MAK Ausstellungsansicht, 2025 100 BESTE PLAKATE 24. Deutschland Österreich Schweiz MAK Plakat Forum © MAK/Christian Mendez
MAK Ausstellungsansicht, 2025 100 BESTE PLAKATE 24. Deutschland Österreich Schweiz MAK Plakat Forum © MAK/Christian Mendez – Mit freundlicher Genehmigung von: makpresse / MAK Wien

Wann: 26.11.2025 - 12.04.2026

Die Ausstellung im MAK – Museum für angewandte Kunst versteht sich als präziser Seismograf zeitgenössischer Plakatkunst und rückt die Grafikgestaltung als kunsthistorischen Spiegel gesellschaftlicher, technologischer und ästhetischer Entwicklungen in den Fokus. Bereits zum zwanzigsten Mal wird das MAK zur Bühne für die ausgezeichneten Arbeiten des Wettbewerbs 100 Beste Plakate e. V. Deutschland Österreich Schweiz und behauptet damit seine Rolle als zentraler Ort für visuelle Kultur im deutschsprachigen Raum.

Im Mittelpunkt des Jahrgangs 2024 steht die Typografie als autonomer Bildträger. Längst von ihrer rein dienenden Funktion befreit, tritt Schrift als eigenständige visuelle Akteurin auf, bestimmt Rhythmus, Atmosphäre und Aussagekraft der Plakate. Handgezeichnete Buchstaben behaupten sich selbstbewusst neben digital generierten Schriften, das bewusst Unvollkommene wird nicht kaschiert, sondern als ästhetisches Statement zelebriert. In dieser Spannung zwischen Präzision und Imperfektion zeigt sich eine zentrale Bewegung aktueller Grafikgestaltung.

Atelier: Studio Max Kuwertz / Running Water Creative Group / Grafik Staatstheater Lisa Blädtke Die Hölle ist leer, alle Teufel sind hier Auftraggeber*in: Staatstheater Braunschweig Drucktechnik: Offsetdruck Deutschland © Studio Max Kuwertz / 100 Beste Plakate e. V.
Atelier: Studio Max Kuwertz / Running Water Creative Group / Grafik Staatstheater Lisa Blädtke Schlaflos Auftraggeber*in: Staatstheater Braunschweig Drucktechnik: Offsetdruck Deutschland © Studio Max Kuwertz / 100 Beste Plakate e. V.
Atelier: Studio Max Kuwertz / Running Water Creative Group / Grafik Staatstheater Lisa Blädtke Die Hölle ist leer, alle Teufel sind hier Auftraggeber*in: Staatstheater Braunschweig Drucktechnik: Offsetdruck Deutschland © Studio Max Kuwertz / 100 Beste Plakate e. V. • Atelier: Studio Max Kuwertz / Running Water Creative Group / Grafik Staatstheater Lisa Blädtke Schlaflos Auftraggeber*in: Staatstheater Braunschweig Drucktechnik: Offsetdruck Deutschland © Studio Max Kuwertz / 100 Beste Plakate e. V. – Mit freundlicher Genehmigung von: makpresse / MAK Wien

Auch der Einfluss künstlicher Intelligenz ist spürbar präsent. Ihre Spuren durchziehen den Jahrgang in Form teils überraschender, unerwartet poetischer Ergebnisse. Die Ausstellung verschweigt diese Entwicklung nicht, sondern integriert sie als Ausdruck eines erweiterten Werkzeugkastens, der kreative Prozesse verändert, beschleunigt und zugleich neu befragt. Plakatkunst erscheint hier als Experimentierfeld zwischen menschlicher Intuition und algorithmischer Logik.

Aus 2.509 eingereichten Plakaten von 711 Teilnehmern wurden 100 Arbeiten und Serien ausgewählt. Die internationale Jury, besetzt mit Adeline Mollard, Anouk Rehorek, Hans Günter Schmitz, Stephanie Specht und Jonas Wandeler, entschied sich für eine Auswahl, die formale Vielfalt mit konzeptioneller Klarheit verbindet. Die geografische Verteilung unterstreicht die Eigenheiten der jeweiligen Szenen: 34 der prämierten Arbeiten stammen aus Deutschland, 63 aus der Schweiz und drei aus Österreich.

MAK Ausstellungsansicht, 2025 100 BESTE PLAKATE 24. Deutschland Österreich Schweiz MAK Plakat Forum © MAK/Christian Mendez
MAK Ausstellungsansicht, 2025 100 BESTE PLAKATE 24. Deutschland Österreich Schweiz MAK Plakat Forum © MAK/Christian Mendez – Mit freundlicher Genehmigung von: makpresse / MAK Wien

Die österreichischen Beiträge folgen einem gemeinsamen Prinzip. Sie sind als serielle, ideenbasierte Arbeiten konzipiert und werden jeweils als dreiteilige Plakatserien präsentiert. Diese Konzentration auf Serie und Konzept lenkt den Blick auf Prozesse des Denkens und Wiederholens, auf Variation und Verdichtung als gestalterische Strategie.

Ein exemplarisches Beispiel ist die Arbeit des österreichisch-chinesischen Grafikdesigners Tao Lin, Absolvent der Zürcher Hochschule der Künste. Seine Plakatserie folgt der Vorstellung von Kreativität als lebendigem Kosmos, der Inspiration aus seiner Umgebung aufnimmt und sich stetig weiterentwickelt. Gestaltung erscheint hier als organischer Prozess, nicht als abgeschlossenes Produkt.

Paul Jochum widmet sich in seiner Serie den burgenländischen Kellerstöckln und ihrem Funktionswandel. Einst für den Weinbau errichtet, sind sie heute Teil touristischer Bildwelten. Auf Grundlage von Fotografien von Thomas Sieberer und einer Dokumentation von ARCHITEKTUR RAUMBURGENLAND entfaltet die Arbeit eine stille, analytische Auseinandersetzung mit regionaler Baukultur zwischen Tradition und Vermarktung.

Gestalterin: Arbnore Toska 25 Jahre 20 Minuten Auftraggeber*in: 20 Minuten / JEFF Zürich GmbH Drucktechnik: Digitaldruck Schweiz © Arbnore Toska / 100 Beste Plakate e. V.
Gestalterin: Aude Gunzinger Il est temps de retourner l’histoire Auftraggeber*in: TU – Théâtre de l’Usine, Genf Drucktechnik: Digitaldruck Schweiz © Aude Gunzinger / 100 Beste Plakate e. V.
Gestalterin: Arbnore Toska 25 Jahre 20 Minuten Auftraggeber*in: 20 Minuten / JEFF Zürich GmbH Drucktechnik: Digitaldruck Schweiz © Arbnore Toska / 100 Beste Plakate e. V. • Gestalterin: Aude Gunzinger Il est temps de retourner l’histoire Auftraggeber*in: TU – Théâtre de l’Usine, Genf Drucktechnik: Digitaldruck Schweiz © Aude Gunzinger / 100 Beste Plakate e. V. – Mit freundlicher Genehmigung von: makpresse / MAK Wien

Einen humorvollen und zugleich präzisen Zugriff wählt Alina Traun mit ihrem Projekt „Sofort Geld!“. Ausgehend von über 60 Visitenkarten eines Auto-Export-Unternehmens analysiert sie die visuelle Sprache massenhaft produzierter Gestaltung. Katzen, Lilien, Rosen und ein Handshake werden zu Zeichen einer Ästhetik, die zwischen Beliebigkeit, Stockfoto-Bildwelten und KI-generierten Motiven oszilliert. Die Serie legt die Mechanismen visueller Vereinfachung offen und überführt sie in eine pointierte grafische Reflexion.

Die Ausstellung öffnet sich auch digitalen Erweiterungen. Mit der App Artivive lassen sich ausgewählte Arbeiten als animierte „Moving Posters“ erleben. Die Bewegung tritt dabei nicht als Effekt, sondern als inhaltliche Erweiterung des Plakats auf und verweist auf neue Formen der Wahrnehmung im öffentlichen Raum.

Begleitet wird die Ausstellung von einem Katalog, gestaltet von Studio Triestesse, der die prämierten Arbeiten dokumentiert und kontextualisiert. Kuratiert wird die Schau von Peter Klinger, stellvertretender Leiter der MAK Bibliothek und Kunstblättersammlung, der die Plakatkunst als ernstzunehmende kulturelle Praxis positioniert.

In ihrer Gesamtheit zeigt die Ausstellung Plakatkunst als sensibles Medium zwischen Kunst, Design und gesellschaftlicher Realität. Sie macht sichtbar, wie Schrift, Bild und Idee auf engstem Raum komplexe Aussagen formulieren können, und bestätigt das Plakat als unverzichtbaren Bestandteil der visuellen Gegenwartskultur.

Tags: Plakat, Plakatkunst, Typografie, Grafikdesign, Künstliche Intelligenz

Di 10–21 Uhr 

Mi–So 10–18 Uhr 

Mo geschlossen

An Feiertagen geöffnet