Markus Schinwald Interiors Inc.
Markus Schinwald Interiors Inc. – Mit freundlicher Genehmigung von: ropac / Thaddaeus Ropac Salzburg

Wann: 04.10.2025 - 23.12.2025

Die Galerie Thaddaeus Ropac Salzburg präsentiert eine neue Ausstellung von Markus Schinwald, die die Räume der Villa Kast in ein immersives Gesamterlebnis verwandelt. Unter dem Titel „Mindset“ entfaltet sich eine Kombination aus großformatigen Tapisserien, einer subtilen Klanglandschaft und der jüngsten Serie von Gemälden des österreichischen Künstlers. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit dem Verfall und der Deformation von „memory culture“, also der Kultur des Erinnerns, die für Schinwald sowohl die Rekonstruktion der Vergangenheit als auch spekulative Zukunftsvisionen umfasst. Besonders interessiert ihn die durch künstliche Intelligenz und algorithmisch gesteuerte Medien entstehende Selbstreferenzialität und Verflachung von Bildern und Klängen. Sein Ziel: „create a specific sense of space or interior,“ mit Methoden, die von Restaurierung bis zu generativer Technologie reichen.

Die Tapisserien, die eigens für die Ausstellung geschaffen wurden, vereinen Elemente aus verschiedenen historischen Epochen und wirken gleichzeitig vertraut und unbestimmbar. Ausgangspunkt sind bearbeitete Gemälde von Rogier van der Weyden und Jacobus Vrel. Ihre gewebten Oberflächen erscheinen pixelartig, verstärken so die Wirkung einer konstruierten Realität, die an die Welt von Videospielen erinnert. Begleitet wird dies von kaum hörbaren Klängen – das leise Anschlagen eines Klaviers wie aus weiter Ferne, das einen unbestimmbaren Raum erahnen lässt.

Vor diesem Hintergrund zeigt die Galerie Schinwalds neue Gemäldeserie „Extensions“, die erstmals in seiner gefeierten Installation Panorama (16. Lyon Biennale, 2022) zu sehen war. Charakteristisch ist die Integration historischer Gemälde in eine neue Bildwelt: Schinwald erwirbt alte Werke, fügt sie in größere Leinwände ein und beginnt, sie malerisch zu erweitern. Dabei bestimmt das historische Fragment Farbpalette und Pinselduktus, wird aber zugleich in neue Narrative eingebettet. „I try to get as close as possible to the character of the original painting, but I use an abstract, twentieth-century pictorial language,“ erklärt der Künstler.

Ein zentrales Beispiel ist Untitled (Extensions) (2024), in dem eine schlafende Frau als historisches Fragment in der rechten unteren Ecke dient. Über ihr breitet sich eine Wolke aus Erdtönen und Dunkelheit aus, während im Zentrum das Logo von United Artists erscheint – jenem Filmstudio, das 1919 von Chaplin, Griffith, Pickford und Fairbanks gegründet wurde, um Künstlern mehr Unabhängigkeit zu geben. So entsteht ein Dialog zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen analogem Gedächtnis und digitaler Gegenwart.

Die Werke Schinwalds sind keine Rätselspiele für Kunsthistoriker und auch keine visuellen Vorgriffe auf KI-Eingaben. Vielmehr sind sie – wie er selbst sagt – „images of mourning, of contextual loss. […] The mourning my paintings should evoke is not grieving the heroes of yesterday but the memory of the world around a work. A world that loses touch with diverse biographies and their historical context is destined for either endless consumption or utter oblivion. If we flatten everything, it all becomes uniform, and painting an image becomes a mere fetish.“

Die Ausstellung in Salzburg verdeutlicht Schinwalds Fähigkeit, kunsthistorische Traditionen mit den Bildsprachen digitaler Technologien zu verknüpfen und damit Malerei unter zeitgenössischen Bedingungen neu zu denken. Sie ist zugleich eine Reflexion über Erinnerung, Verlust und die Möglichkeiten künstlerischer Erneuerung.

Tags: Malerei, Markus Schinwald

ÖFFNUNGSZEITEN
DIENSTAG – FREITAG 10 – 18 UHRSAMSTAG 10 – 14 UHR