitled (After Picasso). Links ein Tisch mit Holzfüßen und Glasplatte, geradeaus eine Zeichnung einer Pfeife – beiläufig, präsent, von leiser Ironie getragen.

Ein paar Schritte weiter öffnet sich der First Floor Balcony Sitting Area. Geradeaus blickt uns Robert Mapplethorpe entgegen, sein Portrait of Barbara Jakobson von 1982. Rechts, im Eck, neben der strukturierten Tischlampe, zwei persönliche Fotografien. Nichts hier wirkt arrangiert, alles scheint geblieben. Die Räume erzählen nicht von Besitz, sondern von Nähe – von einem Leben mit Kunst, nicht vor ihr.

Barbara Jakobson steht für eine Form des Sammelns, die heute fast utopisch wirkt – und genau darin liegt ihr Zauber: Kunst nicht als Besitz zu verstehen, sondern als gelebte Nähe, als dauernden Dialog, der immer wieder neu definiert werden muss, weil er sich dem Markt ebenso entzieht wie jeder Form von Inszenierung.

Timothy Greenfield-Sanders, „Barbara Jakobson“ (1988), Porträt aus der Serie „Art World“, Gelatinesilberabzug, angeboten in der Online-Auktion „Temple of Style: The Barbara Jakobson Collection“ bei Christie’s.
Timothy Greenfield-Sanders, „Barbara Jakobson“ (1988), Porträt aus der Serie „Art World“, Gelatinesilberabzug, angeboten in der Online-Auktion „Temple of Style: The Barbara Jakobson Collection“ bei Christie’s. – Mit freundlicher Genehmigung von: christies / Christie's
Als Treuhänderin des MoMA und leidenschaftliche Sammlerin hat Barbara Jakobson über Jahrzehnte eine Welt geschaffen, in der Kunst nicht distanziert an den Wänden hängt, sondern Teil des Alltags wird. Ihr Stadthaus in Manhattan war kein Schauraum, sondern ein offenes Haus – ein Ort, an dem Künstler nicht zu Gästen, sondern zu Freunden wurden, an dem Gespräche wichtiger waren als Provenienzen und Nähe mehr zählte als Repräsentation.

„She just welcomed artists into her life, into her heart, into her home.“

Dieser Satz beschreibt keine Pose, sondern eine Haltung. Werke von Künstlern wie Jasper Johns oder Robert Mapplethorpe waren bei Jakobson keine Trophäen, sondern Spuren gemeinsamer Zeit, Zeichen von Vertrauen und gegenseitiger Achtung. Sammeln wurde so zu einer stillen Form von Biografie, geschrieben nicht in Worten, sondern in Bildern, Begegnungen und Erinnerungen.
Oberes Wohnzimmer von Barbara Jakobson mit Werken von Mike Bidlo, darunter „(Not) Magritte“ (1984) und „Untitled (After Picasso)“ (1986), aus der Online-Auktion „Temple of Style: The Barbara Jakobson Collection“ bei Christie’s.
Oberes Wohnzimmer von Barbara Jakobson mit Werken von Mike Bidlo, darunter „(Not) Magritte“ (1984) und „Untitled (After Picasso)“ (1986), aus der Online-Auktion „Temple of Style: The Barbara Jakobson Collection“ bei Christie’s. – Mit freundlicher Genehmigung von: christies / Christie's

Gerade in einer Gegenwart, in der der Kunstmarkt oft lauter ist als die Kunst selbst, wirkt diese Haltung überraschend aktuell. Barbara Jakobson verkörpert ein Sammeln, das nicht nach außen zielt, sondern nach innen wirkt – ein Sammeln, das Verantwortung übernimmt, ohne sie auszustellen, und das Nähe zulässt, ohne sie zu instrumentalisieren. Es ist eine leise Gegenbewegung zur Beschleunigung, ein Plädoyer für Dauer, für Vertrauen und für die Idee, dass Kunst vor allem dort entsteht, wo Menschen einander Raum geben.

Eingangsbereich mit Josef Albers, „Homage to the Square: Insight“ (1963), und Gerrit Rietveld „Zig Zag“-Stühlen in der Wohnung von Barbara Jakobson.
Oberes Arbeitszimmer mit Hausbibliothek, Designobjekten und persönlichen Fotografien in der Wohnung von Barbara Jakobson.
Dan Flavin, „Untitled“ (1964), ultraviolette Leuchtstoffarbeit im Wohnraum der Sammlung Barbara Jakobson.
Eingangsbereich mit Josef Albers, „Homage to the Square: Insight“ (1963), und Gerrit Rietveld „Zig Zag“-Stühlen in der Wohnung von Barbara Jakobson. • Oberes Arbeitszimmer mit Hausbibliothek, Designobjekten und persönlichen Fotografien in der Wohnung von Barbara Jakobson. • Dan Flavin, „Untitled“ (1964), ultraviolette Leuchtstoffarbeit im Wohnraum der Sammlung Barbara Jakobson. – Mit freundlicher Genehmigung von: christies / Christie's
Horst P. Horst, „Barbara Jakobson in a 1952 Christian Dior Dress“ (1984), Gelatinesilberabzug aus der Online-Auktion „Temple of Style: The Barbara Jakobson Collection“ bei Christie’s.
Horst P. Horst, „Barbara Jakobson in a 1952 Christian Dior Dress“ (1984), Gelatinesilberabzug aus der Online-Auktion „Temple of Style: The Barbara Jakobson Collection“ bei Christie’s. – Mit freundlicher Genehmigung von: christies / Christie's

Die redaktionelle Auseinandersetzung erfolgt vor dem Hintergrund der Online-Auktion „Temple of Style: The Barbara Jakobson Collection“, die bei Christie’s bis zum 4. März 2026 stattfindet, ohne den erzählerischen Fokus von der Sammlerpersönlichkeit auf den Verkauf zu verlagern.

Barbara Jakobson erinnert daran, dass Kunst immer dann am stärksten ist, wenn sie nicht erklärt werden will, sondern geteilt wird. Und vielleicht liegt genau darin ihr Vermächtnis: in der Einsicht, dass Sammeln kein Endpunkt ist, sondern ein offener Prozess – ruhig, persönlich und von jener stillen Intensität, die man nicht kaufen kann.

 

Am Ende führen die Räume weiter, ohne Ziel und ohne Dramaturgie. Ein Eingangsbereich mit Josef Albers, ein Arbeitszimmer voller Bücher, eine Wand, an der Licht von Dan Flavin den Raum nicht erhellt, sondern strukturiert. Jeder Ort fügt sich ein, keiner drängt sich vor. Man geht nicht von Werk zu Werk, sondern von Geschichte zu Geschichte.

Denn jedes Stück in der Welt von Barbara Jakobson trägt einen eigenen Weg in sich – von seiner Entstehung bis zu jenem Moment, in dem es bei ihr angekommen ist. Nicht als Trophäe, nicht als Abschluss, sondern als Fortsetzung. Sammeln wird hier zu einem offenen Prozess, in dem Zeit, Begegnung und Aufmerksamkeit wichtiger sind als Besitz. Und vielleicht liegt genau darin die stille Kraft dieser Räume: Sie bewahren nicht Kunst, sie bewahren Beziehungen.

Dieser Beitrag versteht sich als redaktionelle Annäherung und Einladung zum Hinsehen – nicht als Anspruch, sondern als Angebot zum Teilen von Wahrnehmung, Zeit und Raum.

Tags: Barbara Jakobson, Kunstmarkt, Privatsammlung, Robert Mapplethorpe, Sammeln, Interieur, Nachkriegskunst, Zeitgenössische Kunst, Pablo Picasso, Design des 20. Jahrhunderts, Josef Albers

18. Februar, 10:00 Uhr – 4. März, 10:00 Uhr (EST) | Online-Auktion 24708