Die Ausstellung „Früher hießen wir Gastarbeiter.“ im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verankert die Dokumentarfotografie der Migration als zentralen kunsthistorischen Anker innerhalb der Sammlung und eröffnet einen lange übersehenen Blick auf die visuelle Kultur der Bundesrepublik. Im Mittelpunkt stehen fotografische Arbeiten, die nicht von außen beobachten, sondern aus der eigenen Erfahrung heraus erzählen. Fotografie wird hier zu einem Medium der Selbstvergewisserung, der politischen Teilhabe und der historischen Korrektur.
Die gezeigten Werke von Muhlis Kenter, Nuri Musluoğlu, Asimina Paradissa und Mehmet Ünal entstanden in den 1960er- und 1970er-Jahren, einer Phase tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche. Die Fotografien dokumentieren das Leben und Arbeiten von Menschen, die aus der Türkei und Griechenland nach Deutschland kamen, und zeigen den Alltag zwischen Fabrik, Wohnung, politischem Engagement und sozialem Raum. Diese Bilder sind keine Randnotizen der Geschichte, sondern visuelle Zeugnisse eines gesellschaftlichen Zentrums, das lange nicht als solches wahrgenommen wurde.