Joy Gregory Autoportrait, 1989 – 1990. © Joy Gregory/ Courtesy the artist & DACS (Image credit: © Joy Gregory)
Joy Gregory Autoportrait, 1989 – 1990. © Joy Gregory/ Courtesy the artist & DACS (Image credit: © Joy Gregory) – Mit freundlicher Genehmigung von: whitechapelgallery.org / Whitechapel Gallery

Wann: 08.10.2025 - 01.03.2026

Joy Gregory – Catching Flies with Honey: Schönheit als Waffe im Whitechapel Gallery, London

Es ist nur folgerichtig, dass Joy Gregorys erste große Retrospektive in der Whitechapel Gallery den Titel eines Sprichworts trägt, das ihre Mutter prägte. „You catch more flies with honey than vinegar“ – dieser Satz hallt durch alle Räume, und in jeder Arbeit scheint er sich zu materialisieren. Diese honigsüßen Fotografien tragen eine klare politische Botschaft in sich, die haftet wie Klebstoff. Mit fotografischen Verfahren des 19. Jahrhunderts untersucht Gregory Themen wie Rasse, Geschlecht und Kolonialismus – und tut dies mit einer visuellen Kraft, die ihre Wirkung erst recht entfaltet, weil sie so elegant verpackt ist.

Bereits in ihrer frühen Serie Autoportrait (1989–90) zeigt sich die subversive Macht der Schönheit. In einer Folge eng beschnittener, silbergelatinerner Nahaufnahmen posiert Gregory wie ein Model auf einem Modemagazin-Cover. Glamourös, selbstbewusst und mit einer gewissen Ironie spielt sie mit der Ästhetik der Hochglanzwelt, um westliche Schönheitsideale zu entlarven.

Wenn der Betrachter vom metallischen Glanz ihrer Ohrringe und dem steifen Stoff des kleinen Schwarzen verführt wird, so wird er zugleich verunsichert durch den halb geöffneten Reißverschluss am Rücken, durch den verletzlichen Blick ihrer kohlgeschminkten Augen oder den Moment, in dem ihr Gesicht hinter den Händen verschwindet. Black Women, so legt Gregory nahe, sollten als das gesehen werden, was sie sind – schöne, eigenständige Individuen, sichtbar und im Mittelpunkt. Doch auch heute, da schwarze Models seltener die Titelseiten zieren als ihre weißen Kolleginnen, hallt die Spannung zwischen Sichtbarkeit und Verletzlichkeit weiter nach.

In den bekannten Werkreihen Objects of Beauty (1992–94) und Girl Thing (2002–04) wird die Auseinandersetzung mit unrealistischen Schönheitsnormen fortgesetzt. In Objects of Beauty dehnt Gregory Haarspangen, Kämme und falsche Wimpern zu kallitypischen Monstern, die die Konstruktion von Weiblichkeit überzeichnen und gleichzeitig entlarven. Girl Thing dagegen verwandelt diese Accessoires in etwas Leichtes, fast Ätherisches. Ihre Fotogramme lösen die harten Objekte in geisterhafte Formen auf, die sich auf cyanblauem Grund auflösen. Es sind poetische Schattenbilder der Weiblichkeit – alltägliche Dinge, die in ihrem neuen Kontext zu etwas Außergewöhnlichem werden.

Ein weiteres Schlüsselwerk, The Handbag Project (1996–97), entstand während der südafrikanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission nach dem Ende der Apartheid. Hier untersucht Gregory den kolonialen und gesellschaftlichen Unterbau weiblicher Privilegien. Ihre Fotogramme luxuriöser Handtaschen, die einst wohlhabenden weißen Frauen gehörten, sind stille Zeugen einer Ära der Ausbeutung. Die Tasche – Symbol weißer Weiblichkeit und Status – bleibt als blasse Hülle ihrer selbst zurück.

„Catching Flies with Honey“ entfaltet eine beeindruckende Bandbreite – in Technik, Intellekt und Sinnlichkeit. Die Ausstellung beweist, dass Schönheit nicht nur verführen, sondern auch aufrütteln kann. Sie ist Waffe und Trost, Falle und Methode zugleich.

Eines steht fest: Die Arbeiten von Joy Gregory bleiben im Gedächtnis – ebenso schön wie unbequem, ebenso sinnlich wie politisch.

Joy Gregory: Catching Flies with Honey ist in der Whitechapel Gallery, London, bis 1. März 2026 zu sehen.

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Joy Gregory, Candy Stripe Bathing Costume from series ‘Girl Thing’, 2002 – 2004  (Image credit: © Joy Gregory)
Joy Gregory, Candy Stripe Bathing Costume from series ‘Girl Thing’, 2002 – 2004 (Image credit: © Joy Gregory) – Mit freundlicher Genehmigung von: whitechapelgallery.org / Wer: Whitechapel Gallery
(Image credit: © Joy Gregory)
(Image credit: © Joy Gregory) – Mit freundlicher Genehmigung von: whitechapelgallery.org / Wer: Whitechapel Gallery

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