Vom 28. Juni bis 28. September 2025 präsentiert Photo Elysée in Lausanne eine außergewöhnliche Ausstellung mit dem Titel „Photographic Survey of the Canton of Vaud“, die sechs einzigartige fotografische Positionen versammelt. Die Eröffnung findet am Samstag, den 28. Juni, von 10 bis 18 Uhr statt und verspricht einen intensiven Einblick in die lebendigen Traditionen des Kantons Waadt, die in dessen Inventar des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurden.Mit dem Ziel, diese Traditionen zeitgenössisch zu dokumentieren, wurden Thomas Brasey, Olga Cafiero, Sarah Carp, Matthieu Gafsou, Yves Leresche und Romain Mader im Rahmen eines Wettbewerbs ausgewählt, um originelle fotografische Projekte zu realisieren. Die Ausstellung zeigt ihre Ergebnisse erstmals öffentlich, bevor sie in die Sammlung des Photo Elysée übergehen.
Romain Mader, geboren 1988, studierte Fotografie an der ECAL und schloss sein Masterstudium an der Zürcher Hochschule der Künste ab. Bekannt geworden durch den Gewinn des FOAM Huf Awards 2017, sind seine Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen und Sammlungen, darunter das Foam Museum Amsterdam, vertreten. Sein Projekt thematisiert das Handwerk, die lokale Produktion und soziale Verflechtungen im Heimatbezirk Aigle. „Mit einem Hauch von Humor dokumentiert er alle Etappen der Zubereitung der berühmten Waadtländer Wurst – vom Lauch- und Kartoffelanbau über Schweinezucht und -schlachtung bis hin zur Herstellung der Saucisson au chou.“
Sarah Carp, geboren 1981 in Zürich, lebt heute in Yverdon-les-Bains. Sie studierte an der École de photographie de Vevey und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Prix CEPY und den Prix Focale – Ville de Nyon im Jahr 2019. Ihr Projekt ist eine poetische Annäherung an Musikdosen und Automaten, ein immaterielles Kulturgut aus der Region Sainte-Croix, das kürzlich in die Liste der UNESCO aufgenommen wurde. „Ihre intime und sensible Herangehensweise ist eine wahre Ode an die Langsamkeit und Präzision in einer Zeit der Hyperdigitalität und Geschwindigkeit, die die Jury begeistert hat.“
Olga Cafiero, Jahrgang 1982, absolvierte ein Bachelorstudium in visueller Kommunikation und ein Masterstudium in Art Direction (Fotografie) an der ECAL. Ausgezeichnet mit dem Prix Suisses de design 2011 und 2022, war sie Finalistin bei renommierten Wettbewerben wie dem Festival international de Hyères. Ihr Projekt beleuchtet die Praktiken des Messager Boiteux aus Vevey und Bern – von Volksheilmitteln über astrologische Kalender bis hin zu Wettervorhersagen – und untersucht dabei die Verbindung zwischen Aberglaube und moderner Wissenschaft. „Geplant sind Kooperationen mit der Universität Lausanne, dem Institut des humanités en médecine, dem Meteorologischen Zentrum Lausanne und dem Bundesamt für Landwirtschaft.“
Matthieu Gafsou, geboren 1981, ist ein mehrfach ausgezeichneter Fotograf mit sieben Monografien und Ausstellungen auf internationaler Ebene. Nach einem Master in Kunst an der Universität Lausanne absolvierte er eine fotografische Ausbildung an der École supérieure d’arts appliqués in Vevey. In seinem Projekt erforscht er die Rituale der Jeunesses vaudoises. „Mit einem bewusst unkonventionellen Ton will er ein reiches, komplexes und rhythmisch strukturiertes fotografisches Werk aufbauen, das eine eigene regionale Mythologie mit Codes, Prüfungen und Helden schafft.“
Thomas Brasey, geboren in den 1980er Jahren, lebt und arbeitet in Lausanne. Nach einer Promotion in organometallischer Chemie an der EPFL widmete er sich dem visuellen Schaffen an der ECAL. Mit Projekten wie der Enquête photographique fribourgeoise (2015) oder der Enquête valaisanne (2020) machte er sich einen Namen. Sein aktuelles Projekt widmet sich der Nouvelle Compagnie des Brigands du Jorat, die sich heute als kulturelle Hüterin der Region versteht. „Das Endergebnis wird ein bedeutendes Kapitel der Waadtländer Geschichte beleuchten – mit Gesten, die Tradition und Gegenwart vereinen.“
Yves Leresche, geboren 1962, arbeitet seit Jahrzehnten mit Medien und Institutionen in der Romandie und darüber hinaus. Besonders bekannt ist er für seine dreiteilige Langzeitdokumentation über Roma-Minderheiten in Europa. Nun begleitet er den neummonatigen Tournee-Alltag des Cirque Helvetia aus Moudon. „Mit Porträts der Artisten auf der Bühne und in ihren Nebenrollen – als Zuckerwatteverkäufer oder Kartenabreißer – sowie der Zuschauer will er die ganze Dimension des Zirkuslebens einfangen.“
Diese Ausstellung im Photo Elysée verspricht ein vielschichtiges Porträt der Waadtländer Kultur, das Vergangenheit und Gegenwart in künstlerischer Sprache verbindet. Die Besucher erwartet ein faszinierender Blick auf gelebte Traditionen – intim, kritisch, humorvoll und immer mit einem Blick auf das Wesentliche: die Menschen und ihr kulturelles Erbe.