Zu den großen internationalen Höhepunkten zählt Francis Picabias „Manucode“ aus dem Jahr 1929. Das zwischen Surrealismus, Traumwelt und Provokation oszillierende Werk wird mit 1 bis 1,5 Millionen Euro bewertet und stammt aus Picabias ikonischer „Transparences“-Phase. Ketterer beschreibt die Arbeit als ein „Meisterwerk des Surrealismus“. In „Manucode“ verschmelzen Unschuld, Schönheit, Liebe und Sünde zu einer surrealen Traumvision voller kunsthistorischer Anspielungen – von Botticellis „Geburt der Venus“ bis zu den Paradiesvögeln aus Boschs „Garten der Lüste“.
Doch gerade die Mischung macht diese Jubiläumsauktion außergewöhnlich. Emilio Vedovas eruptives Informel-Gemälde „Tensione, N 4 V“ bringt die rohe Energie der europäischen Nachkriegsavantgarde nach München, während Georg Baselitz mit seinem monumentalen „Enddesign“ die Gegenwartskunst auf musealem Niveau repräsentiert.
Hinzu kommen Arbeiten von Alexej von Jawlensky, Cy Twombly, Ernst Ludwig Kirchner, Lyonel Feininger, Richard Serra und Piero Dorazio. So entsteht eine Auktion, die den Expressionismus, die europäische Avantgarde und die internationale Nachkriegskunst mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit zusammenführt – und München erneut als einen der wichtigsten Handelsplätze Europas positioniert.
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Qualität der Lose, sondern auch ihre Provenienz. Mehrere Werke stammen aus bedeutenden Privatsammlungen oder waren jahrzehntelang nicht am Markt zu sehen. Genau diese Mischung aus Frische, kunsthistorischer Bedeutung und internationaler Strahlkraft dürfte Sammler aus Europa, Amerika und Asien nach München ziehen.
Die Jubiläumsauktion von Ketterer Kunst findet am 12. und 13. Juni 2026 in München statt. Mit Meisterwerken von Kandinsky, Pechstein, Polke und Picabia dürfte sie zu den wichtigsten Kunstauktionen des Jahres in Deutschland zählen.
Update nach der Auktion (15. Juni 2026): Die Jubiläumsauktion von Ketterer Kunst bestätigte die hohe Nachfrage nach Werken der Klassischen Moderne und der Nachkriegskunst. Den Spitzenpreis erzielte Wassily Kandinskys „Villa Seeburg am Staffelsee“ von 1911 mit einem Zuschlag von 5,5 Millionen Euro. Ebenfalls stark gefragt waren Hermann Max Pechsteins „Zwei liegende Mädchen“ mit 1,935 Millionen Euro, Sigmar Polkes „BZ am Mittag“ mit 1,6125 Millionen Euro sowie Francis Picabias „Manucode“ mit 1,419 Millionen Euro.