Gleich zu Beginn wird mit der monumentalen Installation Twosome von 1991 ein zentrales Motiv eingeführt: die unauflösliche Bindung und gleichzeitige Bedrohung der Nähe. Zwei stählerne Körper, ein kleiner und ein größerer, bewegen sich mechanisch ineinander hinein und wieder hinaus. Für Bourgeois stand dieses endlose Kreisen für die Mutter-Kind-Beziehung. In unmittelbarer Nähe dazu erscheint ein Filmdokument der Performance „A Fashion Show of Body Parts“ aus dem Jahr 1978, in dem Suzan Cooper das Lied „She Abandoned Me“ singt. Die Angst vor Trennung, die hier explizit benannt wird, bildet den emotionalen Untergrund jener abstrakten Mechanik, die Twosome antreibt. Figuration und Abstraktion entspringen derselben psychischen Quelle.
Der Begriff „Gathering Wool“, dem eine Arbeit von 1990 ihren Namen gibt, verweist auf einen Zustand des Abschweifens, des gedanklichen Umherstreifens jenseits zielgerichteten Denkens. Genau diesem Zustand vertraute Bourgeois im Atelier. Gedankenreste, Traumfragmente, Ahnungen und Intuitionen durften sich verdichten, ohne dass ihre Logik vollständig erklärbar wurde. Die Skulptur selbst, sieben hölzerne Kugeln im Kreis vor einer hohen, halbkreisförmigen Wand aus vier Paneelen, ist zugleich Objekt und Raum. Sie kündigt jene späteren Cells an, in denen Bourgeois das Verhältnis von Innen und Außen, Schutz und Bedrohung räumlich zuspitzte.
Immer wieder taucht in den Arbeiten das Motiv des Hervortretens auf. Körperteile, Flüssigkeiten, Licht oder organische Formen drängen aus Behältnissen hervor, als ließe sich das Verdrängte nicht dauerhaft einschließen. In Mamelles von 1991 fließt Wasser aus einer Reihe bronzener Brüste, in Untitled (With Hand) aus dem Jahr 1989 wächst ein kindlicher Arm aus einer massiven Kugel, in Le Défi II von 1992 strahlt Licht aus Glasobjekten, die in einem Metallkabinett angeordnet sind. Diese Werke verhandeln die instabile Grenze zwischen Behälter und Inhalt, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen rationalem Bewusstsein und zeitlosem Unbewussten.