Wenn Joseph Beuys von Wärme spricht, meint er nie nur Temperatur. Er meint Beziehung, Bewegung, Transformation. „Wherever alienation has settled between people – one could almost call it a sculpture of coldness – there the warmth-sculpture must enter. It is there that interpersonal warmth has to be generated. That is love.“ Dieses Credo durchzieht die Ausstellung Bathtub for a Heroine, die Thaddaeus Ropac London erstmals im Vereinigten Königreich präsentiert und die sich der jahrzehntelangen Entwicklung eines der zentralen Spätwerke von Joseph Beuys widmet.
Im Zentrum steht die monumentale Bathtub (1961–85), flankiert von ihren entscheidenden Vorläufern: Bathtub for a Heroine (1961–84), Mammoth Tooth, Framed (1961) und Lead Woman (1949). Ergänzt durch weitere verwandte Skulpturen und Zeichnungen entfaltet sich ein präzises Bild jener Denkbewegungen, aus denen Beuys’ revolutionäres Konzept der sozialen Plastik hervorging – die Vorstellung von Kunst als Motor individueller und gesellschaftlicher Veränderung, untrennbar verbunden mit dem Leben selbst.
Beuys, geprägt vom Krieg und der geistigen Enge der Nachkriegszeit, nahm eine singuläre Position innerhalb der konzeptuellen und partizipativen Kunst ein. Indem er Material nicht als bloße Oberfläche verstand, sondern als aktiven Träger von Energie, und indem er immaterielle Kräfte wie Wärme, Imagination und Zirkulation ins Zentrum rückte, erweiterte er die Skulptur radikal. Kunst wurde bei ihm zu einem Ort, an dem Heilung, Erkenntnis und politisches Handeln möglich werden.
„What the future needs is the creation of the ‘social warmth sculpture’.“ Mit dem Begriff der evolutionären Wärme – oft auch revolutionäre Wärme genannt – formulierte Beuys eine materialisierte Philosophie. Wärme wirkt bei ihm als Gegenkraft zu starren Systemen, macht sie formbar und offen für Veränderung. „I consider temperature to be the most important aspect of sculpture.“ Wärme wird zum grundlegenden Medium, das Materie, Denken und soziale Prozesse zugleich transformiert.
„My sculpture is not fixed and finished. Processes continue in most of them: chemical reactions, fermentations, colour changes, decay, drying up. Everything is in a state of change.“ Die Badewannen verkörpern dieses Denken in exemplarischer Weise. Die frühe, nur 28 Zentimeter lange Bronze Mammoth Tooth, Framed bildet später den Kern von Bathtub for a Heroine. Kombiniert mit einem elektrischen Heizstab und einer vertikalen Figur – halb Körper, halb Schornstein – entsteht eine dichte Konstellation, in der evolutionäre Zeit und menschliche Handlungskraft aufeinandertreffen.
In der späteren monumentalen Version vergrößerte Beuys die Badewanne um ein Vielfaches. Der Heizmechanismus verschwindet im Inneren, die Skulptur wird anschlussfähig an ein häusliches Heizsystem. Die Figur der Heldin fehlt, doch die Badewanne selbst übernimmt eine doppelte Funktion: Sie erwärmt Wasser und Raum zugleich. Ihre körperhafte Präsenz wirkt fast anthropomorph, ihre Funktion überschreitet den reinen Nutzen. Wärme wird hier zur Voraussetzung von Kommunikation und Gemeinschaft.
„My intention was not to create or depict symbols, but to express the powers that exist in the world: the real powers.“ Beuys verstand seine Werke nicht als Allegorien, sondern als präzise Beobachtungen realer Kräfte – eine Verbindung von Kunst und Wissenschaft, von Erfahrung und Erkenntnis.
Die Badewannen erscheinen als hybride Objekte, zugleich archaisches Relikt und modernes Alltagsding. Beuys sprach von organischen Maschinen. Ein frühes Beispiel dafür ist Bed (1950), ebenfalls Teil der Ausstellung. Ein weiblicher Torso ist hier in eine mechanische Schraubzwinge eingespannt, doch nicht als Bild des Leidens. Vielmehr entsteht ein Feld energetischer Spannung, ein Zustand des Schwebens, der Widerstand und Ausgleich zugleich ist.
Zeichnungen vertiefen das Motiv der Heldin und ihre Verbindung zur evolutionären Wärme. Die weibliche Figur durchzieht das gesamte Werk von Beuys. Sie steht für Intuition, Veränderung und Grenzüberschreitung. Papier wird bei ihm zum skulpturalen Raum, der Rand zur Schwelle. Ob als Taucherin, Amazone, Mutter oder Tierwesen – diese Figuren sind aktiv, beweglich, kämpferisch. „The heroic position in my works is generally the female one,“ erklärte Beuys. „the cold, hard, crystallised, burnt-out old clinker that I would call the male intellect, [is] the cause of much of our suffering […] Taken to extremes, this means man has his head buried in the ground, while woman gazes at the spheres.“
Bathtub for a Heroine ist mehr als eine Ausstellung. Sie ist eine Einladung, Beuys’ Denken neu zu lesen – als präzise, aktuelle Reflexion über Energie, Gesellschaft und die Möglichkeit von Veränderung durch Kunst.