Für Köln hat die Künstlerin erstmals eine auf den ersten Blick fast monochrome, abstrakte Wandarbeit geschaffen. Erst bei genauer Betrachtung offenbart sich das verwendete Material: Träger und Verschlussbänder Tausender gebrauchter BHs. Mit über dreizehn Metern Länge und mehr als drei Metern Höhe ist dies ihre bislang größte textile Arbeit. Das Material verweist auf globale Warenströme und anhaltende koloniale Verhältnisse, in denen Alttextilien aus Industrienationen nach Afrika exportiert werden. Gleichzeitig entsteht ein Werk von großer physischer Präsenz, das, so die Künstlerin, „die Kraft der weiblichen Kollektivität“ zum Ausdruck bringt und „den heiligen Charakter von Frauen zurückfordern will, die als königliche Wesen gesehen und gefeiert werden sollten“.
In die Arbeit fließen persönliche Beobachtungen geschlechtsspezifischer Gewalt und sexueller Ausbeutung im Nachtleben von Harare ebenso ein wie Gespräche mit Sexarbeiterinnen. Der weibliche Körper erscheint hier als Austragungsort strukturellen Machtmissbrauchs, aber auch als Quelle spiritueller und sozialer Stärke. Mukwazhi bezieht sich auf afrikanische Kulturen, in denen Frauen eine besondere Verbindung zum Boden und eine ausgeprägte Spiritualität zugeschrieben wird. Das Ablegen von Kleidung erhält dabei eine symbolische Dimension, die Widerstand, Würde und Unbeugsamkeit sichtbar macht.
Der in Shona verfasste Titel der Arbeit, „Shanduko nhema“, erweitert den Interpretationsraum erheblich. Übersetzbar als „Schwarze Rückforderung“ oder „Schwarze Lügen“, verweist er auf rassistische Ideologien, mit denen europäische Mächte ihre angebliche kulturelle Überlegenheit legitimierten. Mukwazhi formuliert dazu: „Bei der Arbeit, die ich für Schultze Projects entwickelt habe, stelle ich die negativen Wahrnehmungen in Frage, die mit der Farbe Schwarz verbunden sind – als böse (schwarze Magie), als dunkel, als Außenseiter*in (schwarzes Schaf) – und ich präsentiere sie als eine Form der Ermächtigung derjenigen, die sie repräsentiert.“