Georg Mayer-Marton Dalmatinische Küste
Georg Mayer-Marton Dalmatinische Küste – Mit freundlicher Genehmigung von: office@kunsthandelwidder.com / Kunsthandel Widder GmbH

Wann: 07.01.2026 - 31.01.2026

Der Kunsthandel Widder öffnet den Blick auf ein Werk, das aus der Stille der Geschichte spricht und dennoch mit großer formaler Präsenz überzeugt. In einer Verkaufsausstellung werden Aquarelle und Grafiken aus den 1920er- und 1930er-Jahren gezeigt, Arbeiten, in denen sich der Einfluss der Neuen Sachlichkeit mit Georg Mayer-Martons eigenem Bemühen um eine dynamisierte Landschaftsdarstellung verbindet. Linien geraten in Bewegung, Räume scheinen zu atmen, und die Bildfläche wird zum Ort eines modernen Denkens, das die Wiener Moderne ab 1918 exemplarisch verkörpert.

 Georg Mayer-Marton Bucht von Neapel mit Vesuv
 Georg Mayer-Marton Italienische Hafenszene
Georg Mayer-Marton Bucht von Neapel mit Vesuv • Georg Mayer-Marton Italienische Hafenszene – Mit freundlicher Genehmigung von: office@kunsthandelwidder.com / Kunsthandel Widder GmbH

Mayer-Martons Werk steht stellvertretend für eine Epoche, in der Kunst nicht nur Form, sondern Haltung war. Seine Biografie macht ihn zugleich zu einem tragisch-typischen Beispiel der österreichisch-jüdischen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Zahlreiche Werke sind heute in bedeutenden Museen und Sammlungen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten verankert, und doch ist sein Œuvre im öffentlichen Bewusstsein weniger präsent, als es seiner Qualität entspräche. Diese Ausstellung versteht sich als Einladung zur Wiederentdeckung, als leiser, aber bestimmter Hinweis auf eine künstlerische Position, die neu gelesen werden will.

 Georg Mayer-Marton Positano
Georg Mayer-Marton Verzweiflung
Georg Mayer-Marton Positano • Georg Mayer-Marton Verzweiflung – Mit freundlicher Genehmigung von: office@kunsthandelwidder.com / Kunsthandel Widder GmbH

Geboren 1897 in Raab, dem heutigen Győr, erhielt Mayer-Marton seine Ausbildung an den Akademien in Wien bei Josef Jungwirth und in München bei Carl von Marr sowie bei Franz Cizek an der Wiener Kunstgewerbeschule. Bereits in den 1920er- und 1930er-Jahren feierte er große Ausstellungserfolge. Seine Karriere entwickelte sich parallel zur vitalen Szene des damaligen Wien, in der künstlerische Erneuerung und gesellschaftliche Umbrüche eng miteinander verflochten waren.

Als Mitglied, später Sekretär und Vizepräsident des Hagenbund war Mayer-Marton eine zentrale Figur der progressiven Wiener Kunstszene. Der Hagenbund stand für Offenheit, Internationalität und künstlerische Freiheit, Werte, die sich auch in Mayer-Martons Werk widerspiegeln. Seine Bedeutung wurde zu Lebzeiten anerkannt, unter anderem mit dem Ehrenpreis der Stadt Wien und dem Österreichischen Staatspreis, Auszeichnungen, die seine Stellung innerhalb der österreichischen Kunst seiner Zeit unterstreichen.

 Georg Mayer-Marton Dalmatinische Küste mit Agaven
Georg Mayer-Marton Dalmatinische Küste mit Agaven – Mit freundlicher Genehmigung von: office@kunsthandelwidder.com / Kunsthandel Widder GmbH

Die politische Zäsur des Jahres 1938 zwang den jüdischen Künstler zur Emigration. Mit seiner Frau ging Mayer-Marton nach London, wo er an der St. John’s Wood School of Arts unterrichtete. Ein Bombenangriff zerstörte dort 1940 sein Atelier und einen Großteil seines bisherigen Werkes, ein Verlust, der wie ein schmerzhafter Einschnitt durch sein künstlerisches Leben geht. Zwischen 1940 und 1943 war er Vortragender in der Erwachsenenbildung, von 1943 bis 1952 unterrichtete er als Professor im Umfeld des Arts Council in London, ab 1952 am College of Arts in Liverpool.

Georg Mayer-Marton starb 1960 in Liverpool. Sein Werk, zwischen Wiener Moderne, Neuer Sachlichkeit und Exilkunst verortet, bleibt ein eindringliches Zeugnis einer unterbrochenen künstlerischen Laufbahn und zugleich ein starkes Argument für die Notwendigkeit, diese Position neu zu sehen, neu zu lesen und neu zu würdigen.

Tags: Georg Mayer-Marton, Malerei, Wiener Moderne, Neue Sachlichkeit, Hagenbund, jüdische Künstler, 20. Jahrhundert, Zwischenkriegszeit, Exilkunst, 20er Jahre, 30er-Jahren, Zensur

Di - Fr: 11:00 - 18:00 
Sa: 10:00 - 15:00