Iris Andraschek ihrem Atelier
Iris Andraschek ihrem Atelier – Mit freundlicher Genehmigung von: kunsthallekrems / Kunsthalle Krems

Wann: 27.11.2025 - 11.02.2026

Ein zarter Duft von Lorbeeröl erfüllt die Kunsthalle Krems, als ob eine ferne Geschichte plötzlich wieder zu atmen beginnt. Hier eröffnet 2025 die große Personale für Iris Andraschek, eine der bedeutendsten österreichischen Künstler ihrer Generation. Geboren 1963 in Horn, arbeitet sie in Wien und Niederösterreich und hat im Laufe der Jahrzehnte eine unverwechselbare künstlerische Sprache entwickelt. Ihr Werk entfaltet die seltene Fähigkeit, das Politische im Privaten sichtbar zu machen und das Private als Spiegel universeller Fragen zu öffnen. Sie arbeitet in den Bereichen Zeichnung, Fotografie, Film, Installation und Kunst im öffentlichen Raum. Mit klarem Bewusstsein formuliert sie: „Jedes engagierte Handeln kann politisch wirksam werden.“

Seit 1987 verfolgt Andraschek eine intensive nationale und internationale Ausstellungstätigkeit, geprägt von zahlreichen Auszeichnungen wie dem Österreichischen Kunstpreis 2015 sowie von wichtigen ortsbezogenen Projekten, die zu dauerhaften Arbeiten im öffentlichen Raum wurden. Die Kunsthalle Krems rückt diese Stimme nun ins Zentrum und zeigt die weit verzweigten Felder ihres Schaffens – immer verbunden durch ein präzises Gespür für gesellschaftliche Utopien, Erinnerungskultur und die fragile Beziehung zwischen Mensch und Natur.

Iris Andraschek, Feld, 2022 (c) Iris Andraschek Bildrecht, Wien 2025
Iris Andraschek, Sheena-na-gig (England), 2025 (c) Iris Andraschek Bildrecht, Wien 2025
Iris Andraschek, Alle Zukunft fließt ins Innere, 2025 (c) Iris Andraschek Bildrecht, Wien 2025
Iris Andraschek
Iris Andraschek, Feld, 2022 (c) Iris Andraschek Bildrecht, Wien 2025 • Iris Andraschek, Sheena-na-gig (England), 2025 (c) Iris Andraschek Bildrecht, Wien 2025 • Iris Andraschek, Alle Zukunft fließt ins Innere, 2025 (c) Iris Andraschek Bildrecht, Wien 2025 • Iris Andraschek – Mit freundlicher Genehmigung von: kunsthallekrems / Kunsthalle Krems
Iris Andraschek, Sabrina, 1999
Iris Andraschek, Sabrina, 1999 – Mit freundlicher Genehmigung von: kunsthallekrems / Kunsthalle Krems

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Installation, die tief berührt: Mit Tausenden von Aleppo-Seifen, im türkisch-syrischen Grenzgebiet von Flüchtlingen während des Krieges hergestellt, baut Andraschek ein raumgreifendes Modell des berühmten Basars von Aleppo nach. Der intensive Duft von Lorbeeröl verbindet sich mit dem Mythos aus Ovids Metamorphosen, der Erzählung von Daphne, die sich vor Apollo in einen Lorbeerbaum verwandelt. Die Installation wird begleitet von Zeichnungen und Filmen, die Andrascheks jahrelange Auseinandersetzung dokumentieren – ein dichtes Gewebe aus Erinnerung, Verlust und Transformation.

Ihre künstlerische Arbeit umfasst viele Ebenen. Andraschek porträtiert Waldviertler Bäuerinnen, galvanisiert Pflanzen und verleiht ihnen eine neue Stimme, bestückt Bienenkästen mit Bildschirmen und lässt Experten zum Publikum sprechen. Sie dokumentiert Kultur- und Wildpflanzen und macht sie zu Bedeutungsträgern. Ihre Recherchen zu Agrarindustrie und Welthandel ziehen sich wie ein roter Faden durch ihr Werk. In Krems ist sie zudem für ihre Teppiche als Schablonenmalerei oder als Mosaik im öffentlichen Raum bekannt – Arbeiten, die vertraute Orte verwandeln und neu definieren.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Krems, kuratiert von Hubert Nitsch, bringt nationale und internationale Projekte zusammen und öffnet einen Blick in jene verborgenen Schichten der Wirklichkeit, die Andraschek mit leiser Intensität freilegt. Es ist ein Panorama, das die Seele von Menschen berührt und zugleich das innere Gefüge unserer globalen Welt sichtbar macht.

Seit 1960 vergibt das Land Niederösterreich die Kulturpreise für große Leistungen und Initiativen. Sie spiegeln die Vielfalt des künstlerischen Schaffens im Land wider und unterstreichen die überregionale Bedeutung der Ausgezeichneten. Parallel dazu zeigt das NÖ Dokumentationszentrum für Moderne Kunst in St. Pölten die diesjährigen Träger des Anerkennungspreises von 27. November 2025 bis 11. Januar 2026 – ein weiterer Baustein im kulturellen Gefüge Niederösterreichs.

Tags: Film, Installation, Fotografie, Kunstszene, Politische Kunst

Sommer (März – Oktober): Dienstag bis Sonntag und Montag, wenn Feiertag, von 10:00 bis 18:00 Uhr.

Winter (November – Februar): Dienstag bis Sonntag und Montag, wenn Feiertag, von 10:00 bis 17:00 Uhr. 

Schließtage: 24. Dezember, 31. Dezember und 1. Januar.