Mongolei © Pascal Gertsch
Mongolei © Pascal Gertsch – Mit freundlicher Genehmigung von: rietberg / Museum Rietberg

Wann: 24.10.2025 - 22.02.2028

Museum Rietberg richtet mit der Ausstellung „Mongolei. Eine Reise durch die Zeit“ den Blick auf ein Land, dessen Gegenwart bereits mehr über seine Geschichte erzählt als jedes tradierte Bild von Steppe und Weite. Rund siebzig Prozent der Bevölkerung leben heute in Städten, mehr als vierzig Prozent allein in Ulaanbaatar, während zugleich etwa ein Drittel der Menschen weiterhin nomadisch oder semi-nomadisch lebt. Viele Familien bewegen sich bis heute zwischen diesen Welten, mit Verwandten, die durch die Landschaften ziehen, und anderen, die in der Hauptstadt sesshaft sind. Von dieser geteilten Realität aus entfaltet sich eine Erzählung, die Geschichte nicht als abgeschlossene Vergangenheit zeigt, sondern als lebendige Struktur, die bis in den Alltag der Gegenwart reicht.

Ulaanbaatar 2024, Blick über die dicht bebaute Hauptstadt der Mongolei im Dunst des Morgens, urbane Verdichtung zwischen Gebirge und Steppe, Foto: Bagimax
Ulaanbaatar 2024, Blick über die dicht bebaute Hauptstadt der Mongolei im Dunst des Morgens, urbane Verdichtung zwischen Gebirge und Steppe, Foto: Bagimax – Mit freundlicher Genehmigung von: rietberg / Museum Rietberg

Die Ausstellung basiert auf bahnbrechenden archäologischen Forschungsergebnissen und vereint rund 200 Objekte, von denen viele erstmals außerhalb der Mongolei gezeigt werden. Artefakte, Kunstwerke und schriftliche Zeugnisse eröffnen einen neuen Blick auf eine über zweitausendjährige Geschichte, in deren Zentrum nicht nur Nomadentum, sondern auch frühe Urbanität steht. Große Siedlungen, die zwischen dem 2. und 14. Jahrhundert entstanden, zeugen von einer überraschend frühen Stadtentwicklung und vom Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Herkunft.

„Grosse Stadtsiedlungen, errichtet zwischen dem 2. und 14. Jahrhundert, zeugen von einer frühen Urbanisierung und dem Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Herkunft“, heisst es in der Ausstellung. Kostbare Handelsgüter verweisen auf weitreichende Verbindungen, schriftliche Quellen belegen die zentrale Rolle der Mongolei im kulturellen Austausch zwischen Ost und West. Und doch blieb die nomadische Lebensweise, das Herz mongolischer Identität, über Jahrhunderte hinweg bestimmend.

Mongolische Krieger im Kampf, Illustration auf Papier, 1. Viertel 14. Jahrhundert, Reiterkrieger mit Bögen und Rüstungen, erworben von Friedrich Diez (1751–1817) in Istanbul, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Orientabteilung
Mongolische Krieger im Kampf, Illustration auf Papier, 1. Viertel 14. Jahrhundert, Reiterkrieger mit Bögen und Rüstungen, erworben von Friedrich Diez (1751–1817) in Istanbul, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Orientabteilung – Mit freundlicher Genehmigung von: rietberg / Museum Rietberg

Der Rundgang setzt bewusst in der Gegenwart an und führt in die Megacity Ulaanbaatar, deren rasantes Wachstum die tiefgreifenden Umbrüche der letzten Jahrzehnte sichtbar macht. Raumhohe Projektionen lassen die Besucher in das heutige Leben eintauchen, das zwischen Urbanität und Tradition oszilliert. „Mit der Megacity Ulaanbaatar beginnt die Reise durch die Zeit“, erläutert die Ausstellung.

Zeitgenössische Künstler wie Erdenebayar Monkhor, Baatarzorig Batjargal, Lkhagvadorj Enkhbat und Nomin Zezegmaa greifen diese Spannungen in ihren Arbeiten auf. Ihre Werke zeigen eine Gesellschaft im Übergang, in der moderne Lebensformen und nomadische Traditionen nebeneinander bestehen und sich gegenseitig spiegeln.

Lkhagvadorj Enkhbat (*1987), Supermarkt, 2014, zeitgenössische Malerei über Konsum, Umwelt und soziale Realität in der Mongolei, Darstellung von Figuren zwischen Abfall und urbanem Alltag
Erdenebayar Monkhor (*1968), Stupa, 2014, zeitgenössische Skulptur aus bemaltem Holz, abstrahierte Pferdefigur auf blockhaftem Sockel, mongolische Gegenwartskunst
Lkhagvadorj Enkhbat (*1987), Supermarkt, 2014, zeitgenössische Malerei über Konsum, Umwelt und soziale Realität in der Mongolei, Darstellung von Figuren zwischen Abfall und urbanem Alltag • Erdenebayar Monkhor (*1968), Stupa, 2014, zeitgenössische Skulptur aus bemaltem Holz, abstrahierte Pferdefigur auf blockhaftem Sockel, mongolische Gegenwartskunst – Mit freundlicher Genehmigung von: rietberg / Museum Rietberg

Von dort führt die Ausstellung weiter zurück in das 13. Jahrhundert, als Dschingis Khan und seine Nachfolger ein Weltreich formten, das sich von Korea bis nach Ungarn erstreckte. Karakorum, die Hauptstadt im Orchon-Tal, war das politische und kulturelle Zentrum dieser Macht. Organisation, Verwaltung und ein komplexes Kommunikationssystem bildeten die Grundlage für eine Herrschaft, die auf Mobilität, Vernetzung und strategischem Denken beruhte.

Im selben Tal lag auch Karabalgasun, die Hauptstadt des uigurischen Reiches im 8. Jahrhundert. Archäologische Spuren einer Stadt von enormer Ausdehnung zeugen von einem multikulturellen Zentrum, in dem unterschiedliche Traditionen aufeinandertrafen. „Ihre polyglotten Bewohner verbanden in ihrer Lebensweise auf einzigartige Weise Einflüsse aus China und Zentralasien, Vorderasien und dem Mittelmeer“, heisst es in den Erläuterungen, während zugleich ein starkes Bewusstsein für die eigene kulturelle Identität erhalten blieb.

Den zeitlichen Ausgangspunkt der Reise bilden die Xiongnu, die im 1. Jahrhundert in den Steppen Zentralasiens ein mächtiges Reich errichteten. Von ihnen gingen Traditionen aus, die die mongolische Kultur bis heute prägen, darunter die Verehrung des Pferdes, die Kunst des Kompositbogens und eine militärische Organisation, die auf klaren Strukturen beruhte. „Mit ihnen begannen Traditionen, die für die späteren Entwicklungen in der Mongolei bestimmend wurden“, betont das Museum.

So kehrt die Ausstellung am Ende in die Gegenwart zurück und macht sichtbar, wie eng Vergangenheit und Gegenwart in der Mongolei miteinander verwoben sind. „Mongolei. Eine Reise durch die Zeit“ ist weniger eine lineare Geschichtserzählung als ein vielschichtiger Dialog zwischen archäologischer Forschung, zeitgenössischer Kunst und gelebter Realität. Das Museum Rietberg zeigt ein Land, das sich nicht über Klischees erschließt, sondern über Kontinuitäten, Brüche und eine kulturelle Tiefe, die bis heute wirksam ist.

Nomadische Lebensformen existierten seit Jahrtausenden nicht nur in der Mongolei, sondern über weite Teile Eurasiens hinweg und bildeten transkontinentale Netzwerke von Bewegung, Austausch und Wissen. Auch die Gegenwart ist von globalen Wanderungsbewegungen geprägt, die vielerorts als Überforderung wahrgenommen werden und den Blick auf historische Formen von Mobilität neu schärfen.

Installationsansicht «Mongolei – Eine Reise durch die Zeit» © Museum Rietberg, Patrik Fuchs
Installationsansicht «Mongolei – Eine Reise durch die Zeit» © Museum Rietberg, Patrik Fuchs – Mit freundlicher Genehmigung von: rietberg / Museum Rietberg
Tags: Dschingis Khan, Malerei, Erdenebayar Monkhor, Baatarzorig Batjargal, Lkhagvadorj Enkhbat, Nomin Zezegmaa, Nomaden, Seidenstraße, Kulturgeschichte, Archäologie, Urban Art, Zeitgenössische Kunst

Montags ist das Museum Rietberg geschlossen. Von Dienstag bis Sonntag ist es von 10 bis 17 Uhr geöffnet, am Mittwoch bis 20 Uhr.