Diese Untermalung fungiert als klärender Akt, als Mittel, um „bringing forward what I needed from the painting“. Schichten werden freigelegt, abgeschabt, erneut überarbeitet. Sichtbare Pentimenti bewahren und verschleiern zugleich die Abfolge der Entscheidungen. Dieses Loslassen folgt einer strengen Logik: das Zulassen hoher chromatischer Intensität, der Rückzug ins Grauwertige, das erneute, veränderte Auftreten von Farbe. Alle Werke durchliefen einen vergleichbaren Zyklus der „detoxification“, gesteuert durch ein regelbasiertes System von Vorstoß und Rückzug.
Die räumliche Logik dieser Malerei ist zentrifugal und entropisch. Röhrenartige Strukturen scheinen aufzubrechen, ihr Inneres drängt über die Bildfläche hinaus. Raum wird gedehnt, gespalten und in produktiver Instabilität gehalten. Der Körper erscheint nicht als Figur, sondern als Geflecht aus Oberflächen, Volumen und Innenräumen. „There is no body in an assembled way“, sagt Quin. „I am interested in the body insofar as I am thinking about something as small as the glint of an eye.“ Oft liegt der Kern eines Bildes in einem winzigen Detail, einem sensorischen Splitter des Alltags, der sich ins Gedächtnis eingebrannt hat. Quin’s Malerei tastet das Unsichtbare ab, sie schöpft aus dem Spektakel des Kleinen, aus jenem Moment, der kurz aufleuchtet und sich unmittelbar wieder im Nachbild der Erinnerung auflöst.
Lauren Quin versteht Malerei als fortlaufenden Akt der Befragung. Ihre Arbeiten sind radikal intuitiv und zugleich präzise durchdacht, sedimentär und archäologisch zugleich. Aus dynamischen, intensiv chromatischen Formen entwickelt, fordern sie gängige Vorstellungen von Abstraktion heraus und untersuchen die Wandelbarkeit von Sprache und Zeichen. In dieser neuen Werkphase erscheint Abstraktion nicht als expressive Geste, sondern als konzentrierte Methode, als kontrollierter Entzug, der Bedeutung nicht behauptet, sondern freilegt.