Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Installation, die tief berührt: Mit Tausenden von Aleppo-Seifen, im türkisch-syrischen Grenzgebiet von Flüchtlingen während des Krieges hergestellt, baut Andraschek ein raumgreifendes Modell des berühmten Basars von Aleppo nach. Der intensive Duft von Lorbeeröl verbindet sich mit dem Mythos aus Ovids Metamorphosen, der Erzählung von Daphne, die sich vor Apollo in einen Lorbeerbaum verwandelt. Die Installation wird begleitet von Zeichnungen und Filmen, die Andrascheks jahrelange Auseinandersetzung dokumentieren – ein dichtes Gewebe aus Erinnerung, Verlust und Transformation.
Ihre künstlerische Arbeit umfasst viele Ebenen. Andraschek porträtiert Waldviertler Bäuerinnen, galvanisiert Pflanzen und verleiht ihnen eine neue Stimme, bestückt Bienenkästen mit Bildschirmen und lässt Experten zum Publikum sprechen. Sie dokumentiert Kultur- und Wildpflanzen und macht sie zu Bedeutungsträgern. Ihre Recherchen zu Agrarindustrie und Welthandel ziehen sich wie ein roter Faden durch ihr Werk. In Krems ist sie zudem für ihre Teppiche als Schablonenmalerei oder als Mosaik im öffentlichen Raum bekannt – Arbeiten, die vertraute Orte verwandeln und neu definieren.
Die Ausstellung in der Kunsthalle Krems, kuratiert von Hubert Nitsch, bringt nationale und internationale Projekte zusammen und öffnet einen Blick in jene verborgenen Schichten der Wirklichkeit, die Andraschek mit leiser Intensität freilegt. Es ist ein Panorama, das die Seele von Menschen berührt und zugleich das innere Gefüge unserer globalen Welt sichtbar macht.
Seit 1960 vergibt das Land Niederösterreich die Kulturpreise für große Leistungen und Initiativen. Sie spiegeln die Vielfalt des künstlerischen Schaffens im Land wider und unterstreichen die überregionale Bedeutung der Ausgezeichneten. Parallel dazu zeigt das NÖ Dokumentationszentrum für Moderne Kunst in St. Pölten die diesjährigen Träger des Anerkennungspreises von 27. November 2025 bis 11. Januar 2026 – ein weiterer Baustein im kulturellen Gefüge Niederösterreichs.