Bret Easton Ellis „American Psycho“ in der Ausstellung PSYCHO bei Sotheby’s Maison Hongkong 2026
Bret Easton Ellis „American Psycho“ in der Ausstellung PSYCHO bei Sotheby’s Maison Hongkong 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: sothebys.com / Sotheby’s Auktionshaus

Was: Auktion

Wann: 28.09.2026 - 29.09.2026

PSYCHO bei Sotheby’s Hongkong – Kunst auf der Reise in die Abgründe der menschlichen Psyche

Was bleibt vom Menschen, wenn die vertraute Oberfläche verschwindet? Wenn Identität brüchig wird, Wahrnehmung ihre Sicherheit verliert und hinter dem Sichtbaren etwas hervortritt, das sich nicht mehr vollständig kontrollieren lässt? Mit „PSYCHO: Identity Alienation Shadow Duality“ führt Sotheby’s in Hongkong Kunst und Literatur zu einer Reise durch die widersprüchlichen Räume der menschlichen Psyche zusammen.

Der Titel führt zurück zu einem alten Begriff: „Psyche“ bezeichnete im Griechischen die Seele oder den „Atem des Lebens“. Seit Jahrtausenden versuchen Künstler, Philosophen und Wissenschaftler zu verstehen, was sich hinter dem bewussten Denken verbirgt. Sigmund Freud beschrieb den Menschen als Schauplatz eines fortwährenden Konflikts zwischen Trieb, Vernunft und gesellschaftlicher Ordnung. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich die Präsentation bei Sotheby’s Maison. PSYCHO_ A Journey Through the R…

Mark Rothko „Untitled (Plum and Dark Brown)“, 1964, in der Ausstellung PSYCHO bei Sotheby’s Hongkong
Mark Rothko „Untitled (Plum and Dark Brown)“, 1964, in der Ausstellung PSYCHO bei Sotheby’s Hongkong – Mit freundlicher Genehmigung von: sothebys.com / Sotheby’s Auktionshaus

Schon Mark Rothkos monumentales „Untitled (Plum and Dark Brown)“ von 1964 macht deutlich, dass Dunkelheit nicht zwangsläufig Leere bedeutet. Mehr als zwei Meter hoch, entzieht sich die Leinwand beinahe dem Gegenständlichen. Schicht um Schicht dringt die Farbe in das Gewebe ein. Das Auge sucht nach Halt und findet schließlich sich selbst. Sotheby’s verweist darauf, dass Rothko seine dunkleren Farbräume nicht als Ausdruck existenzieller Verzweiflung verstand. Sie sollten den Betrachter vielmehr in eine stille Begegnung mit etwas führen, das über das unmittelbar Sichtbare hinausgeht. PSYCHO_ A Journey Through the R…

Yoshitomo Nara „The Crated Room in Iceland / Drawing Room“, 2009, Ausstellung PSYCHO bei Sotheby’s Hongkong
Yoshitomo Nara „The Crated Room in Iceland / Drawing Room“, 2009, Ausstellung PSYCHO bei Sotheby’s Hongkong – Mit freundlicher Genehmigung von: sothebys.com / Sotheby’s Auktionshaus

Ganz anders und doch ebenso nach innen gerichtet ist Yoshitomo Naras „The Crated Room in Iceland / Drawing Room“ von 2009. Eine Transportkiste wird zum abgeschlossenen Kosmos. Durch kleine Öffnungen sind 97 Zeichnungen zu entdecken, ergänzt durch alltägliche Gegenstände und eine großformatige Malerei. Was eigentlich dem Transport von Kunst dienen sollte, verwandelt Nara in einen intimen Raum, der an sein eigenes Atelier erinnert. Das Werk war seit seiner Präsentation im Reykjavik Art Museum 17 Jahre lang öffentlich nicht mehr zu sehen und kommt nun erstmals zur Auktion. PSYCHO_ A Journey Through the R… PSYCHO_ A Journey Through the R…

Noch unmittelbarer begegnet uns Naras „Present“ von 1994. Ein Kind im roten Kleid schreitet vor aquamarinfarbenem Grund auf den Betrachter zu – in der Hand ein Messer. Niedlichkeit und Bedrohung existieren gleichzeitig. Es ist das früheste Gemälde, in dem Nara seine später so charakteristische Kinderfigur als Ganzfigur darstellt. Gerade diese Gleichzeitigkeit von Verletzlichkeit und Widerstand macht die Figur psychologisch so schwer greifbar. PSYCHO_ A Journey Through the R…

Yayoi Kusama „Pumpkin“ und George Condo „Figures in Motion“ in der Ausstellung PSYCHO bei Sotheby’s Hongkong
Yayoi Kusama „Pumpkin“ und George Condo „Figures in Motion“ in der Ausstellung PSYCHO bei Sotheby’s Hongkong – Mit freundlicher Genehmigung von: sothebys.com / Sotheby’s Auktionshaus

Bei George Condo zerfällt der Mensch dagegen buchstäblich. In „Figures in Motion“ von 2013 kollidieren Augen, Zähne, Gliedmaßen und Gesten miteinander. Condo bezeichnet seine Bildsprache als „psychological cubism“: Nicht mehr allein der Körper wird wie im klassischen Kubismus in unterschiedliche Ansichten zerlegt, sondern der psychische Zustand selbst. Mehrere Emotionen scheinen gleichzeitig auf derselben Leinwand zu existieren. PSYCHO_ A Journey Through the R…

Und dann öffnet sich plötzlich eine Landschaft.

In Matthew Wongs „The Edge“ von 2019 steht eine winzige menschliche Figur allein in einem überwältigenden Grün. Die Landschaft wird zum inneren Raum. Wong malte das Werk im letzten Jahr seines Lebens; Sotheby’s beschreibt den einsamen Wanderer als wiederkehrenden Stellvertreter für menschliche Verletzlichkeit und existenzielle Sehnsucht. Natur ist hier nicht bloße Umgebung. Sie wird zum Spiegel der Seele. PSYCHO_ A Journey Through the R…

Matthew Wong „The Edge“, 2019, in der Ausstellung PSYCHO bei Sotheby’s Hongkong
Matthew Wong „The Edge“, 2019, in der Ausstellung PSYCHO bei Sotheby’s Hongkong – Mit freundlicher Genehmigung von: sothebys.com / Sotheby’s Auktionshaus

Vielleicht liegt gerade darin die Stärke von „PSYCHO“: Die Ausstellung versucht nicht, die menschliche Psyche zu erklären. Sie zeigt vielmehr, wie unterschiedlich Künstler seit Jahrhunderten versuchen, ihr eine Form zu geben.

Dazu gehören auch Bücher. Robert Burtons 1621 erschienene „The Anatomy of Melancholy“ nähert sich psychischem Leiden als philosophischem, historischem und kulturellem Phänomen. Bret Easton Ellis machte mit „American Psycho“ Konsum, Status, Gewalt und Entfremdung zu einer schwarzen Gesellschaftssatire. Und Robert Louis Stevensons „The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ formulierte bereits 1886 eine bis heute verstörende Vorstellung: Das Bedrohliche muss nicht von außen kommen. Es kann Teil derselben Persönlichkeit sein, die nach außen vollkommen zivilisiert erscheint. PSYCHO_ A Journey Through the R… PSYCHO_ A Journey Through the R…

Tetsuya Ishida „Can’t Fly Anymore“, 1996, in der Ausstellung PSYCHO bei Sotheby’s Hongkong
Tetsuya Ishida „Can’t Fly Anymore“, 1996, in der Ausstellung PSYCHO bei Sotheby’s Hongkong – Mit freundlicher Genehmigung von: sothebys.com / Sotheby’s Auktionshaus

Auch Tetsuya Ishidas „Can't Fly Anymore“ von 1996 führt dieses Gefühl der Gefangenschaft weiter. Sein Salaryman versucht eine Schwimmbewegung – doch er steckt auf einem rostenden Piratenschiff fest, irgendwo zwischen Mensch und Maschine. Ishida entwickelte diese dystopische Bildwelt vor dem Hintergrund der japanischen „Lost Generation“ nach dem Zusammenbruch der Wirtschaftsblase Anfang der 1990er-Jahre. Bewegung ist vorhanden, ein Entkommen jedoch nicht. PSYCHO_ A Journey Through the R…

So führt „PSYCHO“ letztlich weniger in eine Ausstellung als in einen Spiegelraum. Rothkos Dunkelheit, Naras bewaffnetes Kind, Condos zersplitterte Gesichter oder Wongs einsamer Wanderer erzählen sehr verschiedene Geschichten. Gemeinsam stellen sie jedoch dieselbe unbequeme Frage:

Wie viel von dem, was wir sind, können wir selbst tatsächlich sehen?

Die Präsentation „PSYCHO: Identity Alienation Shadow Duality“ war vom 17. bis 27. September 2026 in Sotheby’s Maison in Hongkong zu sehen. PSYCHO_ A Journey Through the R…

Tags: Malerei, Skulpturen, Mark Rothko, Yoshitomo Nara, Yayoi Kusama, Matthew Wong, Tetsuya Ishida, Sigmund Freud, Zeitgenössische Kunst, Postmoderne Kunst, Kunstmarkt, Psychologie

Auktion: Sonntag, 28. September 2026, 18:30 Uhr

Die Ausstellung „PSYCHO: Identity Alienation Shadow Duality“ selbst lief vom 17.–27. September 2026 in Sotheby’s Maison Hongkong.