„The Twelve Tribes of Israel“ entfaltet eine zutiefst surrealistische Deutung biblischer Prophetie. Dalí verschmilzt religiöse Symbolik mit der Traumlogik des Unbewussten und erschafft eine Bildsprache, in der sakrale Zeichen, Visionen und psychische Projektionen untrennbar miteinander verbunden sind. Die Werke spiegeln Dalís lebenslange Faszination für die Schriften Sigmund Freuds wider und übertragen die Mechanismen des Traums auf die Ikonografie des Alten Testaments. So entstehen Bilder, die weniger erklären als beschwören – geheimnisvoll, fragmentiert und von innerer Spannung durchzogen.
Die Ausstellung erweitert diesen Fokus durch eine Auswahl einzelner Grafiken und Publikationen aus weiteren zentralen Werkserien Dalís. Dazu zählen Arbeiten aus der satirischen Folge „Les Caprices de Goya“, in denen Dalí historische Bildtraditionen radikal neu interpretiert, ebenso wie Blätter aus dem dekadent-poetischen Universum von „Les Diners de Gala“, das Dalís Sinn für Exzess, Ironie und kulturelle Provokation offenbart.
„Salvador Dalí: The Graphic Works“ ist damit weit mehr als eine Präsentation druckgrafischer Meisterschaft. Die Ausstellung macht sichtbar, wie konsequent Dalí das Medium der Grafik nutzte, um seine großen Themen zu verdichten: Spiritualität und Obsession, Geschichte und Begehren, Ordnung und Wahnsinn. Es ist eine Einladung, Dalís Werk nicht nur zu betrachten, sondern sich ihm auszusetzen – mit jener Offenheit, die der Surrealismus stets eingefordert hat.