DU SOLLST DIR EIN BILD MACHEN – Eine Ausstellung über religiöse Imagination und zeitgenössische Bildwelten
Mit der Ausstellung DU SOLLST DIR EIN BILD MACHEN gelingt dem Kunsthistoriker und Kurator Günther Oberhollenzer, unterstützt von Miriam King in der kuratorischen Assistenz, ein ebenso feinfühliger wie kritischer Blick auf die Kraft religiöser Bilder. Die Schau versammelt hochkarätige internationale Positionen, die sich mit der christlichen Ikonographie auseinandersetzen – mal liebevoll, mal provokant, oft humorvoll und nicht selten mit feministischer Perspektive.
„DU SOLLST DIR EIN BILD MACHEN erzählt von der Imaginationskraft religiösen Erlebens, ihre visuelle Entsprechung in der christlichen Bildtradition und deren Interpretation durch Künstlerinnen der Gegenwart*“, heißt es im kuratorischen Statement. Dabei geht es nicht um plakative Provokation oder dogmatischen Protest, sondern vielmehr um einen differenzierten Dialog zwischen Kunst und Religion, der gemeinsame Räume öffnet – geistige wie bildhafte.
Im Zentrum der Ausstellung stehen Werke, deren Schöpfer sich mit den großen Motiven der christlichen Bildwelt auseinandersetzen. Über Jahrhunderte geformte Symbole und Szenen – vom Abendmahl bis zur Kreuzigung, von der Madonna bis zur Himmelfahrt – werden neu gelesen, hinterfragt oder transformiert. „In Konzeption und Ausrichtung steht die Schau nicht für vordergründige Provokation oder lauten Protest, sondern mehr für einen differenzierten Blick, für eine Suche nach Gemeinsamkeiten und das Bestreben einen Dialog von zeitgenössischer Kunst und Religion zu fördern.“
Die Ausstellung berührt zentrale Fragen menschlicher Existenz: „Religion wie Kunst gehören zu den Wesenszügen des Menschen und beschäftigen sich mit den grundlegenden Fragen des Menschen: der Frage nach dem Sinn, der Welt, unserem Sein.“ Beide – Kunst und Religion – verbinden sich im Streben nach Sinn und Transzendenz. „Die Religion macht das Unvertraute vertraut, die Kunst stellt der vertrauten Welt oft einen unvertrauten Bereich gegenüber.“
Gerade im Geheimnisvollen, im Nicht-Sichtbaren, liegt die Kraft dieser Präsentation. „Kirche und Kunst verbindet auch das Irrationale, das Geheimnisvolle und besonders die Imagination und Vorstellungskraft, sich eine Welt mit eigenem Regelwerk und Gesetz zu erschaffen – eine Welt, die auch zurückstrahlt auf unser Leben, uns über unsere Existenz erzählt.“ Es ist dieser Rückstrahl, dieses Wiederfinden im Bild, das DU SOLLST DIR EIN BILD MACHEN zur Reflexion und zum Staunen gleichermaßen einlädt.
Gezeigt werden Werke von so prominenten Namen wie Marina Abramović, VALIE EXPORT, Arnulf Rainer, Andres Serrano, Martin Kippenberger, Hermann Nitsch oder Deborah Sengl. Ergänzt werden sie durch starke Positionen aus der Gegenwart wie Irene Andessner, Anouk Lamm Anouk, Ursula Beiler, Victoria Coeln, Christian Eisenberger, Sissa Micheli, Ina Loitzl, Billi Thanner oder Markus Wilfling. Diese künstlerische Vielfalt spiegelt auch die spirituelle Vielfalt unserer Zeit wider – zwischen sakralem Raum und kritischer Gegenwart, zwischen Andacht und Aufbegehren.
DU SOLLST DIR EIN BILD MACHEN ist damit nicht nur eine Ausstellung über religiöse Motive, sondern ein eindringlicher Versuch, über die Kraft der Bilder neu nachzudenken – in einer Welt, die Antworten sucht auf das, was jenseits des Sichtbaren liegt.