„Gustav Klimt und Vorarlberg“ in der Sammlung Hans Bäumler
Hohenems – Die Sammlung Hans Bäumler in der Arche Noah setzt ein markantes Zeichen für die Verbindung von Kunst und Industriegeschichte. Mit der neuen Sonderausstellung „Gustav Klimt und Vorarlberg“, die bis zum 6. Jänner 2026 zu sehen ist, öffnet das Privatmuseum in Hohenems den Blick auf eine fruchtbare Liaison zwischen Kunst und Textilwirtschaft im Aufbruch zur Moderne. Im Zentrum steht die Freundschaft zwischen Gustav Klimt und dem Dornbirner Textilfabrikanten Julius Rhomberg, die weit über private Begegnungen hinaus künstlerische Spuren hinterließ.
Weltberühmte Kunst trifft textile Industriepioniere: Die Schau bringt private Dokumente ans Licht, darunter eine von Klimt gestaltete Hochzeitskarte, und präsentiert erstmals Jugendstil-Stoffe der Firma Herrburger & Rhomberg, die eng mit dem Geist der Wiener Secession verbunden sind. Damit wird sichtbar, wie sich persönliche Beziehungen in die industrielle und kulturelle Entwicklung einer ganzen Region eingeschrieben haben.
„In der Auftakt-Ausstellung sind meine beiden Lebensleidenschaften erstmals miteinander verwoben: das Textile und die Kunst“, sagt Hans Bäumler, Gründer des Museums und ehemaliger Textilindustrieller. Mit dieser Schau verfolgt er das Ziel, jährlich thematische Ausstellungen zu präsentieren, die sowohl die Sammlung selbst als auch die kulturelle Identität Vorarlbergs neu beleuchten.
Kurator Tobias G. Natter, ein international anerkannter Experte für die Kunst der Moderne, betont: „Die Spurensuche lieferte unerwartete Beiträge und spannende Facetten zur Vorarlberger Kunst- und Designgeschichte, als das Land vor dem Arlberg zwar am westlichsten Rand der Monarchie lag, aber energisch den wirtschaftlichen Anschluss an die Moderne suchte.“
Die Ausstellung führt eindrucksvoll vor Augen, wie Klimts künstlerisches Umfeld mit der Textilindustrie verschmolz. Exponate erinnern an den Pavillon der Dornbirner Textilindustrie auf der Gewerbeausstellung 1900 und an die Wiener Kunstschau 1908, wo Herrburger & Rhomberg mit Heimtextilien Räume und Terrassen ausstattete. „Dieser Auftritt verlieh Herrburger & Rhomberg innerhalb der österreichischen Textilindustrie einen Sonderstatus“, erklärt Natter.
Die „Arche Noah – Kunst & Kultur“ in der ehemaligen Hemdenfertigung der Firma Bäumler wurde 2019 gegründet und vereint mehr als 100 Werke der Spätromantik und klassischen Moderne – darunter Arbeiten von Spitzweg, Waldmüller, Monet, Renoir, Gauguin, Liebermann, Corinth, Marc, Macke, Pechstein und Picasso. „Große Kunst gehört gesehen – und darf nicht im Tresor verstauben. Die Arche Noah bewahrt, begeistert und bewegt. Diese Eindrücke möchte ich als lebenslanger Kunst- und Naturliebhaber gerne mit den Menschen teilen“, betont Hans Bäumler.
Mit der Ausstellung „Gustav Klimt und Vorarlberg“ wird deutlich, dass Kunst nicht nur im Museum lebt, sondern auch in den Verbindungen von Menschen, Ideen und Industrien ihre Kraft entfaltet.