Der Fotograf Josef Janssen beschrieb 1878 eindrücklich die Situation vor der Kamera: „[…] schon die Zwangslage allein, in welcher sich die Person im Augenblicke der Aufnahme befindet, genügt, sie an der freien Entfaltung ihrer Individualität zu hindern. Sie soll, an den vielgehassten und gefürchteten und doch unentbehrlichen Kopfhalter gelehnt, unbeweglich und unverwandt eine Zeitlang nach einem bestimmten Punkt hinsehen, der dem Auge gewöhnlich nichts zu betrachten bietet. Was anders kann die Folge davon sein, als Starrheit und Leblosigkeit?“ Das Fehlen des Lächelns entsprach damit sowohl der technischen Realität als auch dem gesellschaftlichen Wunsch nach Kontrolle über den eigenen Ausdruck. Gefühle galten als privat und hatten im öffentlichen Bild keinen Platz.
Erst im 20. Jahrhundert begann sich das Gesicht vor der Kamera zu verändern. Mit dem Aufkommen des Stummfilms rückte die Mimik ins Zentrum der Bildsprache. Emotionen wurden über Gesichtsausdrücke vermittelt, die Kamera näherte sich dem Antlitz, das Ganzkörperporträt verlor an Bedeutung. Parallel dazu etablierte die Werbung das Lächeln als visuelles Versprechen von Glück, Erfolg und Konsum. Die Mundwinkel hoben sich zunehmend, das Strahlen wurde zur Norm. Studien belegen, dass das Lächeln in Porträts seit Beginn des 20. Jahrhunderts kontinuierlich zunimmt, wobei Frauen messbar häufiger lächeln als Männer.