Georg Kolbe, „Tänzerinnen-Brunnen“, 1922, Bronze und Kalkstein, 310 cm, monumentale Brunnenplastik im Garten, Auktion bei Grisebach Berlin 2026 © Grisebach
Georg Kolbe – Tänzerinnen-Brunnen (1922) bei Grisebach Berlin – Mit freundlicher Genehmigung von: GrisebachBerlin / Grisebach Auktionen Berlin

Was: Auktion

Wann: 04.06.2026

Mit dem „Tänzerinnen-Brunnen“ von Georg Kolbe gelangt eines der bedeutendsten Werke der klassischen Moderne auf den internationalen Kunstmarkt. Die monumentale Brunnenanlage aus Bronze und Kalkstein wird im Rahmen der Kunstauktion Berlin bei Grisebach Auktion am 4. Juni mit einem Schätzpreis von 1.000.000 bis 1.500.000 Euro angeboten. Bereits im vergangenen Jahr erzielte das Auktionshaus mit einer Arbeit Kolbes einen Weltrekord von 1.416.000 Euro – der höchste bislang für eine Skulptur des Bildhauers erzielte Preis.

Die Figur der „Brunnentänzerin“ zählt zu den herausragenden plastischen Arbeiten Georg Kolbes. Nach einer kleineren frühen Fassung entwickelte der Künstler 1922 eine lebensgroße Version der etwa 1,72 Meter hohen Figur als Brunnenplastik für Heinrich Stahl, Direktor der Victoria-Versicherung in Berlin. Die Tänzerin erhebt sich auf einem steinernen Aufbau über einer stilisierten Lotusblüte, getragen von drei kauernden Figuren. In dieser komplexen Komposition verbindet Kolbe klassische Formvorstellungen mit Einflüssen außereuropäischer Bildsprachen. Bewegung, Körperlichkeit und Rhythmus prägen die fast schwebende Wirkung der Bronze, deren Materialität in der fein modellierten Oberfläche beinahe aufgelöst scheint.

Der Brunnen entstand ursprünglich für den Garten der Villa der Familie Stahl in Berlin-Dahlem. Während der nationalsozialistischen Verfolgung wurde die jüdische Familie enteignet und gezwungen, Haus und Besitz zu verkaufen. Heinrich Stahl, seit 1933 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, wurde gemeinsam mit seiner Ehefrau Jenny 1942 nach Theresienstadt deportiert und überlebte das Konzentrationslager nicht. Jenny Stahl konnte nach ihrer Befreiung in die USA zu ihrem Sohn Bruno emigrieren.

Die Villa mit dem Brunnen ging 1941 an Theodor Dimanow über, der zwischen 1942 und 1944 als bulgarischer Gesandtschaftsrat in Berlin tätig war. Von dessen Erben wurde die Brunnenfigur 1978 für das Georg Kolbe Museum erworben. Erst in diesem Frühjahr kam es zu einer gütlichen Einigung zwischen der Georg-Kolbe-Stiftung und den Erben nach Heinrich und Jenny Stahl über die Rückgabe des Werks.

Mit der Grisebach Auktion kehrt eines der bewegendsten Werke Georg Kolbes erneut in den Mittelpunkt des internationalen Kunstmarkts zurück. Die Verbindung aus kunsthistorischer Bedeutung, musealer Qualität und einer außergewöhnlichen Provenienzgeschichte macht den „Tänzerinnen-Brunnen“ zu einer der wichtigsten Skulpturen der diesjährigen Sommerauktionen.

Tags: Georg Kolbe, Brunnen, Klassische Moderne, Bronzeskulptur, Moderne Kunst, Kunstmarkt, Restitution

28. Mai bis 2. Juni 2026: täglich 10:00–18:00 Uhr
3. Juni 2026: 10:00–15:00 Uhr