Im Zentrum der Auktion stehen die Werke von Victor Brauner, zu dem Fred Feinsilber eine besonders enge Verbindung pflegte. Die elf Arbeiten des bedeutenden Surrealisten bilden das Herzstück der Sammlung und erzählen von einer tiefen geistigen Nähe zwischen Sammler und Künstler. Angeführt wird die Auswahl von Victor Brauners monumentalem Wachsbild Coupe des cent-vingt dispositions érotomagiques aus dem Jahr 1946. Das außergewöhnliche Selbstporträt des Künstlers als Boxer zählt zu den Ikonen seines Schaffens und wird bei Sotheby's mit 350.000 bis 450.000 Euro bewertet. Zu den weiteren Spitzenlosen gehören Victor Victorios écrasant les envoûteurs, das mit 300.000 bis 400.000 Euro geschätzt wird, sowie Pris dans la nuit mit einer Schätzung von 200.000 bis 300.000 Euro. Besonders Victor Victorios écrasant les envoûteurs besitzt eine herausragende kunsthistorische Bedeutung: Das Werk entstand unmittelbar nach dem Ausschluss des Künstlers aus der surrealistischen Gruppe um André Breton und gilt als eine der wichtigsten Positionen der Sammlung Fred Feinsilber. Die seltene Präsenz dieser Werke auf dem Kunstmarkt unterstreicht die außergewöhnliche Qualität der Sammlung und ihre Bedeutung innerhalb des europäischen Surrealismus.
Die Kunstauktion in Paris widmet sich der außergewöhnlichen Sammlung von Fred Feinsilber, dessen Lebensweg ebenso bemerkenswert ist wie die von ihm zusammengetragenen Werke. Geboren 1940 in Rumänien in eine jüdische Familie bessarabischer Herkunft, floh Feinsilber vor dem Kommunismus, lebte in Israel und fand schließlich in Frankreich eine neue Heimat. Seine Biografie spiegelt die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert wider und prägte zugleich seinen Blick auf Kunst, Literatur und Kultur.
Als Wissenschaftler und Unternehmer gründete er gemeinsam mit seiner Frau ein Chemieunternehmen, das er Anfang der 1990er-Jahre veräußerte. Mit diesem Wendepunkt begann ein neuer Lebensabschnitt, der ganz dem Sammeln gewidmet war. Seine Interessen konzentrierten sich auf Bücher, außereuropäische Kunst und die Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Sammlung entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem sehr persönlichen Spiegel seiner kulturellen Interessen und geistigen Leidenschaft.