Pinacoteca viaggiante
Pinacoteca viaggiante – Mit freundlicher Genehmigung von: pinacotecabrera.org / Pinacoteca di Brera

Wann: 16.05.2025 - 17.05.2026

Pinacoteca viaggiante: Die Miniaturen-Sammlung des Grafen Sommariva

Es ist eine jener Geschichten, in denen Kunst, Macht und Eleganz sich zu einem schimmernden Geflecht verweben. Die Ausstellung über die „traveling Pinacoteca“ führt in die Welt des Grafen Giovanni Battista Sommariva, eines Mannes, der den Geist des Neoklassizismus wie kaum ein anderer verkörperte. Sein Leben, geprägt von Reichtum, politischem Einfluss und einem ausgeprägten Sinn für Schönheit, hinterließ eine Spur, die Europa noch heute erahnen lässt.

Im Mittelpunkt dieser Präsentation steht die außergewöhnliche Sammlung von 99 Miniaturen auf Email, die Sommariva zwischen 1810 und 1825 in Auftrag gab. Es handelt sich um kleine Meisterwerke, die von fünf der bedeutendsten Miniaturmaler ihrer Zeit geschaffen wurden: Adèle Chavassieu d’Haudebert, Henri L’Evêque, Pierre Édouard Gautier Dagoty, Giambattista Gigola und Abraham Constantin. Ihre Aufgabe war es, die großen Gemälde aus Sommarivas Sammlung auf Email zu übertragen – eine kunstvolle Verdichtung, ein destillierter Ausdruck neoklassizistischer Eleganz.

Frammento de Il passaggio del Mar Rosso (da B. Luini), Adèle Chavassieu d’Haudebert, 1822
Abramo scaccia Agar (da M. Preti, già da Caravaggio), Adèle Chavassieu d’Haudebert, primo quarto XIX sec.
Frammento de Il passaggio del Mar Rosso (da B. Luini), Adèle Chavassieu d’Haudebert, 1822 • Abramo scaccia Agar (da M. Preti, già da Caravaggio), Adèle Chavassieu d’Haudebert, primo quarto XIX sec. – Mit freundlicher Genehmigung von: pinacotecabrera.org / Pinacoteca di Brera

Sommariva, „the greatest collector of the Neoclassical era“, war nicht nur ein Förderer von Künstlern, sondern auch ein Mann, der die Kunst zu seiner persönlichen Sprache machte. Indem er diese Miniaturen anfertigen ließ, erschuf er ein Objekt, das mehr war als eine Sammlung: eine „portable pinacoteca“, die ihn auf seinen vielen Reisen durch Europa begleitete.

Er trug sie wie eine Visitenkarte, ein glänzendes Symbol seiner Stellung, ein mobiles Manifest seines ästhetischen Anspruchs. Die Salons der europäischen Aristokratie empfingen diese kleinen Bilder mit Staunen. „Nobles, princes, diplomats, ambassadors, intellectuals and ladies … observed the small paintings with wonder and amazement: a veritable ‘traveling pinacoteca’.“ Diese Miniaturen waren Gesprächsanlass, Bewunderungsobjekt, gesellschaftliches Kapital.

Pinacoteca Viaggiante, Pinacoteca di Brera, Sala 1
Pinacoteca Viaggiante, Pinacoteca di Brera, Sala 1 – Mit freundlicher Genehmigung von: pinacotecabrera.org / Pinacoteca di Brera

Die 99 Emailgemälde auf Kupfer, gefasst in feinstem vergoldetem Bronze, sind wie ein poetisches Inventar seines Geschmacks. Sie machten die große Kunst seiner Zeit zu etwas Tragbarem, fast Intimem. Sommarivas Sammlung wurde so zu einem glänzenden prêt-à-porter der Kunst, einer Verbindung aus Raffinesse und Diplomatie, die dem neoklassizistischen Ideal eine neue Form gab.

In der heutigen Präsentation erscheint die „Pinacoteca viaggiante“ als eine Zeitkapsel, die den Blick auf jene Epoche eröffnet, in der Kunst nicht nur gesammelt, sondern gelebt wurde. Es ist eine Reise in eine Welt, in der selbst die kleinsten Bilder ein Echo der großen Ideen waren.

Tags: Neoklassizismus, Miniaturen Email, Giovanni Battista Sommariva, Sommariva Sammlung, Adèle Chavassieu d’Haudebert, Henri L’Evêque, Pierre Édouard Gautier Dagoty, Giambattista Gigola, Abraham Constantin

Dienstag bis Sonntag von 8:30 bis 19:15 Uhr. Montags ist das Museum geschlossen.