Wu Tsang, La montaña invertida Installationsansichten Kunsthaus Zürich, 2025, Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich,
Wu Tsang, La montaña invertida Installationsansichten Kunsthaus Zürich, 2025, Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich, – Mit freundlicher Genehmigung von: kunsthausch / Kunsthaus Zürich

Wann: 11.07.2025 - 30.08.2026

Wu Tsang kehrt mit «La montaña invertida» ins Kunsthaus Zürich zurück

Mit einer Intervention, die zugleich poetisch, politisch und tief bewegend ist, kehrt die gefeierte US-amerikanische Künstlerin und Regisseurin Wu Tsang im Sommer 2025 an das Kunsthaus Zürich zurück. In Zusammenarbeit mit dem Autor und Kurator Enrique Fuenteblanca präsentiert sie ab dem 11. Juli 2025 unter dem Titel «La montaña invertida» eine Klanginstallation sowie eine persönliche Auswahl von Werken aus der Sammlung des Kunsthauses. Die Präsentation ist Teil der renommierten Reihe «ReCollect!», die auf künstlerische Neudeutungen musealer Sammlungen setzt.

Wu Tsang, geboren 1982 in Worcester, Massachusetts, zählt zu den bedeutendsten Stimmen einer neuen Generation von Künstlern, die dokumentarische und narrative Techniken mit dem Imaginären verweben. Von 2019 bis 2024 war sie Hausregisseurin am Schauspielhaus Zürich. Ihre Arbeiten entstehen oft in enger Zusammenarbeit mit dem transdisziplinären Kollektiv Moved by the Motion, dem unter anderem Tosh Basco, Asma Maroof und Josh Johnson angehören.

Gemeinsam mit Enrique Fuenteblanca greift Wu Tsang nun im Kuppelsaal des Kunsthauses Zürich das Motiv des Berges auf – als topografisches, kulturelles und mythologisches Symbol. Der Titel «La montaña invertida» steht für eine radikale Umkehrung der Perspektive. „Was passiert, wenn wir die Dinge nicht nur anders sehen, sondern umgekehrt? Wenn wir «mit den Ohren sehen», wie Tsang und Fuenteblanca es formulieren, wenn wir aus der Perspektive der Marginalisierten blicken, aus der Tiefe statt vom Gipfel?“

Der erste Teil dieses kuratorischen Projekts entstand im Klanghaus Toggenburg Anfang 2025. Die Initiative wurde getragen vom Kunsthaus Bregenz, dem Bündner Kunstmuseum Chur, dem Kunstmuseum Liechtenstein und dem Kunstmuseum St. Gallen. Während einer mehrtägigen Klausur begegneten sich Künstler wie Rocío Márquez, Katia Ledoux, Raúl Cantizan, Tapiwa Svosve und das Kollektiv Moved by the Motion, um ein atmosphärisches Klangstück über den kulturellen Raum des Berges zu entwickeln – zwischen Spanien und der Schweiz, zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Im Kunsthaus entfaltet sich diese Reflexion nun in einem bühnenartigen Aufbau im Kuppelsaal, der das Museum in einen Raum des Hörens und Fühlens verwandelt. Stimmen, Rhythmen, Flamenco und zeitgenössische Kompositionen fügen sich zu einem vielschichtigen Klangteppich. Begleitet wird diese akustische Erfahrung von bedeutenden Sammlungswerken, darunter Gemälde von Marianne von Werefkin, Ernst Ludwig Kirchner, Francis Bacon und Nedko Solakov.

Im Zentrum steht dabei ein ikonisches Foto von Johann Adam Meisenbach, das Tänzerinnen und Tänzer – darunter Suzanne Perrottet und Rudolf von Laban – am Fuß des Monte Verità in Ascona zeigt. Dieser Ort war im frühen 20. Jahrhundert eine künstlerische und spirituelle Kolonie, in der Visionäre wie Perrottet und Laban neue Formen der Körperlichkeit und Gemeinschaft erprobten. „Das Projekt schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Bewegungen des Körpers und des Denkens.“

Ein weiterer Resonanzraum ist der Mythos «Carmen», den Tsang und Fuenteblanca in ihrer laufenden Forschung thematisieren. In Bizets Oper zieht sich Carmen in die Berge Andalusiens zurück – ein Raum zwischen Begehren, Freiheit und Tod. Die Berge werden so zur Projektionsfläche, zum Ort des Rückzugs und der Neuverortung. Die Umkehrung des Blicks macht das Museum zur Bühne für eine andere Wahrnehmung: „Eine poetische Dekonstruktion des musealen Raumes, eine politische Rekontextualisierung der Sammlung, und eine sinnlich-akustische Einladung zum Innehalten, Zuhören und umgekehrten Sehen.“

Kuratorisch betreut wurde das Projekt von Raphael Gygax. Im Frühling 2026 wird der Grafikraum des Kunsthauses mit weiteren Werken geöffnet, die das Projekt abschließen. Unterstützt wird die Präsentation durch The Leir Foundation.

Mit «La montaña invertida» zeigt das Kunsthaus Zürich einmal mehr, dass seine Reihe «ReCollect!» nicht nur ein Ort für Erinnern ist, sondern für radikale Gegenwart.

Tags: Film, Performance, Wu Tsang
Johann Adam Meisenbach, Tanzende am Lagio Maggiore bei Ascona, 1914 Autochromplatte Kunsthaus Zürich, Bibliothek, Nachlass Suzanne Perrottet, 1990, Foto: © Erben Johann Adam Meisenbach
Johann Adam Meisenbach, Tanzende am Lagio Maggiore bei Ascona, 1914 Autochromplatte Kunsthaus Zürich, Bibliothek, Nachlass Suzanne Perrottet, 1990, Foto: © Erben Johann Adam Meisenbach – Mit freundlicher Genehmigung von: kunsthausch / Wer: Kunsthaus Zürich

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