Jakob Kudsk Steensen, The Song Trapper, 2025. Moving image, virtual performance and spatialized sound. Courtesy the artist.
Jakob Kudsk Steensen, The Song Trapper, 2025. Moving image, virtual performance and spatialized sound. Courtesy the artist. – Mit freundlicher Genehmigung von: fondationlouisvuitton.fr / Fondation Louis Vuitton

Wann: 17.10.2025 - 02.03.2026

Im Zentrum dieser Ausstellung steht zeitgenössische Medienkunst als ökologische Erfahrungsform, ein kunsthistorischer Ansatz, der seit den späten 1990er-Jahren digitale Bildwelten, Klang, Raum und Narration zu einer erweiterten Wahrnehmung des Wirklichen verschränkt. In dieser Tradition verortet sich das Werk von Jakob Kudsk Steensen, dessen künstlerische Praxis digitale Technologien nicht als Selbstzweck begreift, sondern als Instrument zur poetischen Erforschung fragiler Ökosysteme und innerer Erfahrungsräume.

Mit The Song Trapper (2025) entwickelt Steensen eine immersive Installation, die bewegtes Bild, virtuelle Performance und räumlichen Klang zu einem atmosphärischen Ganzen verbindet. Die Arbeit entsteht aus einer langjährigen Auseinandersetzung mit Game-Engines, generativen Systemen und Photogrammetrie, verbunden mit realer Feldforschung in bedrohten Landschaften. Diese Methode steht in der kunsthistorischen Linie einer ökologisch erweiterten Medienkunst, die Natur nicht abbildet, sondern als dynamisches, verletzliches System erfahrbar macht.

Die Installation entfaltet sich in der Architektur von Gallery 8 der Fondation Louis Vuitton, wo mehrere LED-Screens räumlich aufeinander reagieren. Die Hauptfigur, der Song Trapper, ist eine stumme, opernhafte Gestalt, deren Ursprung in handgezeichneten Tusche- und Aquarellstudien liegt. In digitale Welten übersetzt, bewegt sich diese Figur durch Wüsten, Sümpfe und salzhaltige Landschaften und sammelt Klänge, die sie speichert, verfremdet und wieder abgibt. Klang, Bewegung und Landschaft treten dabei in einen wechselseitigen Rhythmus, wie man ihn aus der Geschichte der Videokunst ebenso kennt wie aus experimentellen Computerspielen.

Ein freies Gedicht des Künstlers, als Untertitel eingeblendet, lenkt die Erzählung und öffnet einen philosophischen Resonanzraum, in dem ökologische Veränderung und psychische Innenwelt untrennbar miteinander verbunden sind. Die digitale Landschaft reagiert auf jede Geste der Figur, wodurch sich ein zentrales Motiv zeitgenössischer Medienkunst verdichtet: die Auflösung klarer Grenzen zwischen Subjekt, Technologie und Umwelt.

Die sinnliche Dimension der Arbeit wird durch einen grünlich getönten Lichtraum und einen eigens entwickelten Duft erweitert, der aquatische und amphibische Noten miteinander verschränkt. So wird der Ausstellungsraum selbst zu einem lebendigen Organismus, der Sehen, Hören und Riechen verbindet und den Besucher körperlich in das Werk hineinzieht.

Diese Ausstellung markiert nicht nur den ersten institutionellen Auftritt des Künstlers in Paris, sondern bestätigt auch seine Position innerhalb einer internationalen Entwicklung, in der digitale Kunst als Träger ökologischer Erinnerung und spekulativer Zukunftsbilder verstanden wird. Die Zusammenarbeit mit dem Mudam Luxembourg – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, das im Frühjahr 2027 eine weitere Einzelausstellung zeigen wird, unterstreicht die nachhaltige Relevanz dieser künstlerischen Haltung, die Technologie in ein poetisches Instrument der Achtsamkeit verwandelt.

Tags: Zeitgenössische Kunst, Medienkunst, Jakob Kudsk Steensen, Videokunst, Gegenwartskunst

Montag bis Donnerstag von 11:00/12:00 bis 19:00/20:00 Uhr und am Wochenende von 10:00/11:00 bis 20:00/21:00 Uhr. Dienstags ist meist geschlossen. Der letzte Einlass erfolgt 30–45 Minuten vor Schließung.