nklen Augen, frühe Moderne © Städel Museum, Frankfurt am Main
nklen Augen, frühe Moderne © Städel Museum, Frankfurt am Main – Mit freundlicher Genehmigung von: skd / Staatliche Kunstsammlung, Dresden

Wann: 08.02.2026 - 31.05.2026

Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch begegnen einander im Albertinum Dresden in einem Moment äußerster Verdichtung – dort, wo Kunst beginnt, existenziell zu werden. Unter dem Titel „The Big Questions of Life“ öffnet sich ein Dialog, der nicht erklärt, sondern fragt: nach Leben und Tod, nach Nähe und Einsamkeit, nach dem, was bleibt, wenn Gewissheiten verschwinden.

Ab dem 8. Februar 2026 zeigt das Albertinum der Staatliche Kunstsammlungen Dresden erstmals eine große gemeinsame Ausstellung dieser beiden Künstlerpersönlichkeiten um 1900. Anlass ist der 150. Geburtstag von Paula Modersohn-Becker, die am 8. Februar 1876 in Dresden geboren wurde.

Modersohn-Becker und Munch: zwei Lebensläufe, zwei Bildsprachen, zwei radikale künstlerische Wege, die sich über nationale Grenzen hinweg auf faszinierende Weise berühren. Ihre Werke stehen für eine existenzielle Auseinandersetzung mit dem Leben, der Natur, mit Zeit, Tod, Geburt, Einsamkeit und Nähe. In ihrer Bildsprache liegt eine emotionale Wucht, die bis heute berührt.

„Ihre Werke spiegeln eine existenzielle Auseinandersetzung mit dem Menschsein und der Natur; sie berühren durch Authentizität und emotionale Tiefe und stellen die großen Fragen des Lebens.“

Edvard Munch, Das kranke Kind, 1925 – expressionistische Darstellung von Krankheit und Nähe, © Munchmuseet, Foto: Juri Kobayashi
Paula Modersohn-Becker, Mädchen im Birkenwald mit Katze, um 1904 – Mädchenfigur mit Katze in stiller Waldlandschaft, frühe Moderne, © Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen
Edvard Munch, Das kranke Kind, 1925 – expressionistische Darstellung von Krankheit und Nähe, © Munchmuseet, Foto: Juri Kobayashi • Paula Modersohn-Becker, Mädchen im Birkenwald mit Katze, um 1904 – Mädchenfigur mit Katze in stiller Waldlandschaft, frühe Moderne, © Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen – Mit freundlicher Genehmigung von: skd / Staatliche Kunstsammlung, Dresden

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Munch Museum Oslo und vereint zahlreiche Leihgaben aus internationalen Museen und Privatsammlungen. Sie fokussiert die Jahre zwischen den 1890er-Jahren und dem frühen Tod Paula Modersohn-Beckers 1907 sowie Munchs Rückkehr nach Norwegen 1908. Der Vergleich dieser beiden Ausnahmefiguren zeigt, wie stark die Kunst auf gesellschaftliche Umbrüche antworten kann – und wie individuell.

„Beide kommen aus dem Jugendstil, machen in Paris entscheidende Erfahrungen und erreichen eine jeweils zutiefst individuelle Formerneuerung.“

Geboren am 8. Februar 1876 in Dresden, nimmt Paula Modersohn-Becker eine rasante künstlerische Entwicklung – und hinterlässt in nur wenigen Jahren ein Werk von unglaublicher Kraft. Edvard Munch, geboren 1863 in Norwegen, arbeitet über sechs Jahrzehnte hinweg an einem Œuvre, das tief in die Moderne hineinragt. Beide gelten als Wegbereiter des Expressionismus, als Chronisten eines Zeitalters auf der Suche nach Antworten.

Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis mit Hand am Kinn, 1906/07 – Porträt mit großen dunklen Augen, frühe Moderne, © Landesmuseum Hannover/ARTOTHEK
Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis mit Hand am Kinn, 1906/07 – Porträt mit großen dunklen Augen, frühe Moderne, © Landesmuseum Hannover/ARTOTHEK – Mit freundlicher Genehmigung von: skd / Staatliche Kunstsammlung, Dresden
„Doch Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch verbindet noch mehr: Zum einen gelten sie als wichtige Vorboten des Expressionismus in Deutschland, zum anderen sind ihre Bilder über Grenzen hinweg zeitlose Zeugnisse zweier intensiv gelebter Leben.“

Paula Modersohn-Becker blickt uns im Selbstbildnis mit Hand am Kinn von 1906/07 mit großen, dunklen Pupillen an, als hätte sich in ihnen das ganze Gewicht des Lebens gesammelt – ein Blick ohne Ausweg, ohne Pose, von einer Stille, die lauter ist als jedes Pathos. Das Gesicht ruht auf der Hand, nicht aus Müdigkeit, sondern aus Konzentration, als müsse der Gedanke gehalten werden, damit er nicht zerbricht. Diese Augen schauen nicht den Betrachter an, sie schauen durch ihn hindurch, nach innen, dorthin, wo Geburt, Körper, Zeit und Endlichkeit untrennbar ineinanderfallen. In diesem einen Bild ist bereits alles angelegt, was diese Ausstellung trägt: das Leben nicht als Versprechen, sondern als Frage, gestellt mit einer Ernsthaftigkeit, die keine Antwort verlangt, sondern Aushalten.
Edvard Munch, Selbstbildnis vor blauem Himmel, 1908 – expressionistisches Selbstporträt mit weitem Himmel, © Munchmuseet, Oslo
Edvard Munch, Selbstbildnis vor blauem Himmel, 1908 – expressionistisches Selbstporträt mit weitem Himmel, © Munchmuseet, Oslo – Mit freundlicher Genehmigung von: skd / Staatliche Kunstsammlung, Dresden
Edvard Munch antwortet im Selbstbildnis vor blauem Himmel von 1908 mit einem Blick, der nicht zurückweicht, sondern nach vorn gerichtet ist, klar und offen, getragen von dem, was überstanden wurde. Die Pupillen sind wach, nicht mehr verdunkelt, sondern gesammelt, als hätte sich das Leben selbst hinter ihm aufgestellt. Der Himmel ist weit, beinahe grenzenlos, kein Symbol, sondern Raum – Raum nach Krankheit, nach Zusammenbruch, nach der Erfahrung des eigenen Abgrunds. Dieses Bild erzählt nicht von Erlösung oder Triumph, sondern von Haltung: ein Mensch, der aufrecht weitergeht, ohne Pathos, ohne Schutz, und der damit das zweite große Thema dieser Ausstellung sichtbar macht – das Leben als Fortsetzung, nicht als Versprechen.

Zwei Antworten auf dieselbe Frage stehen sich hier gegenüber, ohne sich zu erklären oder aufzulösen: Was bedeutet es, zu leben, wenn Gewissheiten verschwinden. Paula Modersohn-Becker hält inne, sammelt das Leben im Inneren, bis es fast zu schwer wird, während Edvard Munch den Schritt nach außen wagt und dem Dasein standhält, aufrecht, offen, verwundbar. Es ist keine Gegenüberstellung von Stil oder Temperament, sondern eine Spannung zwischen Stillhalten und Weitergehen, zwischen Verdichtung und Fortdauer. Beide Bilder sprechen von derselben existenziellen Erfahrung, doch in unterschiedlicher Sprache – und genau in diesem unaufgelösten Zwischenraum beginnt diese Ausstellung zu atmen.

Tags: Edvard Munch, Kunstwerk, Malerei, Paula Modersohn-Becker, Zeichnungen

10-18 Uhr, Montag geschlossen
„Die Eintrittskarten sind mit einem Zeitfenster oder als Kombiticket im Webshop der SKD buchbar.“