„Was zwischen uns wächst“: Wenn Feminismus und Ökologie in Wien eine neue Sprache finden
In Wien öffnet sich vom 4. Dezember 2025 bis 22. Jänner 2026 in den SOHO STUDIOS im 16. Bezirk eine Ausstellung, die Feminismus und Ökologie als untrennbare Kräfte denkt. Unter dem Titel „Was zwischen uns wächst“ werden künstlerische und wissenschaftliche Positionen zusammengebracht, um die Frage zu stellen: Wie kann mitten in der Klimakrise ein neues Leben möglich werden – mit Fürsorge, Widerstand und Verbundenheit?
Die Ausstellung bringt das Kollektiv AMO (Aki Namba, Mary Maggic, Oi Pui Hoang), Lena Rosa Händle, Monica C. LoCascio, claudia sandoval romero* und die Gruppe Science Meets Art zusammen. Jede dieser Arbeiten entfaltet ein Netz zwischen Natur und Gesellschaft, Vergangenheit und Gegenwart.
AMO erkundet in ihrem Film „Cosmic Forest, Cosmic Home“ in der Landschaft von Okayama die porösen Verbindungen zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, dem Körper und dem Land, der Zugehörigkeit und Erinnerung. Das Projekt greift auf Traditionen des Shinto, Buddhismus und Animismus zurück, in denen das Verhältnis zur Natur verkörpert wird – eine Beziehung, die in der kapitalistischen Moderne verloren zu gehen droht.
Lena Rosa Händle zeigt mit ihren Collagen, dass Leben nicht auf Konkurrenz basiert, sondern auf Symbiosen: Pilze, Flechten, Algen und Mikroorganismen werden zu poetischen Vorbildern für eine solidarische Zukunft.
Monica C. LoCascio arbeitet mit Fermentationsprozessen und Mikroorganismen, um Macht- und Arbeitshierarchien sichtbar zu machen – eine ökologische Praxis der Fürsorge, die den Blick auf viele symbiotische Partner erweitert.
Die Installation „LebensverteidigerInnen aus Abya Yala“ von claudia* sandoval romero erinnert an dekoloniale Kämpfe indigener Frauen in Lateinamerika, die das „Körper-Territorium“ verteidigen und damit die Grundlagen des Lebens. In Wien entsteht ein kollektives Archiv des Widerstands, das sich auch in den Hochbeeten der SOHO STUDIOS spiegelt – seit dem Frühling wächst dort eine Milpa (Mais, Kürbis, Bohnen) als Symbol gemeinsamen Arbeitens und Wachsens.
Auch Science Meets Art mischt künstlerische Forschung mit wissenschaftlichen Szenarien. In Workshops werden Geschlechtergerechtigkeit und Klimakrise verknüpft. Ökofeminismus erscheint hier als systemische Antwort auf die Ausbeutung von Natur und Menschen, und als Einladung, situiertes Wissen ins Zentrum zu rücken.
Das kuratorische Team von SOHO in Ottakring — Ula Schneider, Marie-Christine Hartig und Hansel Sato — setzt mit diesem Projekt auf Gemeinschaft und Resonanz: Es entstehen Stimmen, die lokale und globale Kräfte verbinden und das Wachstum dessen sichtbar machen, „was zwischen uns wächst, was uns zusammenbringt, kittet und ein Bewusstsein schafft für ein Zusammenleben, das mit Care und Widerständigkeit zugleich gestaltet werden kann.“
Die Ausstellung befindet sich in den SOHO STUDIOS, einem offenen Ort für Kunst, Kultur und sozialen Austausch im Wiener Sandleitenhof. (sohostudios.at)
Eröffnung ist am 4. Dezember 2025, Laufzeit bis 22. Jänner 2026.