Ausstellungsansicht, „Früher hießen wir Gastarbeiter.“ Erweiterung der Sammlung Fotografie und neue Medien, MK&G, Foto: Henning Rogge
Ausstellungsansicht, „Früher hießen wir Gastarbeiter.“ Erweiterung der Sammlung Fotografie und neue Medien, MK&G, Foto: Henning Rogge – Mit freundlicher Genehmigung von: mkg / Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Wann: 31.10.2025 - 17.05.2026

Die Ausstellung „Früher hießen wir Gastarbeiter.“ im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verankert die Dokumentarfotografie der Migration als zentralen kunsthistorischen Anker innerhalb der Sammlung und eröffnet einen lange übersehenen Blick auf die visuelle Kultur der Bundesrepublik. Im Mittelpunkt stehen fotografische Arbeiten, die nicht von außen beobachten, sondern aus der eigenen Erfahrung heraus erzählen. Fotografie wird hier zu einem Medium der Selbstvergewisserung, der politischen Teilhabe und der historischen Korrektur.

Die gezeigten Werke von Muhlis Kenter, Nuri Musluoğlu, Asimina Paradissa und Mehmet Ünal entstanden in den 1960er- und 1970er-Jahren, einer Phase tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche. Die Fotografien dokumentieren das Leben und Arbeiten von Menschen, die aus der Türkei und Griechenland nach Deutschland kamen, und zeigen den Alltag zwischen Fabrik, Wohnung, politischem Engagement und sozialem Raum. Diese Bilder sind keine Randnotizen der Geschichte, sondern visuelle Zeugnisse eines gesellschaftlichen Zentrums, das lange nicht als solches wahrgenommen wurde.

Ausstellungsansicht, „Früher hießen wir Gastarbeiter.“ Erweiterung der Sammlung Fotografie und neue Medien, MK&G, Foto: Henning Rogger
Ausstellungsansicht, „Früher hießen wir Gastarbeiter.“ Erweiterung der Sammlung Fotografie und neue Medien, MK&G, Foto: Henning Rogger – Mit freundlicher Genehmigung von: mkg / Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Die Ausstellung versammelt rund 80 Fotografien und Collagen, die Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte in der Bundesrepublik zeigen. Sichtbar werden soziale Ungleichheit, strukturelle Benachteiligung, Sexismus und Rassismus ebenso wie Momente von Solidarität, Selbstorganisation und kultureller Selbstbehauptung. Das Leben im Exil erscheint nicht als abstrakter Zustand, sondern als konkrete Erfahrung, geprägt von Arbeit, Familie, politischem Bewusstsein und dem Anspruch auf Sichtbarkeit.

Fotografie fungiert hier als historisches Dokument und zugleich als künstlerische Strategie. Die Bildsprache ist direkt, ungeschönt und von einer formalen Klarheit, die sich dem schnellen Konsum entzieht. Gerade in dieser Zurückhaltung liegt ihre Kraft. Die Fotografien widersprechen gängigen Bildtraditionen der sogenannten Arbeitsmigration und setzen an ihre Stelle eine Perspektive, die den fotografierten Menschen ihre Stimme zurückgibt.

Mit der Erweiterung der Sammlung Fotografie und neue Medien positioniert sich das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg bewusst innerhalb eines erweiterten Kanons der Fotogeschichte. Die Ankäufe markieren einen Schritt hin zu einer Sammlungspolitik, die gesellschaftliche Realität nicht nur abbildet, sondern kritisch reflektiert. Die Dokumentarfotografie der Migration wird hier als integraler Bestandteil der deutschen und europäischen Fotografiegeschichte verstanden.

Nuri Musluoğlu (* 1951), Wohnheim für Asylsuchende, © Nuri Musluoğlu
Muhlis Kenter (* 1952), Konzertsituation, © Muhlis Kenter
Nuri Musluoğlu (* 1951), Wohnheim für Asylsuchende, © Nuri Musluoğlu • Muhlis Kenter (* 1952), Konzertsituation, © Muhlis Kenter – Mit freundlicher Genehmigung von: mkg / Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

„Früher hießen wir Gastarbeiter.“ ist damit mehr als eine Ausstellung. Sie ist ein historisches Korrektiv und ein visuelles Archiv gelebter Erfahrungen, deren gesellschaftspolitische Relevanz bis heute anhält. Die in den Bildern verhandelten Themen sind keine abgeschlossenen Kapitel, sondern Teil einer fortdauernden Gegenwart, die sich im Medium der Fotografie mit großer Eindringlichkeit einschreibt.

Der Ankauf der in der Ausstellung gezeigten Positionen für die Sammlung des MK&G wird von der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen ermöglicht.

Tags: Dokumentarfotografie, Fotografie, Muhlis Kenter, Nuri Musluoğlu, Asimina Paradissa, Mehmet Ünal, Menschen, Rassismus, Soziale, Zeitgenössische Kunst, zeitgenössische Fotografie

Das Museum ist montags geschlossen. Von Dienstag bis Sonntag ist es von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Donnerstags gelten verlängerte Öffnungszeiten von 10 bis 21 Uhr, an Feiertagen am Donnerstag schließt das Museum bereits um 18 Uhr. Der letzte Einlass erfolgt jeweils 30 Minuten vor der Schließung des Museums.