Galerie W&K zeigt Arnulf Rainer Kreuz-Arbeiten in konzentrierter, ruhiger Ausstellungsansicht Wien
Galerie W&K zeigt Arnulf Rainer Kreuz-Arbeiten in konzentrierter, ruhiger Ausstellungsansicht Wien – Mit freundlicher Genehmigung von: austrianfineart / WIENERROITHER & KOHLBACHER

Wann: 17.12.2025 - 30.01.2026

W&K – Wienerroither & Kohlbacher: Arnulf Rainer. Das Kreuz als radikale Form

Wien zieht sich zurück in die Klarheit der kalten Jahreszeit, in jene Zeit des Innehaltens, in der Formen schärfer, Gesten entschiedener und Bilder unerbittlicher wirken. In dieser Atmosphäre der Konzentration zeigt sich bei W&K – Wienerroither & Kohlbacher eine Werkgruppe von Arnulf Rainer, die zu den radikalsten und zugleich intimsten Positionen seines Œuvres gehört. Das Kreuz, auf seine elementare Struktur reduziert, erscheint hier weder als Zeichen noch als Chiffre, sondern als Konfrontation – als Ausgangspunkt eines kompromisslosen malerischen Prozesses, in dem Form, Materie und Grenze immer wieder neu verhandelt werden.

Arnulf Rainer Kreuzübermalung, 1987 Mischtechnik, Ölkreide, Öl auf Foto auf Wabenkernplatte, 150 × 80 cm
Arnulf Rainer o. T., 1984 Öl und Mischtechnik auf Papier auf Holz, 150 x 80 cm
Arnulf Rainer Kreuzübermalung, 1987 Mischtechnik, Ölkreide, Öl auf Foto auf Wabenkernplatte, 150 × 80 cm • Arnulf Rainer o. T., 1984 Öl und Mischtechnik auf Papier auf Holz, 150 x 80 cm – Mit freundlicher Genehmigung von: austrianfineart / WIENERROITHER & KOHLBACHER

Seit den 1950er-Jahren begleitet das Kreuz Rainers künstlerisches Denken wie ein hartnäckiger Gedanke, der sich jeder eindeutigen Lesart entzieht. Als einer der bedeutendsten Vertreter der informellen Malerei und der Übermalung nutzt Rainer diese radikale Form nicht zur Affirmation, sondern zur Infragestellung. Das Kreuz dient ihm als Gerüst, als Spannungsfeld, an dem sich der gestische Farbauftrag, das Verdecken und Auslöschen, das Aufbrechen und Verdichten entzünden. Es ist weniger Bildmotiv als Prüfstein der Malerei selbst.

Gerade vor dem Hintergrund immer wiederkehrender medialer Zuschreibungen erhalten Rainers eigene Worte besonderes Gewicht. Bereits 1980 formulierte er unmissverständlich:
„[...] diese Bildwerke erheben nicht den Anspruch, eine spezifische Bildnerei für sakrale Räume zu sein. Sie stammen aus eher persönlichen Wurzeln. [...] ich möchte religiöse Auslegungen meiner Arbeit unterlaufen.“
Diese Haltung prägt auch die hier gezeigten Arbeiten. Das Kreuz wird von jeder ikonografischen Vereinnahmung befreit und als offene, verletzliche Struktur verstanden, an der sich existenzielle Erfahrung, körperlicher Einsatz und malerische Grenzerfahrung verdichten.

Arnulf Rainer Kreuz, 1993-95 Öl auf Holz mit Applikation, 133,5 x 65,5 cm
Arnulf Rainer Kreuzübermalung Christus, 1980 Öl auf Papier auf Holz, 124 x 80 cm
Arnulf Rainer Kreuz, 1993-95 Öl auf Holz mit Applikation, 133,5 x 65,5 cm • Arnulf Rainer Kreuzübermalung Christus, 1980 Öl auf Papier auf Holz, 124 x 80 cm – Mit freundlicher Genehmigung von: austrianfineart / WIENERROITHER & KOHLBACHER

Die Galerie präsentiert derzeit vier ausgewählte Kreuz-Arbeiten, entstanden zwischen 1980 und 1995. In ihrer Gegenüberstellung offenbaren sie die ganze Bandbreite von Rainers Herangehensweise: die Schichtung und Verdichtung des Farbmaterials, das oszillierende Verhältnis zwischen strenger Konstruktion und beinahe vollständiger Auflösung der Form, die Spannung zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. Jedes Werk ist Zeugnis eines prozesshaften Arbeitens, das weniger auf Ergebnis als auf Intensität zielt.

Die Arbeiten sind noch bis Freitag, den 30. Januar 2026, in der Galerie zu sehen. Sie laden dazu ein, innezuhalten und sich auf eine Malerei einzulassen, die keine Antworten gibt, sondern Fragen stellt – radikal, kompromisslos und von einer eindringlichen stillen Kraft, die gerade im winterlichen Wien ihre volle Wirkung entfaltet.

Tags: Arnulf Rainer, Malerei, Zeitgenössische Kunst, österreichischer Kunst, 80 Jahre, 90. Jahre, Christus, Religion

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