Auguste Desperet (1804–1865)  Dritter Ausbruch des Vulkans von 1789, 1833  Lithographie 26 × 33 cm  Privatsammlung, Hamburg
Auguste Desperet (1804–1865) Dritter Ausbruch des Vulkans von 1789, 1833 Lithographie 26 × 33 cm Privatsammlung, Hamburg – Mit freundlicher Genehmigung von: HamburgerKunsthalle / Hamburger Kunsthalle

Wann: 05.12.2025

KUNST UM 1800 – Eine Ausstellung über Ausstellungen

Es gibt Momente, in denen eine Institution den Mut findet, in ihr eigenes Gedächtnis einzutauchen – und genau dies geschieht jetzt in der Hamburger Kunsthalle. KUNST UM 1800 widmet sich erneut dem legendären Ausstellungszyklus, der zwischen 1974 und 1981 unter der Leitung von Werner Hofmann entstand und die Debatten über die gesellschaftliche Kraft der Kunst nachhaltig prägte. Damals wie heute steht das »Zeitalter der Revolutionen« im Mittelpunkt, doch die neue Schau betrachtet dieses Erbe aus heutiger Perspektive und öffnet den historischen Blick für zusätzliche, lange übersehene Dimensionen.

In einer hochkonzentrierten Dramaturgie werden mehr als 50 Gemälde, Bücher und grafische Arbeiten aus der eigenen Sammlung mit 70 ausgewählten Leihgaben kombiniert. Dazu treten Werke von fünf zeitgenössischen Künstlern, sodass insgesamt Arbeiten von rund 100 Positionen aus der Zeit um 1800 sichtbar werden. Die Ausstellung wird so zu einem lebendigen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen der damaligen Forschungshaltung und heutigen Fragestellungen.

François Gérard (1770–1837)  Ossian am Ufer der Lora beschwört die Geister beim Klang der Harfe, um 1810  Öl auf Leinwand 211 × 221 cm  Hamburger Kunsthalle  © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford
François Gérard (1770–1837) Ossian am Ufer der Lora beschwört die Geister beim Klang der Harfe, um 1810 Öl auf Leinwand 211 × 221 cm Hamburger Kunsthalle © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford – Mit freundlicher Genehmigung von: HamburgerKunsthalle / Hamburger Kunsthalle
Angelika Kauffmann (1741–1807)  Selbstbildnis, um 1770  Tusche laviert 19 x 16 cm  Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett  © Hamburger Kunsthalle / bpk  Foto: Christoph Irrgang
Anonym Ein Schnellverfahren des französischen Volkes, um einen Aristokraten von seinem Hab und Gut zu befreien, um 1790 Radierung, 17 × 12 cm Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang
Angelika Kauffmann (1741–1807) Selbstbildnis, um 1770 Tusche laviert 19 x 16 cm Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang • Anonym Ein Schnellverfahren des französischen Volkes, um einen Aristokraten von seinem Hab und Gut zu befreien, um 1790 Radierung, 17 × 12 cm Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang – Mit freundlicher Genehmigung von: HamburgerKunsthalle / Hamburger Kunsthalle

Wie einst findet die Präsentation im Kuppelsaal des Erweiterungsbaus von 1919 statt, einem Raum, der in den 1970er Jahren als »Denk-Raum« galt. In zehn Stationen entfaltet sich ein Panorama jener Epoche, das Themen wie Aufklärung, Gewalt, Träumen, politische Landschaft, Industrialisierung sowie Revolution und Freiheit in den Fokus rückt. Die historische Ausstellungsreihe stellte einst jene Künstler in den Mittelpunkt, die mit den Konventionen ihrer Zeit brachen: Ossian, Caspar David Friedrich, Johann Heinrich Füssli, William Blake, Johan Tobias Sergel, William Turner, Philipp Otto Runge, John Flaxman und Francisco Goya. Heute erweitert KUNST UM 1800 diese Perspektive um Aspekte, die damals nur am Rand anklingen durften: Feminismus, Künstlerinnen, jüdische Aufklärung, Sklaverei, Abolitionismus und die Haitianische Revolution.

Besonderes Gewicht erhält die Inszenierung durch die neue Ausstellungsarchitektur von Marten Schech. Seine Raumskulptur Binnacle (Round Loge with Three Corners), 2025 greift den kreisförmigen Grundriss auf und verwandelt ihn durch An-, Ein- und Umbauten in ein changierendes Ensemble zwischen Massivbau und Kulisse. Innen und Außen vermischen sich, besonders in einer künstlichen Grotte, wo die Materialität an das Ancien Régime erinnert. Der Kuppelsaal wird so zu einem Übergangsraum, einem Ort, an dem Geschichte und Gegenwart gleichermaßen atmen.

Zeitgenössische Arbeiten von Mark Dion und Sigmar Polke zur Französischen Revolution sowie von Kara Walker zur Sklaverei erweitern das Ensemble und öffnen die historische Erzählung für neue, unverzichtbare Perspektiven. Sie wirken wie präzise gesetzte Kontrapunkte, die die Wucht der historischen Arbeiten in die Gegenwart verlängern.

Zum Abschluss lässt die Ausstellung spüren, dass Kunst um 1800 immer auch ein Aufbruch ins Ungewisse war – ein Ringen um Freiheit, ein Fragen nach der Position des Menschen in einer Welt, die sich radikal veränderte. Die heutige Präsentation macht diese Spannung greifbar und zeigt, wie intensiv die Vergangenheit in unsere Gegenwart hineinwirkt. KUNST UM 1800 wird so zu einem Raum der Erinnerung und der Erneuerung, in dem die großen Umbrüche jener Epoche noch einmal aufleuchten und ihre Energie in die Gegenwart übertragen. 

Tags: 18. Jahrhundert, Französische Revolution, Malerei, Philipp Otto Runge, Caspar David Friedrich, William Blake, Johann Heinrich Füssli, Francisco Goya, Industrialisierung, Politik, Kara Walker, Mark Dion, Sigmar Polke, Kunstgeschichte, Werner Hofmann

Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 UhrDonnerstag 10 bis 21 Uhr, vor Feiertagen 10 bis 18 UhrMontag geschlossenKassenöffnungszeitenDienstag bis Sonntag 10 bis 17.30 Uhr, Donnerstag bis 20.30 Uhr