Lee Miller, Nusch Éluard seduta su un’auto. Golfe Juan, Francia, 1937 © Lee Miller Archives, England 2025. All rights reserved. leemiller.co_.uk
Lee Miller, Nusch Éluard seduta su un’auto. Golfe Juan, Francia, 1937 © Lee Miller Archives, England 2025. All rights reserved. leemiller.co_.uk – Mit freundlicher Genehmigung von: camera.to / CAMERA Turin – Italienisches Zentrum für Fotografie

Wann: 01.10.2025 - 01.02.2026

CAMERA – Centro Italiano per la Fotografia in Turin widmet einer der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten der Fotografie des 20. Jahrhunderts eine große Ausstellung: Lee Miller. Kuratiert von Walter Guadagnini, dem künstlerischen Leiter von CAMERA, ist die Schau vom 1. Oktober 2025 bis 1. Februar 2026 zu sehen und präsentiert über 160 Fotografien aus den Lee Miller Archives, von denen viele bislang kaum öffentlich gezeigt wurden. Die Ausstellung eröffnet zugleich die Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen von CAMERA, das diesen Meilenstein mit einem einjährigen, breit gefächerten Programm zur Welt der Fotografie begeht.

Lee Miller, Ritratto dello spazio. Al Bulwayeb, vicino a Siwa, Egitto, 1937 © Lee Miller Archives, England 2025. All rights reserved. leemiller.co_.uk
Lee Miller, Miss Lee Miller (Acconciatura di Dimitry). Lee Miller Studios, Inc., New York, USA, 1932 © Lee Miller Archives, England 2025. All rights reserved. leemiller.co_.uk
Lee Miller, Ritratto dello spazio. Al Bulwayeb, vicino a Siwa, Egitto, 1937 © Lee Miller Archives, England 2025. All rights reserved. leemiller.co_.uk • Lee Miller, Miss Lee Miller (Acconciatura di Dimitry). Lee Miller Studios, Inc., New York, USA, 1932 © Lee Miller Archives, England 2025. All rights reserved. leemiller.co_.uk – Mit freundlicher Genehmigung von: camera.to / CAMERA Turin – Italienisches Zentrum für Fotografie

Die Ausstellung entfaltet ein ebenso öffentliches wie intimes Porträt einer Künstlerin, deren Leben und Werk sich zwischen den 1930er- und 1950er-Jahren über mehrere Kontinente spannte. Lee Miller, 1907 in Poughkeepsie im Bundesstaat New York geboren, bildet mit ihrem Werk eine Brücke zwischen den Vereinigten Staaten, Europa und Afrika. Nach ihrer Übersiedlung nach Paris Ende der 1920er-Jahre begann dort ihre eigentliche fotografische Laufbahn, als sie Man Ray davon überzeugte, sie in seinem Atelier aufzunehmen. Ihre Begegnung schilderte sie später selbst mit den Worten: „Good morning, my name is Lee Miller and I am your new assistant“, worauf Man Ray entgegnete, er habe keine Assistentin, und sie antwortete: „Well, you do from now on!“.

Lee Miller, Irmgard Seefried, cantante d'opera, mentre canta un'aria di Madama Butterfly, Opera House, Vienna, Austria, 1945 © Lee Miller Archives, England 2025. All rights reserved. leemiller.co_.uk
Lee Miller, Irmgard Seefried, cantante d'opera, mentre canta un'aria di Madama Butterfly, Opera House, Vienna, Austria, 1945 © Lee Miller Archives, England 2025. All rights reserved. leemiller.co_.uk – Mit freundlicher Genehmigung von: camera.to / CAMERA Turin – Italienisches Zentrum für Fotografie

Aus dieser Zusammenarbeit heraus entwickelte sich eine der produktivsten Phasen der surrealistischen Fotografie. Lee Miller wurde Teil des Kreises um Pablo Picasso, Max Ernst und Paul Éluard, war befreundet mit Künstlerinnen wie Eileen Agar, Leonora Carrington und Dorothea Tanning und schuf Schlüsselwerke wie Impasse des Deux Anges, Exploding Hand oder Coiffure. Gemeinsam mit Man Ray trug sie zur Entwicklung der Solarisation bei, einer Technik, die sie konsequent einsetzten und weiterentwickelten.

Mitte der 1930er-Jahre führte ihr Weg nach Ägypten, wohin sie ihrem Ehemann Aziz Eloui Bey folgte. Dort entstanden rätselhafte Landschaftsbilder, darunter das ikonische Portrait of Space, das vielfach als Inspirationsquelle für René Magritte gelesen wurde. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kehrte sie nach Europa zurück und ließ sich schließlich in England nieder.

Als Mitarbeiterin von Vogue verband Lee Miller Modefotografie mit Zeitgeschichte. Während des Londoner Blitzes entstanden Bilder, die Eleganz und Alltag in einer zerstörten Stadt miteinander verschränkten. Ab 1943 begleitete sie als Fotojournalistin die alliierten Truppen durch Europa. Ihre Aufnahmen aus Saint-Malo, aus den befreiten Konzentrationslagern und aus dem zusammenbrechenden nationalsozialistischen Deutschland gehören zu den eindringlichsten Bildzeugnisse des Kriegsendes. Diese Fotografien wurden ebenso wie ihre Texte in Vogue veröffentlicht und offenbaren Lee Miller auch als präzise und eindrucksvolle Autorin.

Nach dem Krieg zog sie sich gemeinsam mit Roland Penrose, ihrem zweiten Ehemann, in die englische Landschaft von Sussex zurück. Dort empfing sie Freunde wie Max Ernst, Saul Steinberg, Alfred H. Barr Jr., Renato Guttuso oder den jungen Richard Hamilton. Ihre spätere Abkehr von der Fotografie mindert nicht die Kraft dieser letzten Bilder, in denen sich weiterhin ihr subversiver, ironischer Blick erkennen lässt.

Lee Miller, Maschere antincendio. Downshire Hill, Londra, Inghilterra, 1941 © Lee Miller Archives, England 2025. All rights reserved. leemiller.co_.uk
Lee Miller, Maschere antincendio. Downshire Hill, Londra, Inghilterra, 1941 © Lee Miller Archives, England 2025. All rights reserved. leemiller.co_.uk – Mit freundlicher Genehmigung von: camera.to / CAMERA Turin – Italienisches Zentrum für Fotografie

Die Ausstellung folgt einer chronologischen Dramaturgie und macht Lee Millers unermüdliche Neugier und ihren ständigen Wunsch nach Veränderung sichtbar. Ergänzt wird die Präsentation durch Reproduktionen von Magazinseiten, auf denen ihre Fotografien und Texte erschienen, sowie durch einen Katalog aus dem Verlag Dario Cimorelli Editore und ein breit angelegtes Vermittlungsprogramm.

Mit dieser Ausstellung würdigt CAMERA nicht nur eine der großen Fotografenpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, sondern setzt zugleich einen programmatischen Auftakt für sein Jubiläumsjahr, das die Fotografie in all ihren historischen, künstlerischen und gesellschaftlichen Dimensionen feiert.

Tags: Lee Miller, Fotografie, Schwarzweißfotografie‎, Surrealismus, Vogue, Designermode

Die regulären Öffnungszeiten von CAMERA sind Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 11:00 bis 19:00 Uhr. Am Donnerstag ist das italienische Zentrum für Fotografie von 11:00 bis 21:00 Uhr geöffnet.