Frans Francken II – Allegorie der Folgen des Krieges Öl auf Holz
Frans Francken II – Allegorie der Folgen des Krieges Öl auf Holz – Mit freundlicher Genehmigung von: vanham / VAN HAM Kunstauktionen

Was: Auktion

Wann: 22.05.2026

Die Auktion „Fine Art“ bei Van Ham beginnt mit einem Moment, der Geschichte greifbar macht: Meisterwerke aus der Sammlung von August dem Starken treten erneut auf den Markt und treffen auf eine konzentrierte Auswahl europäischer Malerei vom 16. bis ins 20. Jahrhundert.

Es ist ein Auftakt von Gewicht. Drei Gemälde aus dem Besitz von August dem Starken, jenem legendären Kurfürsten von Sachsen und König von Polen, bilden den historischen Kern dieser Auktion. Kunstwerke, die zwischen 1722 und 1727 an seinen Hof gelangten, treten nun erneut ins Licht – getragen von einer Provenienz, die nicht nur höfische Sammelleidenschaft, sondern auch politische Geschichte berührt.

 

Frans Francken II, Allegorie der Folgen des Krieges, Öl auf Holz
Frans Francken II, Allegorie der Folgen des Krieges, Öl auf Holz – Mit freundlicher Genehmigung von: vanham / VAN HAM Kunstauktionen
Im Zentrum steht ein großformatiges Werk von Frans Francken II, die „Allegorie der Folgen des Krieges“ (Öl auf Holz, Taxe € 30.000–40.000). Ein vielschichtiges, dicht komponiertes Gemälde, das von Dr. Ursula Härting als Meisterwerk bezeichnet wird. Die Szene ist bevölkert, rätselhaft und von innerer Spannung durchzogen. Besonders bemerkenswert: Die Figur am rechten Bildrand dürfte ein Selbstporträt des Künstlers sein – ein leiser Hinweis auf die persönliche Dimension dieses Werks, das beinahe wie ein künstlerisches Vermächtnis wirkt.

An seiner Seite entfaltet sich die stille Andacht der „Maria Himmelfahrt“ von Vincenzo Spisanelli (Öl auf Holz, Taxe € 4.000–8.000). Eine Malerei, die weniger durch dramatische Geste als durch ihre Atmosphäre wirkt. Und schließlich Cornelis van Poelenburgh: eine lichte Landschaft mit badenden Frauen (Öl auf Holz, Taxe € 2.000–3.000), getragen von jener Eleganz, die seine Werke so unverwechselbar macht. Besonders reizvoll ist hier der originale Rahmen aus der Zeit Augusts des Starken mit dem Signet „Augustus Rex“ – ein Detail, das Geschichte unmittelbar erfahrbar macht.

Vincenzo Spisanelli, Maria Himmelfahrt, Öl auf Holz
Cornelis van Poelenburgh, Landschaft mit Badenden, Öl auf Holz
Vincenzo Spisanelli, Maria Himmelfahrt, Öl auf Holz • Cornelis van Poelenburgh, Landschaft mit Badenden, Öl auf Holz – Mit freundlicher Genehmigung von: vanham / VAN HAM Kunstauktionen

Diese drei Werke verbindet nicht nur ihre Herkunft, sondern auch ihr Weg in die Gegenwart. Nach dem Ersten Weltkrieg gelangten sie im Zuge der Vermögensregelungen nach dem Ende der Monarchie – festgeschrieben im Auseinandersetzungsvertrag von 1924 – als Honorar an einen Berater des Hauses Wettin. Nun treten sie aus dessen Nachlass erneut auf den Markt: ein seltener Moment, in dem sich Kunst, Politik und persönliche Geschichte verdichten.

 

 

Albrecht Dürer, Ritter, Tod und Teufel, Kupferstich auf Papier
Oswald Achenbach, Im Park der Villa Torlonia, Öl auf Leinwand
Albrecht Dürer, Ritter, Tod und Teufel, Kupferstich auf Papier • Oswald Achenbach, Im Park der Villa Torlonia, Öl auf Leinwand – Mit freundlicher Genehmigung von: vanham / VAN HAM Kunstauktionen

Ein weiterer Höhepunkt ist Albrecht Dürers Kupferstich „Ritter, Tod und Teufel“ (Kupferstich auf Papier, Taxe € 40.000–60.000). 1513 geschaffen, gehört er zu den Ikonen der Druckgrafik. Die Präzision der Linie, die Tiefe der Schraffur, die nahezu plastische Wirkung der Szene – all das zeigt Dürer auf dem Höhepunkt seiner Meisterschaft. Dieses Blatt vereint technische Perfektion mit humanistischer Symbolik und moralischer Reflexion.

Mit Claes Nicolaus P. Berchem öffnet sich die Bühne für eine dramatische „Hirschjagd“ (Öl auf Leinwand, Taxe € 50.000–80.000). Vier klar gestaffelte Bildebenen erzeugen eine beeindruckende räumliche Tiefe. Bewegung, Licht und Farbe greifen ineinander, die Szene wirkt lebendig, beinahe hörbar. Berchem gelingt hier jene Verbindung aus erzählerischer Dichte und formaler Klarheit, die seine Malerei so besonders macht.

 

Edward Cucuel, Der graue Muff – Dame im Winterwald, Öl auf Leinwand
Oskar Mulley, Bauernhof vor mächtigem Hochgebirge, Öl auf Leinwand
Edward Cucuel, Der graue Muff – Dame im Winterwald, Öl auf Leinwand • Oskar Mulley, Bauernhof vor mächtigem Hochgebirge, Öl auf Leinwand – Mit freundlicher Genehmigung von: vanham / VAN HAM Kunstauktionen

Das 19. Jahrhundert tritt mit Oswald Achenbach in Erscheinung. In „Im Park der Villa Torlonia“ (Öl auf Leinwand, Taxe € 12.000–20.000) verschmelzen Natur und Architektur zu einem harmonischen Ganzen. Licht, Wege und Wasser sind sorgfältig gesetzt, ohne je starr zu wirken. Achenbach führt den Blick, ohne ihn zu lenken.

Mit Edward Cucuel wird es stiller. „Der graue Muff – Dame im Winterwald“ (Öl auf Leinwand, Taxe € 20.000–30.000) ist eine Szene von leiser Intensität. Schnee, Licht und Figur treten in einen sensiblen Dialog. Ein grünes Hütchen setzt einen feinen, fast überraschenden Akzent in der winterlichen Zurückhaltung.

Und schließlich Oskar Mulley: „Bauernhof vor mächtigem Hochgebirge“ (Öl auf Leinwand, Taxe € 40.000–80.000). Eine Landschaft, die nicht spektakulär sein will und gerade darin ihre Kraft entfaltet. Breite Spachtelstriche treffen auf präzise Beobachtung, das Gebirge erhebt sich ruhig und monumental.

Die Auktion „Fine Art“ bei Van Ham am 22. Mai 2026 bringt europäische Malerei vom 16. bis ins 20. Jahrhundert zusammen und verbindet bedeutende Provenienzen mit einer klar fokussierten Auswahl.

Tags: Frans Francken, Alte Meister, Allegorie der Folgen des Krieges, Malerei, Barockmalerei, Kunstauktion, Vincenzo Spisanelli, Cornelis van Poelenburgh, Albrecht Dürer, Claes Nicolaus P. Berchem, Oswald Achenbach, Edward Cucuel, Oskar Mulley

Die Vorbesichtigung zur Auktion „Fine Art“ bei Van Ham findet in den Tagen vor der Auktion im Kölner Auktionshaus statt und ist in der Regel werktags von 10:00 bis 17:00 Uhr sowie am Wochenende mit erweiterten Zeiten zugänglich. Am Auktionstag selbst beginnt die Versteigerung meist am späten Vormittag. Die genauen Öffnungszeiten können je nach Auktion variieren.