Mit der Ausstellung „Kirchner x Kirchner“ nimmt das Kunstmuseum Bern ein außergewöhnliches Kapitel der Kunstgeschichte in den Blick. Farbgewaltig, kraftvoll, wegweisend – so präsentierte sich Ernst Ludwig Kirchner im Jahr 1933, als er in der Kunsthalle Bern seine größte Retrospektive persönlich kuratierte. Nun, über 90 Jahre später, folgt das Kunstmuseum Bern diesem historischen Moment und rekonstruiert nicht nur die Schau, sondern auch das Selbstbild eines der bedeutendsten Avantgardisten des 20. Jahrhunderts.
Die Ausstellung bringt Werke aus renommierten europäischen und amerikanischen Museen sowie Privatsammlungen zusammen. Rund 62 Arbeiten aus der Zeit zwischen 1908 und 1933 bieten ein intensives Erlebnis – und eröffnen zugleich neue Perspektiven auf das Denken, Schaffen und Revidieren eines Künstlers, der seine Biografie ebenso bewusst formte wie seine Kunst.
„Kirchner kuratierte seine Retrospektive in enger Zusammenarbeit mit Max Huggler, dem damaligen Leiter der Kunsthalle und späteren Direktor des Kunstmuseum Bern.“ Dieser historische Bezug wird zum Ausgangspunkt einer Ausstellung, die Kirchner nicht nur als Maler, sondern auch als Kurator seines eigenen Œuvres zeigt.
Im Zentrum steht die Frage, wie Kirchner seine künstlerische Entwicklung interpretierte, wie er durch das Überarbeiten von Werken und das Verfassen eigener Texte sein Bild in der Öffentlichkeit prägte. Die Ausstellung zeigt, welche Bezüge er zwischen einzelnen Arbeiten herstellte und wie sehr er seine Retrospektive auch als ein Mittel verstand, die eigene Geschichte zu erzählen – mal nüchtern analysierend, mal selbstmythisierend.
Ein besonderes Highlight ist die Wiedervereinigung der beiden Werke „Alpsonntag. Szene am Brunnen“ und „Sonntag der Bergbauern“, die erstmals seit mehr als 90 Jahren wieder gemeinsam zu sehen sind. Letzteres stammt aus dem Berliner Bundeskanzleramt – eine symbolisch aufgeladene Rückkehr, die den Blick auf Kirchners Spätwerk vertieft.
Kuratorin der Ausstellung ist Nadine Franci. Mit „Kirchner x Kirchner“ setzt das Kunstmuseum Bern einen pointierten Akzent im Ausstellungsjahr und erinnert an einen Künstler, der sich selbst stets neu erfand – nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im Spiegel der eigenen Erzählung.