ChatGPT:  Ausstellungsansicht „Franz West – Die frühen Werke“ in der Galerie Eva Presenhuber, Maag Areal, Zürich
ChatGPT: Ausstellungsansicht „Franz West – Die frühen Werke“ in der Galerie Eva Presenhuber, Maag Areal, Zürich – Mit freundlicher Genehmigung von: presenhuber / Galerie Eva Presenhuber

Wann: 13.06.2025 - 12.12.2025

FRANZ WEST: DIE FRÜHEN WERKE / EARLY WORKS ist eine jener Ausstellungen, die man in Zürich nicht übersehen darf. Bis 12. Dezember 2025 verwandelt die Galerie Eva Presenhuber im Maag Areal ihre Räume in ein präzise komponiertes Erinnerungs- und Erkenntnistheater, das den frühen Geist eines der bedeutendsten Künstler Österreichs erneut aufleuchten lässt. Gezeigt werden Skulpturen und Objekte aus den Jahren 1973 bis 1992, viele davon aus privaten Sammlungen, insbesondere jener seines langjährigen Mentors Peter Pakesch sowie der Galerie selbst. Begleitet wird die Ausstellung von einer neuen Publikation, Fotografien von Friedl Kubelka und Filmvorführungen von Andreas Reiter Raabe und Bernhard Riff. Es ist die zwölfte Ausstellung, die aus der jahrzehntelangen Zusammenarbeit zwischen West und Eva Presenhuber hervorgeht.

In einer Kunstwelt, die sich beinahe süchtig nach Neuem verzehrt, erinnert diese Präsentation daran, wie schnell selbst große Künstler nach ihrem Tod aus dem kollektiven Blick gleiten. Franz West, der 2011 den Goldenen Löwen der Biennale von Venedig erhielt, erlebte genau dieses Paradox: internationale Anerkennung zu Lebzeiten, gefolgt von einer Phase des leisen Verschwindens. Erst 2015, im Museum Brandhorst, eröffnete der Dialog zwischen ihm und Cy Twombly vielen erneut die Augen für die radikale Eigenständigkeit seines Werks. Sein Einfluss war bedeutend, gerade weil er – wie es heißt – aus „innerer Defensivität“ nie dem Modischen oder Konventionellen nachgab. Und obwohl seine Kunst international gefeiert wurde, blieb oft unbemerkt, wie weit er seiner Zeit voraus war. Ernst Blochs Gedanke vom „unfulfilled surplus“ der Vergangenheit scheint wie eine präzise Formulierung des geistigen Überschusses, der Wests Werk trägt.

Ohne Titel  Approx. 1984  Dispersion, plaster on iron   (c) Archiv Franz West (c) Estate Franz West
Installation view, Franz West, Die frühen Werke / Early Works, Galerie Eva Presenhuber, Maag Areal, Zurich, 2025
Ohne Titel Approx. 1984 Dispersion, plaster on iron (c) Archiv Franz West (c) Estate Franz West • Installation view, Franz West, Die frühen Werke / Early Works, Galerie Eva Presenhuber, Maag Areal, Zurich, 2025 – Mit freundlicher Genehmigung von: presenhuber / Galerie Eva Presenhuber

Es ist faszinierend, wie Wests Oeuvre nicht aus Ablehnung oder Rebellion entstand, sondern aus einem tiefen, existenziellen Nonkonformismus. Er hielt die Trennung zwischen Kunst und Alltag für sinnlos und begann 1986 jene legendären Sitzmöbel zu schaffen, die Besucher dazu aufforderten, nicht nur zu sehen, sondern zu sitzen, zu fühlen, zu erfahren. Die physischen Berührungen sollten die Distanz zwischen Betrachter und Kunstwerk brechen. Seine Möbel waren spontane Setzungen, weit entfernt von Beuys’ ikonischem Fat Chair, und doch eine sanfte Durchdringung des Alltäglichen mit dem Künstlerischen.

West verstand sich nicht als Genie, sondern als jemand, der Kooperation suchte, wenn er sie brauchte. Aus seiner „Schüchternheit vor Farbe“ heraus bat er Maler wie Herbert Brandl, Heimo Zobernig und Albert Oehlen um Unterstützung, bevor er sich schließlich selbst „in den Farben“ zurechtfand. Diese Offenheit zeigt ihn als Einzelgänger, der dennoch wusste, dass Vollendung manchmal ein gemeinsames Werk ist.

Philosophisch blieb West stets ein Eigenbrötler im besten Sinn. Er las Wittgenstein, Freud, Lacan, Heidegger, Hegel und Nietzsche – nicht systematisch, sondern intuitiv, als würde er die Gedanken formen wie seine Skulpturen. Besonders vertraut war ihm Nietzsches Satz: „Wenn eine Illusion dir im Leben hilft, dann ist sie Wirklichkeit.“ Ebenso nah war ihm David Humes Vorstellung, dass „es keine Kausalität gibt, sondern nur eine Serie von Zufällen“, und Wittgensteins Feststellung, dass „alles, was wir sehen, auch anders sein könnte“. Sein „Sinn für Möglichkeit“, sagt Robert Musil, war ausgeprägter als der „Sinn für Realität“.

Auch seine berühmten „Passstücke“ entstanden aus dieser Haltung. West sammelte Abfall, Fundstücke, Flaschen – nicht um sie zu musealisieren, sondern um sie zu Rohmaterial zu machen. Unter Gips verborgen, wurden sie zu fragilen Gebilden, die man greifen, benutzen, bewegen sollte. Sie beeinflussen Körperhaltung und Gestik wie eine Art poetische Zwangsjacke. West materialisierte Neurosen, wie er sagte: „Der Mensch ist ein prosthetischer Gott.“ Wenn man Neurosen sehen könnte, sähen sie so aus.

Die kunsthistorische Bedeutung Wests lässt sich an seinen Stationen ablesen: von Harald Szeemanns legendärer Ausstellung 1985 in Zürich über Skulptur Projekte Münster 1987 bis zu Biennalen und Documenta-Teilnahmen. Peter Pakesch spielte dabei eine zentrale Rolle, indem er West ab 1977 unterstützte und ab 1985 eine enge Zusammenarbeit mit ihm entwickelte, die seine internationale Positionierung erst möglich machte.

Installation view, Franz West, Die frühen Werke / Early Works, Galerie Eva Presenhuber, Maag Areal, Zurich, 2025
Installation view, Franz West, Die frühen Werke / Early Works, Galerie Eva Presenhuber, Maag Areal, Zurich, 2025
Installation view, Franz West, Die frühen Werke / Early Works, Galerie Eva Presenhuber, Maag Areal, Zurich, 2025 • Installation view, Franz West, Die frühen Werke / Early Works, Galerie Eva Presenhuber, Maag Areal, Zurich, 2025 – Mit freundlicher Genehmigung von: presenhuber / Galerie Eva Presenhuber

Die Verbindung zu Eva Presenhuber begann 1995 in der Galerie Walcheturm und setzte sich über Hauser & Wirth & Presenhuber bis zu den Ausstellungen in der eigenen Galerie fort. Jede dieser Stationen markiert einen Moment der künstlerischen Reife, des Experiments, des Wachstums.

Mit Die frühen Werke / Early Works lädt Zürich dazu ein, Franz Wests Weg neu zu sehen: als eine Reise zwischen Philosophie und Material, zwischen Alltag und Kunst, zwischen Einsamkeit und Kollaboration. Eine Reise, die – trotz ihres historischen Rahmens – erstaunlich zeitgemäß bleibt.

Tags: Skulpturen, Franz West, Film, Objekte, Fotografie

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