Erst viele Generationen später begegneten Heinz und Else Kress dieser besonderen Kunstform. Während einer Reise in die USA im Jahr 1979 entdeckte das Ehepaar seine Leidenschaft für Inrō. Aus einer ersten Begegnung entwickelte sich eine jahrzehntelange Sammelleidenschaft. Mit großer Sorgfalt bauten sie eine Kollektion von rund tausend Exemplaren auf, die heute zu den bedeutendsten Inrō-Sammlungen Europas zählt. Zahlreiche Werke wurden wissenschaftlich erforscht, in Publikationen beschrieben und in Museen präsentiert – unter anderem im BASF-Museum für Lackkunst, im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg sowie in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.
Heinz und Else Kress haben diese Kunst nicht geschaffen. Sie haben sie bewahrt. Über fast fünf Jahrzehnte trugen sie Meisterwerke zusammen, die von den Gedanken japanischer Lackkünstler erzählen und bis heute als herausragende Zeugnisse traditioneller Lackkunst gelten.
Manchmal genügt ein einziges kleines Objekt, um die Zeit anzuhalten. Der Blick verliert sich im tiefen Blau des Lackes, das Gold beginnt im Licht zu schimmern, und für einen Moment scheint das Werk mehr zu erzählen, als seine wenigen Zentimeter vermuten lassen.
Den Auftakt der Versteigerungsreihe bildet am 10. Dezember 2026 eine Abendauktion bei Lempertz in Köln. Zu den Höhepunkten gehört ein seltenes blaugrundiges Inrō aus Japan aus dem späten 19. Jahrhundert. Schmetterlinge und Pfingstrosen entfalten sich auf dem tiefblauen Lack zu einer Komposition von außergewöhnlicher Eleganz. Das nur 7,8 Zentimeter hohe Meisterwerk wird mit 8.000 bis 10.000 Euro geschätzt.
Die Versteigerung markiert den Beginn einer über mehrere Jahre angelegten Reihe. Neben den Saalauktionen werden ausgewählte Werke in hochwertigen Katalogen veröffentlicht und vorab in den Lempertz-Niederlassungen in Brüssel, München und Berlin präsentiert. Nach den erfolgreichen Auktionen asiatischer Kunst der vergangenen Jahre unterstreicht Lempertz damit erneut seine internationale Bedeutung auf dem Gebiet fernöstlicher Kunst.
Wenn diese Sammlung nun in viele Hände übergeht, endet ihre Geschichte nicht. Sie setzt sich fort – in neuen Sammlungen, neuen Blicken und mit Kunstwerken, die seit Jahrhunderten zeigen, dass selbst die kleinsten Dinge die größten Geschichten erzählen können.