Ernst Ludwig Kirchner Albertplatz Platz in Dresden-Neustadt - Das Boskett, 1911
Ernst Ludwig Kirchner Albertplatz Platz in Dresden-Neustadt - Das Boskett, 1911 – Mit freundlicher Genehmigung von: kettererkunst / Ketterer Kunst GmbH & Co KG

Was: Auktion

Wann: 15.02.2026

Dresden war 1911 ein pulsierender, kulturell aufgeladener Industriestandort, in dem sich gesellschaftliches Leben, Kunst und Alltag auf selbstverständliche Weise durchdrangen. Cafés, Restaurants, Musikpavillons und Jahrmärkte bildeten jene Bühne, auf der sich eine moderne Stadt zeigte – offen, bewegt, voller Widersprüche. In diese Atmosphäre führt der Auftakt dieses Online Sales zurück: in eine vergangene Zeit, die nicht museal erstarrt ist, sondern als lebendiger Resonanzraum erscheint, aus dem bedeutende künstlerische Positionen des 20. Jahrhunderts bis heute wirken.

Mit Ernst Ludwig Kirchner verdichtet sich dieser Moment zu einem präzisen künstlerischen Blick. Die Lithografie Albertplatz in Dresden-Neustadt – Das Boskett von 1911 hält nicht nur einen Ort fest, sondern ein Lebensgefühl im Übergang. Figuren, Architektur und Bewegung verschmelzen zu einer Szenerie, in der das urbane Leben zugleich beobachtet und empfunden wird. Kirchners Linien sind nervös und klar zugleich – sie erzählen von Nähe, Tempo und jener inneren Spannung, aus der die Moderne ihre Bildsprache gewann.

 

124 Otto Dix Leonie, 1923
George Grosz Die Zofe, 1936
124 Otto Dix Leonie, 1923 • George Grosz Die Zofe, 1936 – Mit freundlicher Genehmigung von: kettererkunst / Ketterer Kunst GmbH & Co KG

Während Kirchner das urbane Leben noch aus innerer Bewegung heraus erfasst, richtet sich der Blick bei Otto Dix und George Grosz auf den Menschen selbst – ungeschönt, präzise, mit oft schonungsloser Klarheit. Dix’ Farblithografie Leonie von 1923 steht exemplarisch für jene neue Sachlichkeit, die das Individuum nicht idealisiert, sondern seziert. Grosz’ Kreidezeichnung Die Zofe von 1936 hingegen verdichtet gesellschaftliche Rollenbilder zu einer stillen Anklage. Beide Werke markieren einen Wandel: vom Erleben der Moderne hin zur kritischen Analyse ihrer sozialen und moralischen Bruchstellen.

Keith Haring Aus: The Fertility Suite, 1983
147 Gaston Chaissac Malin, 1960
Keith Haring Aus: The Fertility Suite, 1983 • 147 Gaston Chaissac Malin, 1960 – Mit freundlicher Genehmigung von: kettererkunst / Ketterer Kunst GmbH & Co KG

Mit Gaston Chaissac verschiebt sich der Blick erneut. Sein Werk Malin von 1960 entzieht sich jeder akademischen Ordnung und folgt einer radikal eigenen Bildlogik. Chaissacs Malerei ist roh, direkt und von einer elementaren Bildsprache getragen, die sich jenseits kunsthistorischer Konventionen bewegt. Hier wird das Unmittelbare zur Stärke: Farbe, Form und Material behaupten sich selbstbewusst gegen jede Form von intellektueller Glättung und öffnen den Raum für eine andere, intuitive Wahrheit der Kunst.

Ein ähnliches Moment der Direktheit findet sich – bei aller stilistischen Distanz – auch bei Keith Haring. Die Farbserigrafie aus The Fertility Suite von 1983 verbindet ikonische Klarheit mit gesellschaftlicher Dringlichkeit. Harings Bildsprache ist universell lesbar, doch niemals harmlos: Sie thematisiert Leben, Körper, Energie und Verantwortung in einer Zeit, in der Kunst zunehmend Teil des öffentlichen Raums wurde.

Clemens Gröszer Die Puppe, 1994
Elvira Bach Frau mit Schlange, liegend, 2004
Clemens Gröszer Die Puppe, 1994 • Elvira Bach Frau mit Schlange, liegend, 2004 – Mit freundlicher Genehmigung von: kettererkunst / Ketterer Kunst GmbH & Co KG

Mit den Arbeiten von Clemens Gröszer und Elvira Bach führt dieser Online Sale zurück in eine deutsche Gegenwart, die das Figürliche neu befragt. Gröszers Gemälde Die Puppe von 1994 bewegt sich zwischen Irritation und stiller Melancholie, zwischen Realität und innerem Bildraum. Elvira Bachs Frau mit Schlange, liegend von 2004 setzt dem eine selbstbewusste, körperlich präsente Figur entgegen, in der sich Mythos, Identität und Malerei verbinden. Beide Positionen zeigen, wie stark persönliche Bildwelten bis heute wirken – jenseits von Moden, getragen von Haltung und Erfahrung.

In einer Zeit, in der bedeutende Werke zunehmend jenseits des klassischen Auktionssaals den Besitzer wechseln, öffnet dieser Online Sale einen konzentrierten Raum, in dem Kunst, Geschichte und Markt still miteinander in Dialog treten.

Tags: Kunstauktion, Kunstauktionen, Moderne Kunst, Zeitgenössische Kunst, Ernst Ludwig Kirchner, 20. Jahrhundert, Malerei, Otto Dix, George Grosz, Gaston Chaissac, Keith Haring, Privatsammlung, Kunstmarkt

Der Online Sale läuft bis 15. Februar 2026 und endet ab 15:00 Uh