Carlos Bunga, 'Habitar la contradicción', 2025. Cortesia de l'artista.
Carlos Bunga, 'Habitar la contradicción', 2025. Cortesia de l'artista. – Mit freundlicher Genehmigung von: miromallorca.com / Joan Miró Stiftung

Wann: 15.04.2026 - 06.09.2026

Der zentrale kunsthistorische Anker dieser Ausstellung liegt in der Ephemeralität als architektonischem Prinzip. Carlos Bunga denkt Raum nicht als feste Ordnung, sondern als verletzliche Konstruktion, die jederzeit entstehen, kippen und wieder verschwinden kann. Seine Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Architektur, Skulptur, Malerei und Performance und verhandeln grundlegende Fragen von Stabilität und Vergänglichkeit, von Schutz und Prekarität.

Der 1976 in Porto geborene Künstler Carlos Bunga wurde zu Beginn der 2000er-Jahre mit temporären Interventionen bekannt, die bestehende Architekturen nicht ergänzen, sondern infrage stellen. Karton, sein bevorzugtes Material, ist dabei weit mehr als Werkstoff. Er trägt widersprüchliche Eigenschaften in sich: formbar und widerständig, robust und zerbrechlich zugleich. Diese Ambivalenz macht ihn zum idealen Träger einer künstlerischen Haltung, die sich dem Dauerhaften entzieht.

Bungas Installationen entstehen ohne vorbereitende Zeichnungen. Sie entwickeln sich aus der Situation heraus, aus körperlicher Arbeit, Intuition und Zufall. Seine architektonisch-skulpturalen Gebilde reagieren direkt auf die Orte, an denen sie entstehen, auf deren Maßstäbe, Proportionen und Brüche. Jedes Werk ist damit eine Antwort auf ein konkretes Gebäude, ein temporäres Gegenüber, das den Raum neu lesbar macht.

Carlos Bunga, 'Manifesta 15', 2024. Cortesia de l'artista.
Carlos Bunga, 'Manifesta 15', 2024. Cortesia de l'artista. – Mit freundlicher Genehmigung von: miromallorca.com / Joan Miró Stiftung

In seiner Intervention in der Fundació Joan Miró richtet Bunga den Blick auf das Thema Wohnen und dessen zunehmende Prekarisierung. Ausgehend von gesellschaftlichen Entwicklungen, wie sie in der internationalen Presse verhandelt werden, übersetzt er diese Realität in eine räumliche Erfahrung. Unterschiedliche Materialien, stets in Beziehung zum jeweiligen Territorium gewählt, verleihen der Installation eine ortsspezifische Prägung und verstärken den Dialog zwischen globaler Problematik und lokalem Kontext.

Bungas Werk entfaltet seine Wirkung nicht durch Monumentalität, sondern durch Fragilität. Die scheinbare Instabilität seiner Konstruktionen verweist auf den performativen Akt des Bauens selbst, auf das permanente Aushandeln von Halt und Auflösung. Raum wird bei ihm nicht bewohnt, sondern befragt.

Internationale Aufmerksamkeit erlangte Carlos Bunga mit Einzelausstellungen und Projekten unter anderem im Miami Art Museum, im Hammer Museum, im Museu de Serralves, in der Pinacoteca de São Paulo, im Haus Konstruktiv sowie im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, wo er 2022 im Palacio de Cristal intervenierte. 2026 folgt eine Intervention in der Capella dels Àngels des MACBA.

Carlos Bunga, ausgebildet an der ESAD in Caldas da Rainha und heute in Barcelona lebend, nutzt einfache Materialien wie Karton, Klebeband und Stoff, um die Grenzen zwischen Skulptur und Malerei zu verwischen. Seine Arbeiten erscheinen fragil, sind jedoch von hoher physischer und konzeptueller Präsenz. Sie machen sichtbar, dass Raum kein statisches Gebilde ist, sondern ein Prozess – provisorisch, verletzlich und zutiefst menschlich.

Tags: Carlos Bunga, Zeitgenössische Kunst, Installation, Rauminstallation, Performance Kunst, Wohnen, Architektur, Gegenwartskunst

Geöffnet von 10:00 bis 18:00