Es ist faszinierend, wie Wests Oeuvre nicht aus Ablehnung oder Rebellion entstand, sondern aus einem tiefen, existenziellen Nonkonformismus. Er hielt die Trennung zwischen Kunst und Alltag für sinnlos und begann 1986 jene legendären Sitzmöbel zu schaffen, die Besucher dazu aufforderten, nicht nur zu sehen, sondern zu sitzen, zu fühlen, zu erfahren. Die physischen Berührungen sollten die Distanz zwischen Betrachter und Kunstwerk brechen. Seine Möbel waren spontane Setzungen, weit entfernt von Beuys’ ikonischem Fat Chair, und doch eine sanfte Durchdringung des Alltäglichen mit dem Künstlerischen.
West verstand sich nicht als Genie, sondern als jemand, der Kooperation suchte, wenn er sie brauchte. Aus seiner „Schüchternheit vor Farbe“ heraus bat er Maler wie Herbert Brandl, Heimo Zobernig und Albert Oehlen um Unterstützung, bevor er sich schließlich selbst „in den Farben“ zurechtfand. Diese Offenheit zeigt ihn als Einzelgänger, der dennoch wusste, dass Vollendung manchmal ein gemeinsames Werk ist.
Philosophisch blieb West stets ein Eigenbrötler im besten Sinn. Er las Wittgenstein, Freud, Lacan, Heidegger, Hegel und Nietzsche – nicht systematisch, sondern intuitiv, als würde er die Gedanken formen wie seine Skulpturen. Besonders vertraut war ihm Nietzsches Satz: „Wenn eine Illusion dir im Leben hilft, dann ist sie Wirklichkeit.“ Ebenso nah war ihm David Humes Vorstellung, dass „es keine Kausalität gibt, sondern nur eine Serie von Zufällen“, und Wittgensteins Feststellung, dass „alles, was wir sehen, auch anders sein könnte“. Sein „Sinn für Möglichkeit“, sagt Robert Musil, war ausgeprägter als der „Sinn für Realität“.
Auch seine berühmten „Passstücke“ entstanden aus dieser Haltung. West sammelte Abfall, Fundstücke, Flaschen – nicht um sie zu musealisieren, sondern um sie zu Rohmaterial zu machen. Unter Gips verborgen, wurden sie zu fragilen Gebilden, die man greifen, benutzen, bewegen sollte. Sie beeinflussen Körperhaltung und Gestik wie eine Art poetische Zwangsjacke. West materialisierte Neurosen, wie er sagte: „Der Mensch ist ein prosthetischer Gott.“ Wenn man Neurosen sehen könnte, sähen sie so aus.
Die kunsthistorische Bedeutung Wests lässt sich an seinen Stationen ablesen: von Harald Szeemanns legendärer Ausstellung 1985 in Zürich über Skulptur Projekte Münster 1987 bis zu Biennalen und Documenta-Teilnahmen. Peter Pakesch spielte dabei eine zentrale Rolle, indem er West ab 1977 unterstützte und ab 1985 eine enge Zusammenarbeit mit ihm entwickelte, die seine internationale Positionierung erst möglich machte.