Sheung Yiu – (Inter)faces of Predictions, Video Still 2025, fragmentiertes Gesicht und algorithmische Markierungen
Sheung Yiu – (Inter)faces of Predictions, Video Still 2025, fragmentiertes Gesicht und algorithmische Markierungen – Mit freundlicher Genehmigung von: COBerlin /

Wann: 07.02.2026 - 06.06.2026

Sheung Yiu verwandelt das menschliche Gesicht in ein Resonanzfeld aus Geschichte, Technologie und Macht – und macht im Amerika Haus Berlin sichtbar, wie nah Vorhersage und Projektion, Glaube und Kontrolle beieinanderliegen.

Vom 7. Februar bis 10. Juni 2026 präsentiert C/O Berlin die Ausstellung „Sheung Yiu. (Inter)faces of Predictions“, die erste institutionelle Einzelausstellung des Gewinners des C/O Berlin Talent Award 2025 in Deutschland. Die Eröffnung findet am Freitag, den 6. Februar 2026, um 20:00 Uhr im Amerika Haus statt.

In seinem Langzeitprojekt untersucht der in Finnland lebende Artist Researcher, wie Gesichter in unterschiedlichen zeitlichen, kulturellen und technologischen Kontexten zu Projektionsflächen für vermeintliche Vorhersagen von Charaktereigenschaften und der Zukunft einer Person werden. Anhand seines eigenen Gesichts zeigt Yiu, wie sich über Jahrhunderte hinweg ähnliche Denkmuster wiederholen: das Vertrauen in lesbare Zeichen, das Bedürfnis nach Ordnung und Prognose sowie die latente Gefahr stereotyper Zuschreibungen.

Dabei verbindet Yiu traditionelle ostasiatische Praktiken des Gesichtlesens mit westlichen physiognomischen Theorien und aktuellen Verfahren computergestützter Gesichtserkennung. Der Blick richtet sich auf dringliche Fragen, die im Zeitalter groß angelegter Computer-Vision-Modelle, anthropometrischer Bewertungen und datenbasierter Überwachung zunehmend an Relevanz gewinnen.

Das Gesichtlesen ist in vielerlei Hinsicht kein gefährliches Spiel.
Seitdem dieses in der Praxis nicht mehr spirituellen, sondern
wirtschaftlichen Geboten folgt, hat parallel dazu die menschliche
Handlungsmacht immer mehr an Bedeutung verloren.

Sheung Yiu – Mole Diagram, 2025, schematische Darstellung eines Gesichts mit markierten Linien und Punkten zur Analyse von Gesichtszonen und physiognomischen Zuschreibungen
Sheung Yiu – Mole Diagram, 2025, schematische Darstellung eines Gesichts mit markierten Linien und Punkten zur Analyse von Gesichtszonen und physiognomischen Zuschreibungen – Mit freundlicher Genehmigung von: COBerlin / Sheung Yiu: (Inter)faces of Predictions bei C/O Berlin 2026
Megan Williams · C/O Berlin Talent Award 2025 – Theorist

Die multimediale Ausstellung entfaltet sich in Fotografien, Found Footage, Objektinstallationen und einem Videoessay zu einem dichten Gefüge, das die verschiedenen Facetten von Gesichtlesen und Gesichtserkennung sinnlich erfahrbar macht. Ein wiederkehrendes Motiv ist der Ouroboros, die sich selbst verschlingende Schlange. Als räumlicher Rundgang angelegt, steht sie für zirkuläre Logiken, für immer wiederkehrende Muster in Glaubenssystemen ebenso wie für Feedbackschleifen und Datenströme, die maschinelles Lernen speisen und neue Klassifikationen hervorbringen.

Yius visuelle Archäologie der Gesichtsanalyse speist sich aus einem umfangreichen Ensemble von Found Footage. Inspiriert von Aby Warburgs Bilderatlas Mnemosyne, skizziert das Material die Entwicklung einer Bildkultur, die sich zwischen spiritueller Deutung, pseudowissenschaftlicher Klassifizierung und technischer Optimierung bewegt.

Mit Drucken auf Kalligrafiepapier und in Naturstein eingravierten Textfragmenten knüpft Yiu an historische Materialien an, die in der ostasiatischen Tradition zur Vermittlung von Weisheiten genutzt wurden. Ihnen stehen metallische, leuchtende und spiegelnde Oberflächen gegenüber, die unmittelbar mit der Materialität von Technik und Technologie assoziiert sind.

Ergänzt durch eigene fotografische Arbeiten entsteht ein offenes, assoziatives Netz, das Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und Wissenschaft miteinander verknüpft.

Ein Videoessay zeigt den Künstler schließlich als Avatar, der eine Landschaft durchquert, die sich später als sein eigenes Gesicht offenbart. Aus dem Off reflektiert Yiu die Geschichte der Gesichtserkennung bis hin zu aktuellen Entwicklungen wie Deepfakes und synthetischen Gesichtsdatensätzen. Eindringlich legt er offen, welche wachsende Macht Algorithmen über Identität gewinnen, und lädt dazu ein, den vermeintlich objektiven Blick – ob spirituell, wissenschaftlich oder algorithmisch – kritisch zu hinterfragen.

Mit „(Inter)faces of Predictions“ präsentiert C/O Berlin nicht nur die erste institutionelle Einzelausstellung von Sheung Yiu in Deutschland, sondern auch ein präzise kuratiertes Statement zur Gegenwart visueller Kultur. Die Ausstellung wird von einer umfassenden Publikation begleitet und von Veronika Epple kuratiert. Seit 2020 wird der C/O Berlin Talent Award durch die Alexander Tutsek-Stiftung ermöglicht.

Sheung Yiu – (Inter)faces of Predictions, Video Still 2025, Figur in Landschaft als Gesichtsmotiv
Sheung Yiu – (Inter)faces of Predictions, Video Still 2025, Figur in Landschaft als Gesichtsmotiv – Mit freundlicher Genehmigung von: COBerlin / Sheung Yiu: (Inter)faces of Predictions bei C/O Berlin 2026
Tags: Digitalfotografie, Farbfotografie, Zeitgenössische Kunst, Künstliche Intelligenz, Sheung Yiu, Objekt, Video Kunst

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