Adolf Loos (Atelier): Modell fur das Haus Rufer, 1922 58 × 49 × 50 cm, Karton, Papier, Stabsperrholz, Glas (ALBERTINA, Wien) • Thomas Demand: Podium, 2000 296 × 177,5 cm, C-print/Diasec (ALBERTINA, Wien – The ESSL Collection) Foto: Courtesy the artist and Matthew Marks Gallery / Sprüth Magers / Esther Schipper, Berlin / Taka Ishii Gallery – Mit freundlicher Genehmigung von: AlbertinaMuseum / Albertina Wien
Überraschende Gegenüberstellungen führen den Besucher durch Epochen und Temperamente. Ein Dürer tritt neben einen Kiefer, ein Rembrandt begegnet einem Uecker, während japanische Holzschnitte von Hiroshige oder Yoshitoshi dem Werk zeitgenössischer Positionen wie Angela Glajcar oder Birgit Knoechl antworten. Letztere ist mit ihrem Werk OUT OF CONTROL_REVISITED – THE AUTONOMY OF GROWTH_0IV vertreten, entstanden 1630 und heute in der Sammlung der ALBERTINA, erworben aus Mitteln der Galerienförderung des BMUKK im Jahr 2012. Die Fotografie von Thomas Gorisek hält die fragile, zugleich entschlossene Struktur dieses Werks fest – ein Sinnbild dafür, wie Papier wächst, atmet, sich verrennt und wieder sammelt.
Georg Hartmann: Sonnenuhr in Kreuzform, 1529 45,9 × 19,2 cm, Holzschnitt (ALBERTINA, Wien) • Birgit Knoechl: OUT OF CONTROL_REVISITED - THE AUTONOMY OF GROWTH_0IV, 2006-2008/2020 355 × 458 × 155 cm, Tusche auf Papier (ALBERTINA, Wien – Erwerbung aus Mitteln der Galerienförderung des BMUKK 2012 © Birgit Knoechl / Foto: Thomas Gorisek) – Mit freundlicher Genehmigung von: AlbertinaMuseum / Albertina Wien
Epochenübergreifend, mehrere Jahrhunderte vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart, vereint die Ausstellung Werke aus der Grafischen Sammlung, der Architektursammlung und der Sammlung zeitgenössischer Kunst. Diese Worte beschreiben treffend das Versprechen: eine Reise durch Stile, Schulen, Blickwechsel und Radikalitäten. Namen wie Albrecht Altdorfer, Stefano della Bella, Hans Bischoffshausen, Lucio Fontana, Anselm Kiefer, Yves Klein, Sol Lewitt, Otto Piene, Victor Vasarely, Tiziano Vecellio oder Heimo Zobernig stehen für unterschiedliche Ideale und Temperamente – doch hier sind sie durch das Papier verbunden, als würden sie an einem gemeinsamen Tisch Platz nehmen.
Süddeutscher Stecher: Spielkarten mit italienischen Farbzeichen (Spade-Ass), Spätes 15. Jahrhundert 11,9 x 6,2 cm, Kupferstich (ALBERTINA, Wien) • Tizian: Der Untergang des Pharao im Roten Meer, 1549 121 × 220 cm (zusammengesetzt aus 12 Blattern), Holzschnitt von 12 Platten (ALBERTINA, Wien) – Mit freundlicher Genehmigung von: AlbertinaMuseum / Albertina Wien
Die Auswahl liest sich wie ein alphabetischer Reigen der Papierkunst: von den alten Meistern wie Israhel van Meckenem, Meister E. S., Claude Mellan oder Rembrandt Harmensz. van Rijn über die großen japanischen Schulen von Utagawa bis Tsukioka Yoshitoshi, von experimentellen Avantgarden bis hin zu kontemporären Handschriften wie Thomas Demand, Eva Schlegel oder Ugo Rondinone. Jede Arbeit ist ein kleines Universum und zugleich Teil eines großen kosmischen Netzes.
Utagawa Fusatane, Utagawa Hiroshige, Utagawa Kuniaki II., Utagawa Kunisada I./Toyokuni III., Utagawa Kunisada II./Toyokuni IV., Toyohara Kunishika, Ochiai Yoshiiku, Tsukioka Yoshitoshi, hier: Utagawa Kunisada I./Toyokuni III.: Die Geschichte vom Prinzen Genji, hier: Prinz Genji umgeben von Frauen in einem Interieur mit Blick aufs Meer, 1850er- bis 1860er-Jahre Einzelblatt: 36 × 24,5 cm, ausgefaltet: 36 × 2572,5 cm, Farbholzschnitt, 34 Triptychen als Leporello gefaltet (ALBERTINA, Wien) – Mit freundlicher Genehmigung von: AlbertinaMuseum / Albertina Wien
Die Ausstellung ist von 11. Dezember 2025 bis 22. März 2026 zu sehen. Ein Winter- und Frühlingserlebnis, das Wien in ein leises Rascheln hüllt – das Rascheln der Geschichte, das Rascheln der Kunst, das Rascheln eines Materials, das seit Jahrhunderten den Atem der Welt in sich aufnimmt.
In einer Zeit, in der digitale Bilderstromschnellen unsere Aufmerksamkeit dominieren, erinnert diese Ausstellung daran, dass Papier immer noch die Kraft besitzt, uns zu berühren – mit einer Linie, einem Schatten, einem Schnitt. Ein Fest des Analogen, ein Triumph der Zartheit, ein Bekenntnis zur Dauer.
Niederlandischer oder deutscher Künstler: Mädchen im Fenster, Um 1590 41,2 × 28 cm, Kupferstich (ALBERTINA, Wien) • Günther Uecker: Ohne Titel, 1989 69 × 50 cm, Prägedruck (ALBERTINA, Wien) – Mit freundlicher Genehmigung von: AlbertinaMuseum / Albertina Wien