Mujer Ángel, Sonora Desert, 1979 © Graciela Iturbide
Mujer Ángel, Sonora Desert, 1979 © Graciela Iturbide – Mit freundlicher Genehmigung von: COBerlin / C/O Berlin Ausstellungshaus

Wann: 07.02.2026 - 10.06.2026

Graciela Iturbide – Die Seele Mexikos in Bildern: Retrospektive bei C/O Berlin

C/O Berlin widmet der mexikanischen Fotografin Graciela Iturbide (geb. 1942) die erste große Retrospektive in Deutschland und eröffnet damit einen eindrucksvollen Blick auf mehr als fünf Jahrzehnte eines außergewöhnlichen fotografischen Lebenswerks. Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin selbst und präsentiert sowohl ihre ikonischen Serien als auch bisher unveröffentlichte Arbeiten.

Iturbide gilt als eine der bedeutendsten Fotografinnen Lateinamerikas. Ihre Schwarzweißaufnahmen sind mehr als bloße Dokumentationen – sie sind poetische Erzählungen über Kultur, Identität und die menschliche Existenz. Mit unnachahmlicher Sensibilität richtet sie ihre Kamera auf das Alltägliche und entdeckt darin das Magische, auf das Vertraute und zeigt dessen Fremdheit.

Ein zentraler Fokus liegt auf den Frauen in Mexiko, die in Iturbides Werk eine herausragende Rolle spielen. Besonders eindrucksvoll ist ihre Serie über die Zapotekinnen von Juchitán in Oaxaca, eine Gemeinschaft, die sich jenseits traditioneller Geschlechterrollen bewegt und eine eigene soziale und kulturelle Ordnung geschaffen hat. Ebenso faszinierend ist ihr fotografischer Blick auf Frida Kahlo und die Casa Azul, in dem sie die Mythen um die Künstlerin entblättert und eine neue, stille Nähe zu ihrer Welt eröffnet.

Daneben zeigt die Retrospektive Arbeiten über die indigene Seri-Gemeinschaft im Nordwesten Mexikos sowie die rituellen Schlachtungen von La Matanza in der Mixteca-Region. Seltener gezeigte Fotografien aus Indien und Bangladesch erweitern den Blick und lassen erkennen, dass Iturbides visuelle Sprache weit über Mexiko hinaus hallt.

Ihre Bilder sind von einer stillen Intensität, durchdrungen von Respekt und einem tiefen Sinn für Symbolik. Was zunächst ethnografisch erscheint, verwandelt sich in ihren Händen in etwas Zeitloses, fast Metaphysisches – eine Meditation über das Leben selbst.

Die von Sophia Greiff und Melissa Harris kuratierte Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie sich Iturbides künstlerische Praxis im Laufe der Jahre entwickelt hat und wie ihre Fotografie die Grenzen zwischen Dokumentation und Poesie überwindet. Unterstützt wird die Präsentation von der Karin und Uwe Hollweg Stiftung.

Tags: Graciela Iturbide, Fotografie, Schwarzweißfotografie‎

Täglich von 11:00–20:00