Lauren Quin, Eyelets of Alkaline, 2025 © Lauren Quin
Lauren Quin, Eyelets of Alkaline, 2025 © Lauren Quin – Mit freundlicher Genehmigung von: pacegallery.com / Pace Gallery

Wann: 31.01.2026 - 28.03.2026

Die neue Werkgruppe von Lauren Quin, die Anfang 2026 in Los Angeles vorgestellt wird, setzt einen markanten kunsthistorischen Akzent innerhalb der zeitgenössischen abstrakten Malerei. Im Zentrum steht eine bewusst herbeigeführte Zäsur, ein selbst auferlegter Bruch mit der eigenen Vergangenheit, der sich weniger als stilistische Korrektur denn als methodische Neuverortung lesen lässt. Nach Jahren chromatischer Intensität wendet sich Quin einer Reduktion zu, die sie selbst als Übergang von einer „overdose“ zu einer „detox of color“ beschreibt. Farbe wird nicht länger als unmittelbarer Träger von Emotion verstanden, sondern als Residuum, als Spur, als Erinnerung an eine frühere Übersättigung.

Was zunächst wie Monochromie erscheint, entzieht sich rasch dieser Einordnung. Dichte Felder aus Schwarz und Grau werden von gebleichten Zonen flüchtiger Farbe umspielt, weder vollständig präsent noch ganz verschwunden. Leuchtende Töne existieren als Echo, sedimentiert und in atmosphärische Schichten eingearbeitet. Quin’s über Jahre entwickeltes Vokabular aus Formen und Zeichen bleibt präsent, doch ihre „symbols“ werden nicht mehr ausgestellt, sondern absorbiert. Farbe erscheint als „the remnant of a stain“, als verblasstes Sepia, das sich gegen Momente von Grisaille behauptet. Durch diese bewusste Reduktion unterläuft Quin gezielt die „associative, emotional, and referential powers of color“ und verschiebt den Fokus hin zu Struktur, Zeitlichkeit und malerischer Entscheidung.

 

Portrait of Lauren Quin by Indah Datau
Portrait of Lauren Quin by Indah Datau – Mit freundlicher Genehmigung von: pacegallery.com / Pace Gallery
Formal sind die neuen Gemälde Assemblagen, zusammengesetzt aus Fragmenten früherer Werkphasen, zeitlich verschoben, wieder vernäht und neu kombiniert. Motive, Zeichen und räumliche Logiken werden collagiert und in fragile Gleichgewichte überführt, gehalten zwischen Stabilität und möglichem Kollaps. Zeit entfaltet sich in diesen Bildern nicht linear, sondern zirkulär. Die Werke kehren zurück, vernähen sich neu, recombinieren sich selbst. So entsteht über das Œuvre hinweg eine innere, schwer entzifferbare Bildsprache, ein hermetisches System der Bedeutungsbildung, das beinahe mystisch anmutet. Quin bezeichnet diesen Ansatz als „superstitious abstraction“, eine Arbeitsweise, die sich an Momenten von Synchronizität und Zufall orientiert und daraus den nächsten formalen Schritt ableitet.

Am Anfang jeder Komposition steht ein malerischer Grund, den Quin als „sumptuous tunnels of light“ beschreibt. Muster und Formen öffnen den Bildraum, bevor sie ihm wieder entgegengesetzt arbeitet, um ihn, wie sie sagt, „swelling up the space in the painting“.

Diese Untermalung fungiert als klärender Akt, als Mittel, um „bringing forward what I needed from the painting“. Schichten werden freigelegt, abgeschabt, erneut überarbeitet. Sichtbare Pentimenti bewahren und verschleiern zugleich die Abfolge der Entscheidungen. Dieses Loslassen folgt einer strengen Logik: das Zulassen hoher chromatischer Intensität, der Rückzug ins Grauwertige, das erneute, veränderte Auftreten von Farbe. Alle Werke durchliefen einen vergleichbaren Zyklus der „detoxification“, gesteuert durch ein regelbasiertes System von Vorstoß und Rückzug.

Die räumliche Logik dieser Malerei ist zentrifugal und entropisch. Röhrenartige Strukturen scheinen aufzubrechen, ihr Inneres drängt über die Bildfläche hinaus. Raum wird gedehnt, gespalten und in produktiver Instabilität gehalten. Der Körper erscheint nicht als Figur, sondern als Geflecht aus Oberflächen, Volumen und Innenräumen. „There is no body in an assembled way“, sagt Quin. „I am interested in the body insofar as I am thinking about something as small as the glint of an eye.“ Oft liegt der Kern eines Bildes in einem winzigen Detail, einem sensorischen Splitter des Alltags, der sich ins Gedächtnis eingebrannt hat. Quin’s Malerei tastet das Unsichtbare ab, sie schöpft aus dem Spektakel des Kleinen, aus jenem Moment, der kurz aufleuchtet und sich unmittelbar wieder im Nachbild der Erinnerung auflöst.

Lauren Quin versteht Malerei als fortlaufenden Akt der Befragung. Ihre Arbeiten sind radikal intuitiv und zugleich präzise durchdacht, sedimentär und archäologisch zugleich. Aus dynamischen, intensiv chromatischen Formen entwickelt, fordern sie gängige Vorstellungen von Abstraktion heraus und untersuchen die Wandelbarkeit von Sprache und Zeichen. In dieser neuen Werkphase erscheint Abstraktion nicht als expressive Geste, sondern als konzentrierte Methode, als kontrollierter Entzug, der Bedeutung nicht behauptet, sondern freilegt.

 

Tags: Abstrakte Kunst, Kunst, Lauren Quin, Malerei, Gegenwartskunst, Zeitgenössische Kunst

Ab Dienstag, dem 6. Januar 2026, ist der Ausstellungsraum wieder regulär geöffnet. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis samstags jeweils von 10 bis 18 Uhr, montags und sonntags bleibt die Galerie geschlossen.