Porträt der Künstlerin Claire Tabouret vor monumentalem Gemälde mit Kinderfiguren, warmen Farben, ruhiger Pose und konzentriertem Blick im Ausstellungsraum moderner Kunstkontext
Porträt der Künstlerin Claire Tabouret vor monumentalem Gemälde mit Kinderfiguren, warmen Farben, ruhiger Pose und konzentriertem Blick im Ausstellungsraum moderner Kunstkontext – Mit freundlicher Genehmigung von: voorlinden / Museum Voorlinden

Wann: 31.01.2026 - 26.05.2026

Die figurative Malerei erlebt in der Gegenwart eine neue Dringlichkeit, in der das menschliche Antlitz erneut zum Träger von Erinnerung, Projektion und existenzieller Befragung wird. In diesem kunsthistorischen Spannungsfeld positioniert sich das Werk von Claire Tabouret, deren Malerei sich der Figur nicht als Abbild, sondern als psychischem Resonanzraum nähert. Ihre Arbeiten kreisen um Identität, Zugehörigkeit und Verletzlichkeit und führen die lange Tradition des Porträts in eine Gegenwart, die von Brüchen, Ambivalenzen und innerer Bewegung geprägt ist.

Tabourets Malerei überschreitet bewusst die klassischen Grenzen des Mediums. Leinwand, Kunstfell, Plexiglas, Bronze und Keramik werden gleichwertige Träger eines Denkens, das sich der Kontrolle immer wieder entzieht. Die Künstlerin arbeitet figurativ und zugleich experimentell, greift kunsthistorische Motive wie Badende, Trauernde oder Gruppenbilder auf und überführt sie in eine Bildsprache, die zugleich vertraut und verstörend wirkt. Ihre leuchtenden, teils fast fluoreszierenden Farbpaletten stehen neben lasierenden, durchscheinenden Schichten, die den Figuren eine fragile, schwebende Präsenz verleihen. Erinnerung, private Bildarchive und im Internet gefundene Motive verschränken sich zu einer Malerei, die zutiefst persönlich ist und dennoch kollektive Erfahrung verhandelt.

Left: Claire Tabouret, Self-portrait as a Vampire, 2019 © Marten Elder Right: Claire Tabouret, Les pleureuses (brun doré), 2023
Left: Claire Tabouret, Self-portrait as a Vampire, 2019 © Marten Elder Right: Claire Tabouret, Les pleureuses (brun doré), 2023 – Mit freundlicher Genehmigung von: voorlinden / Museum Voorlinden

Im Zentrum steht immer der Blick. Die Porträts halten dem Betrachter einen Spiegel vor, ohne Eindeutigkeit zuzulassen. Stärke und Verletzlichkeit existieren gleichzeitig, das Selbst erscheint als instabiler Zustand. „The human face is like the surface of water, always in motion, always elusive, never still. By painting myself, I can capture that fleeting state.“ Diese Haltung prägt auch die Selbstporträts, in denen Tabouret sich als Vampirfigur mit Kapuzenpullover zeigt, eine Bildfindung zwischen Maskierung, Mythos und zeitgenössischer Selbstinszenierung.

In der Präsentation im Museum Voorlinden entfaltet sich ein konzentrierter Überblick über das Werk der letzten zehn Jahre, ergänzt um eigens geschaffene Arbeiten. Die Ausstellung folgt keiner linearen Erzählung, sondern lässt Bezüge und Echoeffekte zwischen Serien und Einzelwerken entstehen. Unmögliche Materialien, Bilder von Inhaftierten und handwerkliche Verfahren, die sich dem perfekten Ergebnis verweigern, werden zu Werkzeugen einer Malerei, die das Risiko sucht. Kontrolle wird bewusst aufgegeben, um dem Bild eine eigene Entwicklung zu erlauben.

 Claire Tabouret, The Last Day, 2016, Private Collection
Claire Tabouret, The Last Day, 2016, Private Collection – Mit freundlicher Genehmigung von: voorlinden / Museum Voorlinden

Die internationale Bedeutung von Claire Tabouret zeigt sich nicht nur in der musealen Rezeption, sondern auch in ihrer jüngsten Berufung zur Gestaltung der Glasfenster von Notre-Dame in Paris. Diese Arbeit markiert einen historischen Moment, in dem zeitgenössische figurative Kunst in einen sakralen Kontext von höchster symbolischer Dichte tritt. Suzanne Swarts formuliert diesen Stellenwert präzise: „I am incredibly proud that we are opening our anniversary year with this virtuoso artist; Claire Tabouret paints with precision, audacity, and great empathy.“

Claire Tabouret, Deux Baigneuses, 2021, Collection museum Voorlinden  Photo header: Ruud Baan
Claire Tabouret, Deux Baigneuses, 2021, Collection museum Voorlinden Photo header: Ruud Baan – Mit freundlicher Genehmigung von: voorlinden / Museum Voorlinden

Auch Barbara Bos verweist auf die nachhaltige Wirkung dieser Malerei: „Claire Tabouret’s work is utterly compelling; it draws you in and lingers in your mind. This is due to her distinctive style, her colour palette, the tactile quality of her work, and her evocative subjects. Those gazes stay with you long after you leave the gallery.“ In dieser Persistenz des Blicks zeigt sich die Stärke einer figurativen Malerei, die nicht beruhigt, sondern offenlegt.

Claire Tabourets Werk steht damit exemplarisch für eine zeitgenössische Rückkehr zur Figur, die weder nostalgisch noch illustrativ ist. Es ist eine Malerei, die den Menschen nicht erklärt, sondern aussetzt, zwischen Nähe und Distanz, Erinnerung und Gegenwart, und die zeigt, dass das Porträt im 21. Jahrhundert erneut zu einem Ort existenzieller Erkenntnis werden kann.

Tags: Claire Tabouret, Malerei, Gegenwartskunst, Zeitgenössische Kunst, Porträtkunst, Bronze, Keramik

Täglich geöffnet von 11:00 bis 17:00 Uhr