Kresiah Mukwazhi Shanduko nhema, 2024 Schultze Projects #4, Museum Ludwig, Köln © Kresiah Mukwazhi  Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln/Vincent Quack
Kresiah Mukwazhi Shanduko nhema, 2024 Schultze Projects #4, Museum Ludwig, Köln © Kresiah Mukwazhi Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln/Vincent Quack – Mit freundlicher Genehmigung von: MuseumLudwig / Museum Ludwig Köln

Wann: 20.09.2025 - 14.06.2026

Die zeitgenössische Wandinstallation im Museum Ludwig wird hier zum kraftvollen Ort visuellen Aktivismus, an dem Material, Maßstab und gesellschaftliche Erfahrung untrennbar miteinander verbunden sind. In der vierten Ausgabe der Schultze Projects wird die monumentale Stirnwand des Hauses nicht dekoriert, sondern politisch aufgeladen. Die Einladung an Kresiah Mukwazhi markiert einen zentralen Moment innerhalb einer Reihe, die seit 2017 im Gedenken an Bernard Schultze und Ursula Schultze-Bluhm die Auseinandersetzung mit Raum, Erinnerung und Gegenwart sucht.

Mukwazhis künstlerische Praxis wurzelt in Textil, Körper und sozialer Realität. Seit Jahren arbeitet sie mit gebrauchten Kleidungsstücken, Stoffen und Accessoires, die sie zusammennäht, bemalt und in Installationen überführt. Diese Materialien sind Träger konkreter Erfahrungen von Gewalt, Ausbeutung und struktureller Ungleichheit. In ihren Arbeiten werden sie zu Zeugnissen weiblicher Präsenz in männlich dominierten Gesellschaften, zu Spuren eines Körpers, der zugleich verletzlich und widerständig ist. Kunst ist für Mukwazhi kein autonomer Raum, sondern eine Form des Protests und der Selbstermächtigung.

 Kresiah Mukwazhi Shanduko nhema, 2024 Schultze Projects #4, Museum Ludwig, Köln © Kresiah Mukwazhi  Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln/Vincent Quack
 Kresiah Mukwazhi Sprinkle sprinkle II, 2024  Courtesy: die Künstlerin, blank projects, Kapstadt; und Jan Kaps, Köln, Foto: blank projects, Kapstadt
Kresiah Mukwazhi Shanduko nhema, 2024 Schultze Projects #4, Museum Ludwig, Köln © Kresiah Mukwazhi Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln/Vincent Quack • Kresiah Mukwazhi Sprinkle sprinkle II, 2024 Courtesy: die Künstlerin, blank projects, Kapstadt; und Jan Kaps, Köln, Foto: blank projects, Kapstadt – Mit freundlicher Genehmigung von: MuseumLudwig / Museum Ludwig Köln

Für Köln hat die Künstlerin erstmals eine auf den ersten Blick fast monochrome, abstrakte Wandarbeit geschaffen. Erst bei genauer Betrachtung offenbart sich das verwendete Material: Träger und Verschlussbänder Tausender gebrauchter BHs. Mit über dreizehn Metern Länge und mehr als drei Metern Höhe ist dies ihre bislang größte textile Arbeit. Das Material verweist auf globale Warenströme und anhaltende koloniale Verhältnisse, in denen Alttextilien aus Industrienationen nach Afrika exportiert werden. Gleichzeitig entsteht ein Werk von großer physischer Präsenz, das, so die Künstlerin, „die Kraft der weiblichen Kollektivität“ zum Ausdruck bringt und „den heiligen Charakter von Frauen zurückfordern will, die als königliche Wesen gesehen und gefeiert werden sollten“.

In die Arbeit fließen persönliche Beobachtungen geschlechtsspezifischer Gewalt und sexueller Ausbeutung im Nachtleben von Harare ebenso ein wie Gespräche mit Sexarbeiterinnen. Der weibliche Körper erscheint hier als Austragungsort strukturellen Machtmissbrauchs, aber auch als Quelle spiritueller und sozialer Stärke. Mukwazhi bezieht sich auf afrikanische Kulturen, in denen Frauen eine besondere Verbindung zum Boden und eine ausgeprägte Spiritualität zugeschrieben wird. Das Ablegen von Kleidung erhält dabei eine symbolische Dimension, die Widerstand, Würde und Unbeugsamkeit sichtbar macht.

Der in Shona verfasste Titel der Arbeit, „Shanduko nhema“, erweitert den Interpretationsraum erheblich. Übersetzbar als „Schwarze Rückforderung“ oder „Schwarze Lügen“, verweist er auf rassistische Ideologien, mit denen europäische Mächte ihre angebliche kulturelle Überlegenheit legitimierten. Mukwazhi formuliert dazu: „Bei der Arbeit, die ich für Schultze Projects entwickelt habe, stelle ich die negativen Wahrnehmungen in Frage, die mit der Farbe Schwarz verbunden sind – als böse (schwarze Magie), als dunkel, als Außenseiter*in (schwarzes Schaf) – und ich präsentiere sie als eine Form der Ermächtigung derjenigen, die sie repräsentiert.“

 Kresiah Mukwazhi Art Basel Unlimited, 2024, Installationsansicht  Courtesy of the artist; blank projects, Cape Town; and Jan Kaps, Cologne
Kresiah Mukwazhi Art Basel Unlimited, 2024, Installationsansicht Courtesy of the artist; blank projects, Cape Town; and Jan Kaps, Cologne – Mit freundlicher Genehmigung von: MuseumLudwig / Museum Ludwig Köln

In einem weiteren Zitat verdichtet sich der politische Kern der Arbeit: „Diese Arbeit versucht, die Macht und die Würde der Frauen in unserer heutigen Gesellschaft zurückzugewinnen, der Ausgegrenzten, derjenigen, die gegen die unterdrückenden Kräfte des Patriarchats rebelliert haben und als problematisch abgestempelt wurden, weil sie sich entschieden haben, ihre Stimme zu erheben. Die Aktivistinnen, die Sexarbeiterinnen, die Künstlerinnen, die Außenseiterinnen, die Frauen, die in männlich dominierten Arbeitswelten aufbegehren.“

Die Installation im Museum Ludwig fügt sich damit nicht nur in einen architektonisch markanten Raum ein, sondern positioniert sich als eindringliches Statement zeitgenössischer Kunst. Sie verbindet Materialgeschichte, Körperpolitik und postkoloniale Reflexion zu einer Arbeit, die nicht illustriert, sondern fordert, nicht erklärt, sondern sichtbar macht. Kuratiert von Yilmaz Dziewior, wird die Wand zum Resonanzraum für eine Kunst, die Haltung zeigt und den Blick auf Macht, Würde und kollektive Stärke nachhaltig schärft.

Tags: Zeitgenössische Kunst, Textilkunst, Wandinstallation, Kresiah Mukwazhi, Afrikanische Kunst, Installation

Dienstag bis Sonntag: 10.00 – 18.00 Uhr
Donnerstag: 10.00 – 22.00 Uhr
Montag: geschlossen