Egon Schiele Museum mit Denkmal (c) NÖ Museum Betriebs GmbH, Daniela Holzer
Egon Schiele Museum mit Denkmal (c) NÖ Museum Betriebs GmbH, Daniela Holzer – Mit freundlicher Genehmigung von: egonschielemuseum / Egon Schiele Museum

Wann: 28.03.2026 - 01.11.2026

Egon Schiele Museum 2026: Eine Rivalität, die den Expressionismus prägte

In Tulln kündigt sich für 2026 eine Ausstellung an, die wie ein elektrischer Strom durch die Kunstgeschichte läuft. Unter dem Titel „Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Rivalen“ öffnet das Egon Schiele Museum vom 28. März bis 1. November 2026 ein Kapitel, das bis heute als eines der intensivsten Duelle der Moderne gilt. Die beiden Protagonisten stehen sich hier nicht nur mit Pinseln, sondern mit Visionen gegenüber – zwei junge Wilde, die den österreichischen Expressionismus aus der Taufe hoben und dabei um nichts weniger rangen als um Ruhm, Einfluss und die Deutungshoheit einer neuen Epoche.

Die Ausstellung folgt den frühen Spuren dieser Rivalität, zeigt ihre Netzwerke, ihre Motivationen, ihre Triumphe. Ein dramatischer Höhepunkt entfaltet sich im Jahr 1918, als sich beide – inzwischen gefeiert und etabliert – als legitime Nachfolger Gustav Klimts sahen. Doch das Schicksal setzte einen jähen Kontrapunkt: Schiele starb mit nur 28 Jahren, während Kokoschka weiterlebte und ein Werk schuf, das über sechs Jahrzehnte hinweg vom Schatten seines Konkurrenten begleitet wurde.

Kurator Christian Bauer bringt diese Spannung auf den Punkt. „Oskar Kokoschka und Egon Schiele waren nicht nur Künstler, sondern Netzwerker, die ihren Platz in der Kunstwelt erkämpfen mussten. Ihre Rivalität eröffnete ein Kapitel der Moderne, das bis heute eines der spannendsten Duelle der Kunstgeschichte bleibt“, erklärt er. Man spürt in jedem Wort, wie tief die historische Energie dieser Beziehung in die Gegenwart wirkt.

Begleitend erscheint im April 2026 die Publikation „Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Netzwerker und Rivalen“, herausgegeben von Christian Bauer und Bernadette Reinhold. Die Kooperation zwischen dem Egon Schiele Museum Tulln und dem Kokoschka Museum Pöchlarn formt dabei einen kulturellen Dialog, der beide Künstler in ihrer Vielschichtigkeit erfahrbar macht.

Doch die Ausstellung geht weiter, dorthin, wo die Oberfläche der Biografie durchbrochen wird. Das Museum führt 2026 sein Projekt „Egon Schiele privat“ fort und öffnet Räume, in denen Intimität und Erinnerung miteinander verschmelzen. In fünf audiovisuellen Stationen hören Besucher die Originalstimmen von Schieles Schwestern Melanie und Gerti sowie seiner Schwägerin Adele Harms. Diese Stimmen wirken wie fragile Echos aus einer Zeit, in der die Moderne noch in den Händen weniger Visionäre lag.

Mit dem VR-Projekt „Egon Schiele. Eine persönliche Begegnung“, entwickelt von Gerda Leopold und Sebastian Endler als Amilux Film, wagt das Museum einen Schritt in eine neue Dimension der Kunstvermittlung. Die Besucher treten in einen virtuellen Dialog mit Schiele – am Sterbebett des Jahrhundertkünstlers. Es ist eine Szene, die die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart verwischt und den Betrachter in einen beinahe intimen Austausch führt.

Im Obergeschoss öffnet der Forscher*gang einen weiteren Blickwinkel. Hier werden Interviews aus dem Jahr 2022 gezeigt, in denen die 2024 verstorbene Sammlerin Elisabeth Leopold über ihre Begegnungen mit Zeitzeug:innen wie Adele Harms und Melanie Schiele spricht. Diese Gespräche bilden eine leise, aber eindringliche Gegenstimme zur lauten Dynamik der Rivalität – ein Erinnerungsraum, der das persönliche Erbe Schieles bewahrt.

2026 wird das Egon Schiele Museum Tulln zu einem Ort, an dem sich Geschichte neu entzündet. Die Rivalität zwischen Schiele und Kokoschka wird nicht nur rekonstruiert, sondern spürbar. Man verlässt die Ausstellung mit dem Gefühl, zwei Künstler getroffen zu haben, die bis heute um die Deutung ihrer Zeit ringen. Ein Wettlauf um Ruhm, der nie wirklich endete.

Tags: Expressionismus, Oskar Kokoschka, Egon Schiele, Malerei, Kunstmarkt
VR-Experience „Egon Schiele. Eine persönliche Begegnung“ (c) Amilux Film
VR-Experience „Egon Schiele. Eine persönliche Begegnung“ (c) Amilux Film – Mit freundlicher Genehmigung von: egonschielemuseum / Wer: Egon Schiele Museum

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