Alchimia im Bröhan Museum: Die Revolution des italienischen DesignsMit der Ausstellung „Alchimia. Die Revolution des italienischen Designs“ widmet das Bröhan Museum Berlin einer der einflussreichsten Bewegungen des 20. Jahrhunderts erstmals eine umfassende Retrospektive. Die Schau steht unter der gemeinsamen Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dem Präsidenten der Italienischen Republik Sergio Mattarella – ein Zeichen für die kulturpolitische Bedeutung dieses Projekts.
Alchimia, 1976 in Mailand gegründet, steht für eine Zeitenwende im Designverständnis. Angeführt von Persönlichkeiten wie Alessandro Guerriero, Alessandro Mendini, Ettore Sottsass, Andrea Branzi und Lapo Binazzi, vereinte die Gruppe die kreativsten Köpfe Italiens und verwandelte das Design der 1970er und 1980er Jahre in ein radikales Manifest für eine neue, utopische Form des Gestaltens.
Im Gegensatz zur deutschen Moderne oder zum Bauhaus, die im 20. Jahrhundert die erste große Revolution des Designs einleiteten, brachte Alchimia eine bewusst spielerische, ästhetisch aufgeladene und politisch reflektierte Perspektive ein. „Eine andere Realität ist möglich“ – das war die implizite Botschaft dieser Bewegung, die Farbe, Form und Fantasie als Gegenentwurf zur funktionalen Kälte der Industriegesellschaft einsetzte.
Die Ausstellung zeigt die Entwicklung von Alchimia im Kontext der gesellschaftlichen Umbrüche Italiens. Während die 68er-Bewegung in Deutschland vor allem auf politischer Ebene wirkte, erfasste sie in Italien auch das Design. Gruppen wie Archizoom und Superstudio bereiteten den Boden für Alchimia, das die Ideen dieser Vorreiter aufgriff und weiterentwickelte – hin zu einem Design jenseits industrieller Produktion. Ziel war das Gesamtkunstwerk Leben.
„Alchimia propagierte mit seinen Entwürfen eine Gegenwirklichkeit, einen anderen Entwurf der Welt“, so fassen es die Kuratoren zusammen. Die Ausstellung feiert nicht nur die Provokation, sondern auch die gestalterische Brillanz dieser Entwürfe, die zu Ikonen des Postmodernen Designs wurden.
Die Schau wird nach ihrer Berliner Station im ADI Design Museum Mailand zu sehen sein. Begleitend erscheint ein dreisprachiger Katalog (Deutsch/Italienisch/Englisch) im Hirmer Verlag.
Kuratoren der Ausstellung sind Tobias Hoffmann und François Burkhardt, unterstützt von Theresa Augustin und Fabian Reifferscheidt. Für die Gestaltung zeichnet Katleen Arthen verantwortlich.
Gefördert wird das Projekt von der Ernst von Siemens Kunststiftung. Besonderer Dank gilt Zanotta für das Sponsoring des Möbelstücks Calamobio, das für die Ausstellung rekonstruiert wurde.
Alchimia bleibt ein Fanal: eine Erinnerung daran, dass Design nicht nur nützlich, sondern auch subversiv, poetisch und visionär sein kann.