Spilimbergo, 1994 © Guido Guidi
Spilimbergo, 1994 © Guido Guidi – Mit freundlicher Genehmigung von: civicimuseiudine.it / Civici Musei Udine

Wann: 13.12.2025 - 06.04.2026

Guido Guidi. Qui intorno. Fotografische Projekte für Friaul-Julisch Venetien, 1985–2014 ist eine Ausstellung, die weniger erklärt als vielmehr einlädt: zum langsamen Sehen, zum Wiedersehen mit Orten, die man zu kennen glaubt, und zum Zweifel an dieser Gewissheit. Vom 13. Dezember 2025 bis 6. April 2026 zeigen die Civici Musei di Udine im Castello, Räume 11–13 der Galleria d’Arte Antica, eine präzise komponierte Reise durch drei Jahrzehnte fotografischer Arbeit eines der bedeutendsten europäischen Fotografen der Gegenwart.

Die Ausstellung, organisiert von den Civici Musei di Udine und dem Centro di Ricerca e Archiviazione della Fotografia – CRAF, und kuratiert von Silvia Bianco, Antonello Frongia und Andrea Pertoldeo, steht in engem Dialog mit der großen Retrospektive „Guido Guidi. Col tempo, 1956–2024“, die parallel in der Casa Cavazzini zu sehen ist. Während dort das gesamte Werk in den Blick rückt, konzentriert sich Qui intorno auf Friaul-Julisch Venetien als langjährigen Resonanzraum von Guidis fotografischer Forschung.

Die gezeigten 140 Fotografien entstanden zwischen 1985 und 2014 im Auftrag von Institutionen wie CRAF, ATER, der Universität Triest oder ACMA. Sie führen nach Triest, Spilimbergo, Venzone, Lestans, Gorizia, San Vito al Tagliamento, Lignano Sabbiadoro und nach Udine selbst. Es ist kein Panorama, keine Reportage, sondern eine stille Kartografie der Aufmerksamkeit, die sich aus vielen Wegen zusammensetzt.

Seit den 1960er Jahren versteht Guido Guidi seine Arbeit als Reflexion über das Sehen, über die Zeit und über die Fotografie selbst. Immer wieder betont er, dass diese Meditation durch die Erforschung „gewöhnlicher“ Orte geführt wird, in den „Zwischenräumen“, die sich zwischen Dingen, Zeichen und Bildern der alltäglichen Landschaft öffnen, in den unsicheren „Rändern“, die trennen und zugleich verbinden. Guidi sucht Blickpunkte, die physisch und mental „fehl am Platz“ liegen, und genau darin entfaltet sich die Kraft seiner Bilder.

Über sechs Jahrzehnte hinweg hat er so eine einzigartige Ikonographie der modernen Landschaft geschaffen: als Palimpsest von Spuren und Geschichten, als Sedimentation von Projekten, als fragile Überlagerung von Hoch- und Alltagskultur. Die Landschaft erscheint bei Guidi nicht als Kulisse, sondern als aktives, rätselhaftes Gegenüber, das den Blick erwidert und die eigene Wahrnehmung infrage stellt.

Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Archivio Guidi in Cesena und ist Teil des von Andrea Pertoldeo kuratierten CRAF-Programms für zeitgenössische Fotografie 2025, realisiert mit Unterstützung der Autonomen Region Friaul-Julisch Venetien. Getragen wird das Projekt von einem breiten institutionellen Netzwerk, das die Bedeutung dieser Arbeit für die kulturelle Identität der Region unterstreicht.

Begleitet wird die Ausstellung von der Publikation „In Friuli Venezia Giulia“, erhältlich in den Buchhandlungen der Civici Musei di Udine. Das Buch ist mehr als ein Katalog: Es ist eine neue, konzentrierte Lesart jener Fotografien, die hier ihren Ursprung haben.

Guido Guidi, 1941 in Cesena geboren, studierte nach dem Abschluss am Kunstgymnasium in Ravenna bei Italo Zannier in Venedig und ist seit 1969 kontinuierlich in der fotografischen Forschung tätig. Als langjähriger Lehrer an der Accademia di Belle Arti in Ravenna und an der Universität Iuav in Venedig hat er Generationen von Fotografen geprägt. Seine Werke befinden sich heute in den wichtigsten internationalen Museums- und Sammlungskontexten, von Paris über Winterthur bis San Francisco. Vertreten wird er von den Galerien Viasaterna in Mailand und Large Glass in London.

Qui intorno ist keine Rückschau im klassischen Sinn. Es ist eine Einladung, die Landschaft Friaul-Julisch Venetiens neu zu lesen – langsam, aufmerksam und ohne die Illusion, sie jemals endgültig zu verstehen.

 

Tags: Guido Guidi, Fotografie, Farbfotografie, Zeitgenössische Kunst

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