Farbenfrohe, großformatige Nana-Skulptur von Niki de Saint Phalle im ländlichen Umfeld von Hauser & Wirth Somerset, Teil der Ausstellung zur künstlerischen Zusammenarbeit mit Jean Tinguely.
Farbenfrohe, großformatige Nana-Skulptur von Niki de Saint Phalle im ländlichen Umfeld von Hauser & Wirth Somerset, Teil der Ausstellung zur künstlerischen Zusammenarbeit mit Jean Tinguely. – Mit freundlicher Genehmigung von: hauserwirth.com / Gallery Hauser & Wirth

Wann: 18.05.2025 - 01.02.2026

Zwischen Mythos und Maschine liegt ein kunsthistorisches Spannungsfeld, das die europäische Nachkriegskunst nachhaltig geprägt hat: der Nouveau Réalisme und die radikale Neubestimmung von Skulptur, Körper und Bewegung. In diesem Kontext begegnen sich die Werke von Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely nicht als Gegensätze, sondern als komplementäre Kräfte eines gemeinsamen Denkens. Ihre künstlerische Allianz, über drei Jahrzehnte hinweg erneuert, bildet den zentralen kunsthistorischen Anker dieser umfassenden Präsentation bei Hauser & Wirth Somerset.

Image for exhibition titled Niki de Saint Phalle
Image for exhibition titled Niki de Saint Phalle – Mit freundlicher Genehmigung von: hauserwirth.com / Gallery Hauser & Wirth

We couldn’t sit down together without creating something new, conjuring up dreams.“ Dieser Satz, den Saint Phalle 1996 rückblickend formulierte, ist weniger Erinnerung als künstlerisches Manifest. Beide Künstler verstanden Kunst als lebendigen Prozess, gespeist aus Rebellion, Spiel, Zufall und einem tiefen Misstrauen gegenüber technokratischem Fortschrittsglauben. Tinguelys kinetische Skulpturen, seine bewusst dysfunktionalen „Anti-Maschinen“, entlarven seit den 1950er-Jahren den Mythos der Effizienz. Bewegung, Geräusch, Selbstzerstörung und Ironie werden bei ihm zu skulpturalen Werkzeugen, mit denen er die Entfremdung des Menschen im Zeitalter der Apparate sichtbar macht.

Kinetische Skulpturen von Tinguely und Niki de Saint Phalle im Raum
Mechanische Skulptur von Tinguely begegnet Nana von Niki de Saint Phalle
Kinetische Skulpturen von Tinguely und Niki de Saint Phalle im Raum • Mechanische Skulptur von Tinguely begegnet Nana von Niki de Saint Phalle – Mit freundlicher Genehmigung von: hauserwirth.com / Gallery Hauser & Wirth

Saint Phalle antwortet darauf mit dem Körper als Gegenentwurf. Ihre monumentalen Figuren, insbesondere die „Nanas“, feiern Vitalität, Autonomie und eine Weiblichkeit jenseits traditioneller Zuschreibungen. Bereits in den frühen „Shooting Paintings“ ab 1961 wird der Akt der Zerstörung zum Akt der Selbstermächtigung. Das Schießen auf die Leinwand ist kathartisch und politisch zugleich, ein Aufbegehren gegen autoritäre Strukturen, religiöse Enge und patriarchale Gewalt. Tinguely stand diesen Arbeiten nicht nur nahe, er teilte ihren Geist in seinen auto-destruktiven Skulpturen und performativen Aktionen.

Niki de Saint Phalle  Big Lady (black)  1968/1995
Jean Tinguely  Metamatic No. 20  1959/1960
Niki de Saint Phalle Big Lady (black) 1968/1995 • Jean Tinguely Metamatic No. 20 1959/1960 – Mit freundlicher Genehmigung von: hauserwirth.com / Gallery Hauser & Wirth

Gemeinsam entwickelten beide eine Bildsprache, in der Mythologie, Technik und Traum ineinandergreifen. Saint Phalles Faszination für archetypische Figuren, Tarot, Tiere und hybride Wesen verband sich mit Tinguelys mechanischen Konstruktionen zu einer Kunst, die Utopie nicht als Ziel, sondern als fortwährenden Prozess begreift. Werke wie „Le Cyclop“ in Milly-la-Forêt oder die gemeinsamen Skulpturen der 1980er-Jahre sind Ausdruck eines radikalen Lebensentwurfs, in dem Kunst, Alltag und Gemeinschaft untrennbar verschmelzen.

Goldene Skulptur verbindet Mythos, Bewegung und Gesichtsmotiv in dialogischer Ausstellung raumgreifender
Goldene Skulptur verbindet Mythos, Bewegung und Gesichtsmotiv in dialogischer Ausstellung raumgreifender – Mit freundlicher Genehmigung von: hauserwirth.com / Gallery Hauser & Wirth
Goldene Skulpturen von Saint Phalle und Tinguely entfalten Bewegung im Raum
Goldene Skulpturen von Saint Phalle und Tinguely entfalten Bewegung im Raum – Mit freundlicher Genehmigung von: hauserwirth.com / Gallery Hauser & Wirth

Diese Ausstellung macht sichtbar, wie sehr Saint Phalle und Tinguely die Grenzen zwischen Skulptur, Architektur, Performance und sozialem Raum aufgelöst haben. Ihr Werk ist kein nostalgisches Kapitel der Avantgarde, sondern ein hochaktueller Kommentar zu Macht, Technologie und Freiheit. In einer Zeit, in der Maschinen erneut unser Denken dominieren, erinnern ihre Arbeiten daran, dass Fantasie, Spiel und Widerspruch unverzichtbare Instrumente menschlicher Selbstbehauptung sind.

Tags: Niki de Saint-Phalle, Jean Tinguely, Skulpturen, Mythos, Zeitgenössische Kunst, Nachkriegskunst, Kunstgeschichte, Nouveau Réalisme

Hauser & Wirth Somerset, Durslade Farm, Dropping Lane, Bruton, Somerset BA10 0NL. Öffnungszeiten der Galerie: Donnerstag bis Sonntag, 12–17 Uhr; Mittwoch bis Sonntag, 12–17 Uhr (nur Juli und August). Öffnungszeiten des Gartens: Mittwoch bis Sonntag, 10–17 Uhr.