Henry Moore, King and Queen, 1952–53, Bronze, monumentale Skulptur eines sitzenden Königspaares auf Sockel, 20th / 21st Century London Evening Sale, Christie’s London 2026
Henry Moore „King and Queen“ bei Christie’s London – Mit freundlicher Genehmigung von: christies / Christie's

Was: Auktion

Wann: 05.03.2026

Henry Moore erhebt mit „King and Queen“ die Skulptur zur stillen Machtgeste dieser Londoner Christie’s Abendauktion – ein königliches Paar als Monument des 20. Jahrhunderts, entstanden im Moment eines historischen Umbruchs und nun mit einer Schätzung von GBP 10.000.000 – 15.000.000 erneut im Zentrum globaler Aufmerksamkeit.

Im Februar 1952 starb König Georg VI., Elisabeth II. bestieg den Thron. Ihre Krönung im Juni 1953 wurde zu einem weltweiten Medienereignis: Rund 300 Millionen Menschen verfolgten die Zeremonie – ein beispielloser Augenblick, in dem Monarchie, Ritual und moderne Übertragungstechnologie miteinander verschmolzen.

Genau in dieser Schwelle zwischen Tradition und neuer Öffentlichkeit entsteht Moores Skulptur. Doch bemerkenswert ist, was sie nicht tut: Sie feiert keinen Glanz der Krone, sie illustriert keine konkrete Person, sie zeigt keinen höfischen Prunk. Stattdessen verdichtet Moore das Königtum zu einer archaischen Essenz.

Während die Welt die junge Königin in Gold, Samt und Insignien sah, entwirft Moore eine stille, beinahe asketische Vision von Herrschaft. Seine Figuren sind reduziert, fern, unnahbar – sie blicken nicht auf ihr Volk, sondern in eine zeitlose Distanz.

Im Kontrast zur medial inszenierten Krönung wirkt „King and Queen“ wie eine Reflexion über das Wesen von Macht selbst: nicht als Spektakel, sondern als Haltung.

Wassily Kandinsky, Le rond rouge, 1930er Jahre, abstrakte Komposition mit rotem Kreis und geometrischen Formen
Pablo Picasso, Le peintre et son modele, 1960er Jahre, Maler und weibliches Modell in expressiver Figuration
Wassily Kandinsky, Le rond rouge, 1930er Jahre, abstrakte Komposition mit rotem Kreis und geometrischen Formen • Pablo Picasso, Le peintre et son modele, 1960er Jahre, Maler und weibliches Modell in expressiver Figuration – Mit freundlicher Genehmigung von: christies / Christie's

Doch nach dieser plastischen Verkörperung von Macht verschiebt sich der Fokus der Sale vom Körper in den Kosmos. Wo Moore Gewicht und Präsenz behauptet, öffnet sich nun der Raum ins Geistige.

Mit Wassily Kandinsky tritt die Abstraktion selbst auf die Bühne der London Evening Sale. „Le rond rouge“, geschätzt auf GBP 10.500.000 – 15.500.000, ist kein Herrscherbild, sondern ein energetisches Zentrum. Der rote Kreis wirkt wie ein pulsierender Planet in einem Universum aus Linien, Zeichen und farbigen Spannungen.

Hier geht es nicht mehr um Autorität im Raum, sondern um Bewegung im Denken. Kandinsky entwirft keine Figuren – er entwirft eine Welt. Und in dieser Welt ist Farbe kein Schmuck, sondern Sprache.

Doch nach Kandinskys kosmischer Ordnung kehrt die Auktion zurück zur Figur – nicht als Porträt, sondern als Drama.

Mit Pablo Picasso und „Le peintre et son modèle“, geschätzt auf GBP 7.000.000 – 10.000.000, tritt das Atelier selbst ins Zentrum der Bühne. Picasso zeigt nicht nur Maler und Modell – er zeigt das Verhältnis von Blick und Macht, von Schöpfung und Gegenüber.

Die Szene ist reduziert und zugleich aufgeladen. Der Maler sitzt, das Modell erscheint frontal, präsent, fast konfrontativ. Linien werden zu Spannungen, Körper zu Zeichen. Hier geht es um das uralte Thema der Kunst selbst: Wer sieht wen? Und wer bestimmt die Form?

Claude Monet, Le Parc Monceau, 1870er Jahre, impressionistische Parklandschaft mit Baeumen und blühenden Straeuchern
Gerhard Richter, Abstraktes Bild, 1980er Jahre, rote abstrakte Malerei mit Rakeltechnik
Claude Monet, Le Parc Monceau, 1870er Jahre, impressionistische Parklandschaft mit Baeumen und blühenden Straeuchern • Gerhard Richter, Abstraktes Bild, 1980er Jahre, rote abstrakte Malerei mit Rakeltechnik – Mit freundlicher Genehmigung von: christies / Christie's

Nach dieser konzentrierten Atelier-Szene öffnet sich der Raum. Die Linie wird weicher, das Licht übernimmt die Regie.

Mit Claude Monet und „Le Parc Monceau“, geschätzt auf GBP 5.500.000 – 8.500.000, tritt die Impression in ihrer klassischen Sicherheit auf. Monet zeigt keinen dramatischen Moment, sondern einen flüchtigen Zustand. Bäume, Wege, Lichtflecken – alles scheint in Bewegung, ohne je unruhig zu werden.

Nach Moore’scher Monumentalität, Kandinskys geistiger Radikalität und Picassos psychologischer Spannung wirkt Monet wie ein Atemzug. Seine Malerei ist Atmosphäre, nicht Behauptung.

Doch die Ruhe des Impressionismus bleibt nicht bestehen. Die Auktion schlägt einen schärferen Ton an, die Oberfläche wird dichter, die Farbe körperlicher.

Mit Gerhard Richter und „Abstraktes Bild“, geschätzt auf GBP 4.500.000 – 6.500.000, betritt eine andere Form von Landschaft die Bühne – eine innere. Statt Natur erscheinen Schichten, Rakelspuren, Überlagerungen. Farbe wird Material, wird Widerstand, wird Entscheidung.

Richters Abstraktionen sind keine spontanen Gesten, sondern kontrollierte Prozesse. Genau darin liegt ihre Kraft – und ihre Marktstärke.

Andy Warhol, Four Mona Lisas, 1970er Jahre, serielle Mona Lisa Darstellung in Blau und Schwarz
Cecily Brown, Shadow Burn, 21st century, expressive figurative abstraction in green and earthy tones
Andy Warhol, Four Mona Lisas, 1970er Jahre, serielle Mona Lisa Darstellung in Blau und Schwarz • Cecily Brown, Shadow Burn, 21st century, expressive figurative abstraction in green and earthy tones – Mit freundlicher Genehmigung von: christies / Christie's

Nach Richters Verdichtung kippt die Malerei ins Bild der Moderne selbst. Die Auktion wird reflektierend, fast ironisch.

Mit Andy Warhol und „Four Mona Lisas“, geschätzt auf GBP 3.500.000 – 5.500.000, erscheint nicht nur ein Motiv, sondern ein Mythos im Quadrat. Warhol vervielfacht die Ikone und zeigt ihre Zirkulation im Zeitalter der Medien.

Hier wird das Original zur Oberfläche, das Einzigartige zur Serie. Warhol spiegelt den Markt selbst.

Nach Warhols kalkulierter Ikonografie kehrt die Malerei zum Körper zurück – jedoch nicht als feste Form, sondern als Bewegung.

Mit Cecily Brown und „Shadow Burn“, geschätzt auf GBP 3.000.000 – 5.000.000, endet die Auktion nicht in Nostalgie, sondern in Energie. Browns Malerei ist vibrierend, fragmentiert, sinnlich. Figuren tauchen auf und verschwinden, Farbe kippt ins Körperliche.

So entfaltet sich diese London Evening Sale als Erzählung über Macht, Geist, Mythos, Licht, Struktur, Ikone und Körper. Von Henry Moores archaischer Würde bis zur pulsierenden Gegenwart einer Cecily Brown spannt sich ein Bogen von mehr als einem Jahrhundert Kunstgeschichte – konzentriert in einem einzigen Abend.

So entfaltet sich diese London Evening Sale als Erzählung über Macht, Geist, Mythos, Licht, Struktur, Ikone und Körper. Von Henry Moores archaischer Würde bis zur pulsierenden Gegenwart einer Cecily Brown spannt sich ein Bogen von mehr als einem Jahrhundert Kunstgeschichte – konzentriert in einem einzigen Abend.

London verkauft hier nicht nur Werke. London verhandelt Geschichte.

An diesem Abend wird nicht nur geboten – hier zeigt sich, wie Kunstgeschichte im Markt ihre nächste Form annimmt.

Tags: Kunstauktion, Kunstmarkt, Blue Chip Art, 20. Jahrhundert, Kunst des 21. Jhs., Henry Moore, Wassily Kandinsky, Skulpturen, Malerei, Pablo Picasso, Claude Monet, Gerhard Richter, Andy Warhol, Cecily Brown, Moderne Kunst, Impressionismus, Nachkriegskunst, Zeitgenössische Kunst, Pop Art, Abstrakte Kunst, Private Collection

Vorbesichtigung in London bis zum 5. März 2026.
Die Auktion findet am 5. März um 17:30 GMT bei Christie’s London statt.