Sue Williams, Union, 1992  © Sue Williams. Courtesy the artist and Galerie Eva Presenhuber, Zürich / Vienna.
Sue Williams, Union, 1992 © Sue Williams. Courtesy the artist and Galerie Eva Presenhuber, Zürich / Vienna. – Mit freundlicher Genehmigung von: belvedere / Belvedere 21

Wann: 20.02.2026 - 07.06.2026

Sue Williams: Biografie, Kontext und künstlerische Einordnung

Sue Williams, 1954 in Chicago Heights, Illinois, geboren, zählt zu den prägnantesten Stimmen der US-amerikanischen Gegenwartsmalerei. Die Künstlerin wuchs in einem Umfeld auf, das von Arbeiterkultur und sozialen Spannungen geprägt war; ihre Eltern unterstützten früh ihr zeichnerisches Talent. Nach ersten Studienjahren entwickelt Williams ein starkes Bewusstsein für gesellschaftliche Ungleichheiten, das später zum zentralen Motor ihres Werks wird.

 Sue Williams, Ministry of Hate, 2013  Privatsammlung, New York
 Porträt Sue Williams  Courtesy 303 Gallery, New York. Foto: Lina Bertucci
Sue Williams, Ministry of Hate, 2013 Privatsammlung, New York • Porträt Sue Williams Courtesy 303 Gallery, New York. Foto: Lina Bertucci – Mit freundlicher Genehmigung von: belvedere / Belvedere 21

Ausbildung erhält sie am renommierten California Institute of the Arts (CalArts) in Valencia sowie an der Cooper Union in New York, wo sie mit feministischen Theorien, Performancekunst und experimentellen Formen der Malerei in Berührung kommt. Diese Phase prägt ihre Sensibilität für Machtstrukturen, Körperpolitiken und die Darstellung weiblicher Erfahrung im Kunstbetrieb.

Seit den späten 1980er-Jahren verfolgt Williams einen Weg, der sie zu einer der schärfsten Kritikerinnen patriarchaler Bildtraditionen macht. Ihre frühen Arbeiten wirken radikal, oft roh und von comicartigen Schwarzweiß-Kontrasten getragen. Gewalt gegen Frauen, Misogynie und sexualisierte Dominanz werden als direkte, schonungslos offene Bildsprache sichtbar. In den 1990er-Jahren wendet sie sich einer gestisch-abstrakten Malerei zu, die scheinbar ornamentale All-over-Strukturen entwickelt. Doch unter der vibrierenden Farbigkeit bleiben Körper, Verletzbarkeit und Machtverhältnisse erkennbar. Williams spielt virtuos mit Nähe und Distanz: Was zunächst abstrakt wirkt, offenbart sich im Detail als menschliche Fragilität oder als ironische Brechung männlicher Heroisierungen.

 Sue Williams, Humanitarian Intervention, 2006  © Sue Williams. Courtesy the artist and Galerie Eva Presenhuber, Zürich / Vienna.
 Sue Williams, Hand and Duck Woman, 1996  © Sue Williams. Courtesy 303 Gallery, New York.
Sue Williams, Humanitarian Intervention, 2006 © Sue Williams. Courtesy the artist and Galerie Eva Presenhuber, Zürich / Vienna. • Sue Williams, Hand and Duck Woman, 1996 © Sue Williams. Courtesy 303 Gallery, New York. – Mit freundlicher Genehmigung von: belvedere / Belvedere 21

Musik und Architektur wirken unterschwellig als strukturelle Inspirationsquellen: Rhythmus, Fragmentierung und räumliche Verdichtungen prägen ihre Kompositionen. Zwar steht Williams nicht für einen architektonischen Stil im engeren Sinn, doch ihre Bildräume erinnern an dynamische, verschachtelte Konstruktionen mit Elementen postmoderner Formauflösungen.

In den 2000er-Jahren entstehen neonfarbene Liniengeflechte, die phallische Formen parodieren und damit die männlich kodierte Tradition des abstrakten Expressionismus humorvoll unterlaufen. Die Werke der 2010er-Jahre steigern diese Dynamik zu farbintensiven Explosionen, die gesellschaftspolitische Krisen – Krieg, Terror, Manipulation – reflektieren. Williams gehört keiner klassischen Epoche an; ihr Werk verankert sich im feministischen Diskurs, im Postmodernismus und in einer kritisch-politischen Abstraktion, die Figuration und Gestik miteinander verschränkt.

  Sue Williams, Red and Purple Deal, 2001  Privatsammlung
 Sue Williams, Your Bland Essence, 1992  Privatsammlung
Sue Williams, Red and Purple Deal, 2001 Privatsammlung • Sue Williams, Your Bland Essence, 1992 Privatsammlung – Mit freundlicher Genehmigung von: belvedere / Belvedere 21

Kritiker würdigen ihre Fähigkeit, das Persönliche mit dem Politischen zu verbinden und zugleich die Kunstgeschichte selbst herauszufordern. Ihre Bücher, Kataloge und frühe Skizzen dokumentieren einen Prozess, in dem Wut, Humor und Intellekt eine ungewöhnlich klare künstlerische Sprache finden. Ein bezeichnendes Zitat der Künstlerin lautet: „Painting is where I fight back.“

Heute lebt und arbeitet Sue Williams in Brooklyn, New York. Ihr Œuvre gilt als kraftvolles Résumé einer Künstlerin, die Verletzlichkeit und Widerstand, Körper und Politik, Abstraktion und Narration zu einer unverwechselbaren Bildwelt vereint.

Tags: Sue Williams, Malerei, Postmodernismus, Abstraktion, Politische Kunst

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