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Fotografiska Berlin präsentiert die neue Ausstellung „Le Sale ka Kgotso“ der südafrikanischen Künstlerin Lebohang Kganye, die Fotografie, Skulptur, Sprache und Erzählkunst zu einem intensiven Gesamterlebnis verbindet. Für Kganye ist Fotografie nicht nur ein Werkzeug der Beweisführung, sondern ebenso ein Mittel der Vorstellungskraft – ein Medium, das Erinnerungen und kollektives Geschichtenerzählen in visuelle Form bringt. „Photography has always been used as a tool of evidence, but it is also a tool of imagination, giving memories and collective storytelling a visual form“, betont die Künstlerin.
Der Titel „Le Sale ka Kgotso“ bedeutet in der südafrikanischen Sprache Sesotho „Bleib in Frieden“. Es ist ein Abschiedsgruß, der ausgesprochen wird, wenn man das Haus eines anderen verlässt. Doch wie Kganye zeigt, trägt Sprache mehrere Bedeutungsschichten in sich. Wird der Satz falsch ausgesprochen – „le sale le Kgotso“ – ruft er nicht Frieden herbei, sondern den Tokoloshe: eine schelmische und gefährliche Gestalt aus der Mythologie der Xhosa und Zulu, der Krankheit, Chaos und spirituelle Störungen bringt. Kganye macht auf diese sprachliche Verschiebung aufmerksam und offenbart, wie Worte – wie auch Häuser und Geschichten – eine doppelte Kante besitzen. Was wie eine Geste des Wohlwollens erscheint, kann in Wirklichkeit etwas Bedrohlicheres heraufbeschwören.
Die Ausstellung führt die Besucher in eine begehbare, lebensgroße Struktur, die auf einem sogenannten „Reconstruction and Development Programme“ (RDP) House basiert. Dieses Wohnbauprogramm wurde nach dem Ende der Apartheid 1994 unter Präsident Nelson Mandela in Südafrika umgesetzt, um sozial benachteiligten Familien Wohnraum zu schaffen. Bei Kganye wird dieses Haus zu einem gespenstischen Gerüst aus Aluminium und Stahl, zugleich fest und zerbrechlich, voller Brüche statt Auflösung.
Obwohl ihre Arbeit tief in historischem Material verankert ist, ist Kganyes Blick alles andere als nostalgisch. Sie spricht vom ungelösten Jetzt – politisch, unheimlich und zutiefst intim zugleich. „It refuses closure and allows myth and memory to coexist without hierarchy“, heißt es sinngemäß über ihr Werk. Fakt und Fiktion fließen ineinander, während familiäre Erinnerungen als Linse dienen, um nationale Mythen zu betrachten – und kritisch zu hinterfragen.
„Le Sale ka Kgotso“ ist kuratiert von Marina Paulenka, Director of Exhibitions bei Fotografiska Berlin, in Zusammenarbeit mit Jessica Jarl, Global Director of Exhibitions bei Fotografiska. Das Ergebnis ist eine Ausstellung, die ein Zuhause schafft, das zugleich Schutzraum und Gespensterhaus ist – ein Ort, an dem sich Sprache, Architektur und Geschichte gegenseitig befragen.
Monday - Sunday 10:00–23:00
Last entry at 22:00
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