Erich Heckel, Parksee, 1914, Franz Marc Museum, Kochel a. See Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Foto: © Collecto.art
Erich Heckel, Parksee, 1914, Franz Marc Museum, Kochel a. See Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Foto: © Collecto.art – Mit freundlicher Genehmigung von: franzmarcmuseum / Franz Marc Museum

Wann: 23.11.2025 - 12.04.2026

Wilde Farben, freier Geist: 120 Jahre Künstlergruppe Brücke im Franz Marc Museum

Im Spätherbst, wenn sich das Licht über den Kochelsee legt und die Berge in ihrer stillen Majestät verharren, entfaltet das Franz Marc Museum einen Blick zurück auf jenen Moment, in dem die Moderne in Deutschland ihren rebellischen Herzschlag fand. Die Ausstellung zum 120jährigen Gründungsjubiläum der Künstlergruppe Brücke erzählt von einer Gruppe junger Männer, die 1905 den Mut hatten, einen radikal neuen Weg einzuschlagen – mit Farben, die wie Feuer brannten, und Linien, die den Geist suchten statt das Abbild.

Von Ende November an präsentiert das Museum herausragende Meisterwerke des deutschen Expressionismus, darunter bedeutende Leihgaben aus dem Kunstmuseum Ravensburg und aus Privatbesitz. Der Besucher betritt eine Welt, in der die Kunst explodiert, in der die Leinwand zum Schlachtfeld der Emotionen wird, und in der die Künstler Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein und Otto Mueller die Grenzen ihrer Zeit sprengten.

 

Karl Schmidt-Rottluff, Zwei Akte im Grünen, 1913, Kunstmuseum Ravensburg, Dauerleihgabe Privatsammlung Süddeutschland
Ernst Ludwig Kirchner, Blaue Artisten, 1914, Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Foto: © Collecto.art
Karl Schmidt-Rottluff, Zwei Akte im Grünen, 1913, Kunstmuseum Ravensburg, Dauerleihgabe Privatsammlung Süddeutschland • Ernst Ludwig Kirchner, Blaue Artisten, 1914, Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Foto: © Collecto.art – Mit freundlicher Genehmigung von: franzmarcmuseum / Franz Marc Museum

Die Ausstellung entfaltet sich in thematisch gegliederten Kapiteln und führt zu den charakteristischen Facetten dieser Gemeinschaft, deren Vision sich aus einem kulturkritischen Impuls speiste. Die starren Regeln und Konventionen der wilhelminischen Kunst sollten durch das überwunden werden, was sie selbst als das „Unmittelbare“ und „Unverfälschte“ bezeichneten – Worte aus dem Programm der Brücke von 1906, die bis heute wie ein Mantra der künstlerischen Befreiung wirken. Diese Sehnsucht manifestiert sich in den vitalen Aktdarstellungen der Dresdner Jahre ebenso wie in jenen Szenen der Berliner Zeit, die von der Dynamik und Widersprüchlichkeit der Großstadt geprägt sind.

Doch der Blick der Brücke-Künstler schweifte auch über Europa hinaus. Die Faszination des Ursprünglichen führte zur Auseinandersetzung mit außereuropäischer Kunst und Kultur, die ihnen als ästhetisches und spirituelles Vorbild diente. Aus heutiger Perspektive erscheint dieser Zugang auch als Ausdruck einer unreflektierten Aneignung kolonial geprägter Bilderwelten – ein Spannungsfeld, das die Ausstellung bewusst nachvollzieht. Ebenso treten Werke hervor, die Fragen nach Grenzüberschreitungen und Geschlechterrollen aufwerfen, etwa in Darstellungen kindlicher Modelle, die im historischen Kontext kritisch zu beleuchten sind.

Otto Mueller, Badende, 1920, Franz Marc Museum, Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Foto: © Collecto.art
Otto Mueller, Badende, 1920, Franz Marc Museum, Dauerleihgabe aus Privatbesitz, Foto: © Collecto.art – Mit freundlicher Genehmigung von: franzmarcmuseum / Franz Marc Museum

Mit rund fünfzig Arbeiten – Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen und grafischen Werken – verfolgt die Schau die Anfänge einer Bewegung, die Kunst und Leben untrennbar miteinander verband. Es ist ein Blick auf einen radikalen Aufbruch, dessen schöpferische Energie bis heute nachhallt, ebenso wie seine Widersprüche.

Das Franz Marc Museum begleitet die Ausstellung mit einem vielseitigen Vermittlungsprogramm. Ein Audioguide für Erwachsene und Kinder ab acht Jahren wird zum persönlichen Begleiter vor, während und nach dem Museumsbesuch. Er führt durch den Skulpturenpark und erzählt Wissenswertes über Architektur, Geschichte und Sammlung.

Bevor der Blick sich jedoch auf die Brücke richtet, klingt ein letzter Erfolg aus: Die erfolgreiche Ausstellung „Die Moderne im Zoo“ läuft noch bis zum 9. November. Danach bleibt das Museum vom 10. bis 18. November wegen Umbau geschlossen – eine kurze Pause, bevor sich die Türen erneut öffnen für eine Reise zu den Ursprüngen der Moderne.

Tags: Franz Marc, Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen

Öffnungszeiten: Di–So 10–17 Uhr | Montags geschlossen