Yann Stéphane Bisso, En second lieu ..., 2025, 100 × 450 cm (Detail), Courtesy of the artist
Yann Stéphane Bisso, En second lieu ..., 2025, 100 × 450 cm (Detail), Courtesy of the artist – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstmuseumluzern / Kunstmuseum Luzern

Wann: 01.11.2025 - 08.02.2026

Im Zentrum des Werks von Yann Stéphane Bisso steht die Malerei als Ort der kulturellen Übersetzung. Seine Bilder sind keine Abbilder von Herkunft, sondern fragile Räume des Dazwischen, in denen sich Kamerun und Frankreich, Erinnerung und Gegenwart, Intimität und globale Strukturen berühren. Der kunsthistorische Anker seiner Arbeit liegt in der zeitgenössischen Figuration, erweitert um Elemente eines magischen Realismus, der Realität nicht verlässt, sondern vertieft.

Ausstellungsansicht Yann Stéphane Bisso. Mosaïque, présence, absence, Kiefer Hablitzel | Göhner Kunstpreis 2024, Kunstmuseum Luzern, 2025, Foto: Marc Latzel
Ausstellungsansicht Yann Stéphane Bisso. Mosaïque, présence, absence, Kiefer Hablitzel | Göhner Kunstpreis 2024, Kunstmuseum Luzern, 2025, Foto: Marc Latzel – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstmuseumluzern / Kunstmuseum Luzern

Ausgangspunkt der Serie „Cooking Mama“ sind die Hungerrevolten des Jahres 2008 in Kamerun, ein historisches Ereignis, das sich unauslöschlich in das kollektive Gedächtnis eingeschrieben hat. Gleichzeitig lassen die Bilder die Gelbwesten-Bewegung in Frankreich anklingen und öffnen den Blick auf ein globales Gefüge sozialer Ungleichheit. Bisso thematisiert den weltweiten Lebensmittelhandel und dessen preissteigernde Mechanismen, die überall die Ärmsten treffen. Dem setzt er den Kochtopf der Mutter entgegen, ein starkes Bild für Heimat, Fürsorge und Geborgenheit, das in seiner Malerei zu einem stillen politischen Symbol wird.

In seinen Landschaftsbildern macht Bisso Zwischenwelten sichtbar. Surreale Elemente treten leise aus der Bildtiefe hervor, ähnlich dem magischen Realismus, ohne sich je vom Realen zu lösen. Diese Malerei verweigert sich klaren Zuordnungen und eröffnet stattdessen Räume, in denen Identität als Prozess erscheint. Natur wird zur Bühne innerer Zustände, Geschichte zum Echo, das sich in Formen und Farben fortsetzt.

Ausstellungsansicht Yann Stéphane Bisso. Mosaïque, présence, absence, Kiefer Hablitzel | Göhner Kunstpreis 2024, Kunstmuseum Luzern, 2025, Foto: Marc Latzel
Ausstellungsansicht Yann Stéphane Bisso. Mosaïque, présence, absence, Kiefer Hablitzel | Göhner Kunstpreis 2024, Kunstmuseum Luzern, 2025, Foto: Marc Latzel
Ausstellungsansicht Yann Stéphane Bisso. Mosaïque, présence, absence, Kiefer Hablitzel | Göhner Kunstpreis 2024, Kunstmuseum Luzern, 2025, Foto: Marc Latzel • Ausstellungsansicht Yann Stéphane Bisso. Mosaïque, présence, absence, Kiefer Hablitzel | Göhner Kunstpreis 2024, Kunstmuseum Luzern, 2025, Foto: Marc Latzel – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstmuseumluzern / Kunstmuseum Luzern

Die jüngsten Arbeiten setzen sich mit Ronald Moody und dessen Werk The Onlooker auseinander. Hier verschiebt sich der Fokus auf das Verhältnis von Malerei und Skulptur, von Original und Kopie sowie von Kunst und Magie. Bisso interessiert sich für die spirituelle Dimension der Form, für jene unsichtbare Energie, die ein Werk über sein Material hinaus auflädt. Seine Bilder reflektieren Skulptur, ohne sie abzubilden, und stellen Fragen nach Wahrnehmung, Aura und kultureller Überlieferung.

Die Auszeichnung der Serie „Cooking Mama“ mit dem Sonderpreis von Kiefer Hablitzel | Göhner Kunstpreis markiert einen wichtigen Moment in der jungen Karriere des Künstlers. Der Preis ermöglicht nicht nur eine Einzelausstellung, sondern auch eine erste Publikation und unterstreicht die Relevanz einer Malerei, die persönliche Erfahrung mit globalen Zusammenhängen verbindet. Bissos Werk steht exemplarisch für eine Generation von Künstlern, die kulturelle Herkunft nicht als feste Identität begreift, sondern als offenes Geflecht aus Erinnerung, Geschichte und Gegenwart.

Tags: Yann Stéphane Bisso, Figuration, Phantastischen Realismus, Postkolonialismus

Anfang Juli bis Mitte Aug:Di-So 10-18 UhrMi 10-20 Uhr

Mitte Aug bis Mitte Sept:Di-So 10-19 UhrMi 10-20 Uhr

Übrige Zeit:Di-So 10-17 UhrMi 10-20 Uhr