Die Madonna der Influencer  Giuseppe Veneziano
Die Madonna der Influencer Giuseppe Veneziano – Mit freundlicher Genehmigung von: fortezzafirmafede.it / Fortezza Firmafede Sarzana

Wann: 13.12.2025 - 03.05.2026

Zensur ist der kunsthistorische Schlüssel, um das Werk von Giuseppe Veneziano zu lesen. Nicht als äußere Einschränkung, sondern als produktive Reibung zwischen Bild, Macht und öffentlicher Moral. Seit mehr als fünfundzwanzig Jahren bewegt sich Veneziano bewusst in jenem Spannungsfeld, in dem Kunst beginnt, unbequem zu werden. Seine Malerei und Skulptur greifen auf die visuelle Sprache der Popkultur zurück, verbinden sie mit der Ikonografie der Renaissance und setzen sie einer Gegenwart aus, die empfindlich auf Spiegelungen reagiert. Zensur erscheint hier nicht als Scheitern, sondern als Symptom von Wirksamkeit.

Giuseppe Veneziano, Die Madonna des Jokers (2020; Acryl auf Leinwand, 120 × 100 cm)
Giuseppe Veneziano, Selfie (2021; Acryl auf Leinwand, 100 × 70 cm)
Giuseppe Veneziano, Die Madonna des Jokers (2020; Acryl auf Leinwand, 120 × 100 cm) • Giuseppe Veneziano, Selfie (2021; Acryl auf Leinwand, 100 × 70 cm) – Mit freundlicher Genehmigung von: fortezzafirmafede.it / Fortezza Firmafede Sarzana

In Sarzana entfaltet sich dieses Denken in Bildern an einem Ort von historischer Dichte. Die Präsentation in der Fortezza Firmafede versammelt über siebzig Arbeiten aus einem Vierteljahrhundert und macht sichtbar, wie konsequent Veneziano Figuren der Macht, der Religion und der kollektiven Imagination neu codiert. Politische Akteure, Comic-Helden und kanonische Meisterwerke werden nicht karikiert, sondern in eine Bildlogik überführt, die Ironie als analytisches Werkzeug nutzt. Gerade darin liegt die Provokation: Die Bilder lachen nicht über ihr Sujet, sie legen es frei.

Giuseppe Veneziano, Fast Freunde (2017; Acryl auf Leinwand, 155 × 120 cm)
Giuseppe Veneziano, Fast Freunde (2017; Acryl auf Leinwand, 155 × 120 cm) – Mit freundlicher Genehmigung von: fortezzafirmafede.it / Fortezza Firmafede Sarzana

Der kunsthistorische Anker dieser Ausstellung liegt in der bewussten Aktualisierung tradierter Bildformeln. Veneziano arbeitet mit der Autorität der Kunstgeschichte, um ihre Unantastbarkeit infrage zu stellen. Die Renaissance dient nicht als Zitatreservoir, sondern als moralischer Resonanzraum. Indem ihre Ikonen in die Bildsprache der Gegenwart überführt werden, entsteht eine Reibung, die Fragen nach Freiheit, Glauben und politischer Deutungshoheit neu stellt. Zensur wird dabei zum Gradmesser gesellschaftlicher Nervosität.

Giuseppe Veneziano, Die erste Mühsal des Trump (2020; Acryl auf Leinwand, 110 × 125 cm)
Giuseppe Veneziano, Ras-Putin (2018; acrylic on canvas, 58x40 cm)
Giuseppe Veneziano, Die erste Mühsal des Trump (2020; Acryl auf Leinwand, 110 × 125 cm) • Giuseppe Veneziano, Ras-Putin (2018; acrylic on canvas, 58x40 cm) – Mit freundlicher Genehmigung von: fortezzafirmafede.it / Fortezza Firmafede Sarzana

Kuratiert von Luca Nannipieri, liest sich die Ausstellung als Reflexion über das Verhältnis von Kunst und Kontrolle. Nannipieri formuliert diesen Gedanken präzise und ohne Beschönigung: „nel mondo libero occidentale, la censura è, in fondo, una dimostrazione di gratitudine. Censuri perché ti spaventa, e ti spaventa perché, sotto sotto, lo ami. L’amore ha forme di soppressione che l’indifferenza non conosce“. Das Zitat fungiert nicht als Kommentar von außen, sondern als theoretischer Kern der Schau.

 Giuseppe Veneziano, Der Aufbau einer Liebe
Giuseppe Veneziano, Der Aufbau einer Liebe – Mit freundlicher Genehmigung von: fortezzafirmafede.it / Fortezza Firmafede Sarzana

So wird Sarzana zu einem Ort, an dem sich Gegenwartskunst nicht anbiedert, sondern standhält. Venezianos Werk zeigt, dass Zensur in der Kunstgeschichte immer dort auftaucht, wo Bilder mehr sagen, als man ihnen erlauben möchte. Gerade deshalb behalten sie ihre Relevanz. In der Fortezza Firmafede wird diese Dynamik sichtbar, ruhig, präzise und von jener italienischen Klarheit getragen, die Provokation nicht schreit, sondern formuliert.

Tags: Giuseppe Veneziano, Zensur, Zeitgenössische Kunst, Renaissance, Popkultur, Kunstgeschichte, Politische Kunst, Pop Art

Freitag: 10:00–12:00 und 15:00–19:00
Samstag, Sonntag und Feiertage: durchgehend 10:00–19:00